Am 21. Oktober 2005 wurde der Truppenübungsplatz Münsingen (Kreis Reutlingen) "außer Dienst gestellt", wie es offiziell heißt. Davor diente das riesige Gelände auf der Reutlinger Alb über 100 Jahre lang unterschiedlichen Streitkäften: Gegründet als Übungsplatz des XIII. Königlich Württembergischen Armeekorps ging die Verwaltung laut Stadtarchiv nach Ende des Ersten Weltkrieges an die Reichswehr über. Nach 1945 waren Truppen der französischen Armee stationiert. Später diente Münsingen auch der Bundeswehr als Übungsgelände. Vor 20 Jahren kam dann das Aus.
Münsingen wollte Truppenübungsplatz nicht verlieren
Was im Oktober 2005 geschah, hat sich die Stadt Münsingen nicht gewünscht, sagte Bürgermeister Mike Münzing (SPD) dem SWR. Denn der Standort hatte mit der Kaufkraft der Soldaten und den Leistungen für die Bundeswehr die Wirtschaftskraft der Stadt um 75 Millionen Euro im Jahr gesteigert. Dieses Geld drohte nach dem Abzug der Soldaten verloren zu gehen.
Aber die Stadt erreichte damals, dass die Militärfläche zivil genutzt werden darf. So wuchs auf dem Gelände der ehemaligen Herzog-Albrecht-Kaserne eine neue Wohnsiedlung. Innerhalb von drei Jahren waren laut Bürgermeister Münzing alle 200 Bauplätze vergeben. Man habe früh mit der Bundesrepublik Deutschland verhandelt, das sei der Garant dafür gewesen, dass aus dem Sperrgebiet ein Erholungsgebiet werden konnte und es nicht Sperrgebiet blieb.
Lenkungskreis hat entschieden So groß wird das Biosphärengebiet Schwäbische Alb bis 2027
Jetzt ist es entschieden: Das Biosphärengebiet Schwäbische Alb wächst um rund 40 Prozent. Von Reutlingen bis an die Donau kommen neue Flächen dazu. An welchen Orten gab es Protest?
Biosphärengebiet lockt Gäste auf die Alb
Der ehemalige Truppenübungsplatz ist jetzt Kern des Biosphärengebiets Schwäbische Alb, zu dem Teile der Landkreise Esslingen, Reutlingen und des Alb-Donau-Kreises gehören - ein Touristenmagnet. Es gibt deutlich mehr Übernachtungen. Und auch die Zahl der Tagesgäste stieg von 500.000 auf eine Million im Jahr.
Die ehemalige Truppenunterkunft aus dem Kaiserreich, das sogenannte Alte Lager, steht unter Denkmalschutz. Dort ist das Informationszentrum für das Biosphärengebiet Schwäbische Alb untergebracht sowie Seminar- und Ausstellungsräume. Die Gäste können sich über Biosphärengebiete weltweit, den ehemaligen Truppenübungsplatz, die heimischen Wälder, Imkerei, Beweidung und die Stadt-Land-Beziehungen in der Region informieren.