Es ist ein Moment, an den man sich noch lange erinnert: der Heiratsantrag. Und genau deswegen hat Hannes Peters aus Wald-Glashütte (Kreis Sigmaringen) sich etwas ganz Besonderes überlegt, als er beschlossen hat, seiner Freundin Sophia die große Frage zu stellen. Hannes hat den Verlobungsring mit einem Heliumballon 30.000 Meter in die Höhe steigen lassen, das Ganze mit einer Kamera gefilmt und Sophia mit einem Video vom Ring in der Stratosphäre überrascht. Zuerst hat die "Schwäbische Zeitung" über den ungewöhnlichen Heiratsantrag berichtet.
Trotz perfekter Planung: Verlobungsring in der Stratosphäre verloren
Für gewöhnlich überlässt Hannes nichts dem Zufall. Damit alles klappt, hat er sich drei Monate lang auf die Aktion vorbereitet, sagt er im Gespräch mit dem SWR. Nach seinen Berechnungen sollte der Heliumballon drei Stunden lang in der Luft bleiben, bis er platzt und in der Nähe von Augsburg wieder landet. Per GPS sollte Hannes den Landepunkt auf sein Handy bekommen und den Verlobungsring mitsamt der Kamera so wiederfinden. Das war zumindest der Plan.
An einem Samstag im Oktober 2024 hat Hannes den Ballon dann mit einem Freund zusammen steigen lassen. Stundenlang haben beide auf einem Parkplatz in der Nähe von Augsburg auf das GPS-Signal gewartet. Aber vergeblich - vom Verlobungsring fehlte jede Spur. "Das war ein schreckliches Gefühl", erinnert er sich. Sophia muss lachen, während Hannes die Geschichte erzählt. "Normalerweise ist er so ein Sicherheitsmensch", sagt sie, "da ist es schon untypisch, dass er den echten Ring mit hochschickt" und nicht etwa eine Attrappe verwendet.
GPS meldet sich aus rund 800 Kilometern Entfernung wieder
Nach einigen Stunden ist das GPS-Signal dann aber wieder aufgetaucht - und zwar in der Slowakei. Offenbar ist der Luftballon deutlich länger in der Luft geblieben als geplant, weil Hannes ihn mit zu wenig Helium befüllt hatte. Er habe sich "erstmal erschrocken", erzählt Hannes, als er auf der Karte in seinem Handy nur fremde Ortsnamen gelesen hat.
Wie komme ich jetzt in die Slowakei? Fahre ich jetzt direkt los oder erst morgen? Wie erzähle ich das Sophia?
Hilfe kommt vom slowakischen Schießstand
Aber Hannes musste doch keine acht Stunden Autofahrt auf sich nehmen. Auf der Karte hat er ganz in der Nähe vom GPS-Signal einen Schießstand gefunden. Also hat er dem Betreiber eine Nachricht geschrieben. Er hat den Mann darum gebeten, die Gegend nach dem verlorenen Ring und der Kamera abzusuchen. Zuerst sei der Slowake skeptisch gewesen, erinnert sich Hannes. Nach einem Beweisfoto sei er dann aber überzeugt gewesen und habe ihm geholfen - "zum Glück", so Hannes.
Am nächsten Tag kam dann die Entwarnung: Der Schießstand-Betreiber hat die verlorene Fracht gefunden - und als Beweis sogar noch ein Selfie geschickt. Der Ring und die Kamera kamen per Post zurück zu Hannes, die Verlobung war gerettet. Und Sophia? Die hat in der ganzen Zeit gar nichts von der missglückten Aktion bemerkt. Das Einzige, woran sie sich erinnert: "Er hat ein bisschen komisch geschaut. So, als ob er was ausgefressen hat." Das habe sie aber nicht weiter hinterfragt.
Doch noch ein Happy End?
Am Ende ist der Antrag doch noch geglückt. Nach einem Besuch in der Überlinger Sternwarte hat Hannes Sophia gefragt, ob sie ihn heiraten will. Und nachdem Sophia "Ja" gesagt hat, konnte er ihr endlich den Film von der Reise ihres Verlobungsrings zeigen. "Ich finde es schon toll, den Ring so weit oben zu sehen", sagt sie, "es ist schon etwas Besonderes, dass er sich da so viele Gedanken gemacht hat." Und: Dank Hannes sei die Messlatte für Heiratsanträge im Freundeskreis jetzt sehr hoch angelegt.