Die Geschichte eines außergewöhnlichen Antrags

Romantik in 30.000 Metern Höhe: Wie ein Verlobungsring aus Glashütte in die Stratosphäre kam

Den Heiratsantrag im Urlaub machen? Kann ja jeder - hat Hannes Peters gedacht und für seine Freundin Sophia etwas Besonderes geplant. Um ein Haar wäre die Aktion aber gescheitert.

Teilen

Stand

Von Autor/in Nathalie Waldenspuhl

Es ist ein Moment, an den man sich noch lange erinnert: der Heiratsantrag. Und genau deswegen hat Hannes Peters aus Wald-Glashütte (Kreis Sigmaringen) sich etwas ganz Besonderes überlegt, als er beschlossen hat, seiner Freundin Sophia die große Frage zu stellen. Hannes hat den Verlobungsring mit einem Heliumballon 30.000 Meter in die Höhe steigen lassen, das Ganze mit einer Kamera gefilmt und Sophia mit einem Video vom Ring in der Stratosphäre überrascht. Zuerst hat die "Schwäbische Zeitung" über den ungewöhnlichen Heiratsantrag berichtet.

Trotz perfekter Planung: Verlobungsring in der Stratosphäre verloren

Für gewöhnlich überlässt Hannes nichts dem Zufall. Damit alles klappt, hat er sich drei Monate lang auf die Aktion vorbereitet, sagt er im Gespräch mit dem SWR. Nach seinen Berechnungen sollte der Heliumballon drei Stunden lang in der Luft bleiben, bis er platzt und in der Nähe von Augsburg wieder landet. Per GPS sollte Hannes den Landepunkt auf sein Handy bekommen und den Verlobungsring mitsamt der Kamera so wiederfinden. Das war zumindest der Plan.

An einem Samstag im Oktober 2024 hat Hannes den Ballon dann mit einem Freund zusammen steigen lassen. Stundenlang haben beide auf einem Parkplatz in der Nähe von Augsburg auf das GPS-Signal gewartet. Aber vergeblich - vom Verlobungsring fehlte jede Spur. "Das war ein schreckliches Gefühl", erinnert er sich. Sophia muss lachen, während Hannes die Geschichte erzählt. "Normalerweise ist er so ein Sicherheitsmensch", sagt sie, "da ist es schon untypisch, dass er den echten Ring mit hochschickt" und nicht etwa eine Attrappe verwendet.

Ein Mann und eine Frau stehen vor ihrem Campingwagen. Hannes hat Sophia einen Antrag gemacht und dafür einen Verlobungsring in die Stratosphäre geschickt.
Wenn nicht gerade der Verlobungsring auf Reisen geht, sind Hannes und Sophia gerne selbst unterwegs. Den Campinganhänger, ein alter Löschwagen, haben sie selbst umgebaut und saniert. Nathalie Waldenspuhl

GPS meldet sich aus rund 800 Kilometern Entfernung wieder

Nach einigen Stunden ist das GPS-Signal dann aber wieder aufgetaucht - und zwar in der Slowakei. Offenbar ist der Luftballon deutlich länger in der Luft geblieben als geplant, weil Hannes ihn mit zu wenig Helium befüllt hatte. Er habe sich "erstmal erschrocken", erzählt Hannes, als er auf der Karte in seinem Handy nur fremde Ortsnamen gelesen hat.

Wie komme ich jetzt in die Slowakei? Fahre ich jetzt direkt los oder erst morgen? Wie erzähle ich das Sophia?

Hilfe kommt vom slowakischen Schießstand

Aber Hannes musste doch keine acht Stunden Autofahrt auf sich nehmen. Auf der Karte hat er ganz in der Nähe vom GPS-Signal einen Schießstand gefunden. Also hat er dem Betreiber eine Nachricht geschrieben. Er hat den Mann darum gebeten, die Gegend nach dem verlorenen Ring und der Kamera abzusuchen. Zuerst sei der Slowake skeptisch gewesen, erinnert sich Hannes. Nach einem Beweisfoto sei er dann aber überzeugt gewesen und habe ihm geholfen - "zum Glück", so Hannes.

Am nächsten Tag kam dann die Entwarnung: Der Schießstand-Betreiber hat die verlorene Fracht gefunden - und als Beweis sogar noch ein Selfie geschickt. Der Ring und die Kamera kamen per Post zurück zu Hannes, die Verlobung war gerettet. Und Sophia? Die hat in der ganzen Zeit gar nichts von der missglückten Aktion bemerkt. Das Einzige, woran sie sich erinnert: "Er hat ein bisschen komisch geschaut. So, als ob er was ausgefressen hat." Das habe sie aber nicht weiter hinterfragt.

Ein Mann und eine Frau lächeln sich an. Im Hintergrund erkennt man einen Fernseher, auf dem der Film vom Verlobungsring in der Stratosphäre abgespielt wird.
Schöne Erinnerung: Sophia und Hannes schauen sich nochmal das Video vom Verlobungsring in der Stratosphäre an. Der Film lief auch auf ihrer Hochzeit. Tobias Rager

Doch noch ein Happy End?

Am Ende ist der Antrag doch noch geglückt. Nach einem Besuch in der Überlinger Sternwarte hat Hannes Sophia gefragt, ob sie ihn heiraten will. Und nachdem Sophia "Ja" gesagt hat, konnte er ihr endlich den Film von der Reise ihres Verlobungsrings zeigen. "Ich finde es schon toll, den Ring so weit oben zu sehen", sagt sie, "es ist schon etwas Besonderes, dass er sich da so viele Gedanken gemacht hat." Und: Dank Hannes sei die Messlatte für Heiratsanträge im Freundeskreis jetzt sehr hoch angelegt.

Ein ausgedrucktes Hochzeitsfoto.
Doch noch ein Happy End! Hannes und Sophia haben vergangenen Dezember geheiratet. Tobias Rager
Albstadt-Truchtelfingen

Eiserne Hochzeit Inge und Karlheinz lieben sich seit 65 Jahren

Inge und Karlheinz aus Albstadt haben Grund zu feiern: Sie sind seit 65 Jahren verheiratet. Das Paar macht alles zusammen, früher auch viele Reisen und Sport. Was ist ihr Geheimnis?

Landesschau Baden-Württemberg SWR BW

Hechingen

Ein Paar erinnert sich: Mit Vollgas über die Grenze Spektakuläre Flucht aus der DDR: Hechinger holte seine Liebe zu sich

Für die große Liebe riskieren manche ihr Leben, so wie Karl Heinz Schäfer aus Hechingen. 1964 holt er seine Freundin aus der DDR. Die beiden fliehen mit einem Sportwagen.

Erstmals publiziert am
Stand
Autor/in
Nathalie Waldenspuhl
Nathalie Waldenspuhl ist Reporterin für Hörfunk, Online und Fernsehen beim SWR im Studio Tübingen.

Unsere Quellen

Transparenz ist uns wichtig! Hier sagen wir Ihnen, woher wir unsere Infos haben!