In der Stadthalle Balingen (Zollernalbkreis) sind bis Mitte Juni Pressefotos aus der ganzen Welt zu sehen. Die World-Press-Photo-Ausstellung zeigt Bilder von Journalisten, die einen der wichtigsten Fotopreise der Welt bekommen haben.
Ein Mädchen krallt sich mit den Fingern am T-Shirt ihres Vaters fest. Ihr Gesicht ist verzerrt vor Verzweiflung. Daneben sind die Gesichter zweier weiterer Mädchen. Auf dem Pressefoto des Jahres hat die Fotojournalistin Carol Guzy eine bewegende Szene in einem Gericht in New York festgehalten. Sie zeigt wie die ICE-Behörde eine Familie auseinander reißt.
Kriege, Krisen, Attentate
Viele der rund 100 ausgestellten Fotografien zeigen Ausschnitte dessen, was im vergangenen Jahr auf der Welt passiert ist. Dabei ist viel Schlimmes: Kriege, Krisen, Attentate, Klimawandelfolgen. Die Fotografien sind unter anderem in der Ukraine, im Gaza-Krieg, den USA, Deutschland, Nepal, Marokko und Australien entstanden - auf nahezu allen Kontinenten der Erde. Themen sind etwa: Der Hunger in Gaza, gewalttätige Demonstrationen in Nepal, der Anschlag am Bondi-Beach in Sydney, die Situation der Menschen in Syrien und die Folgen der Klimaveränderungen für Menschen und Tiere.
Was bedeuten gesellschaftliche Entwicklungen für Einzelne?
Die Arbeiten zeigen auch gesellschaftliche Entwicklungen ganz unmittelbar und direkt. Was bedeutet es zum Beispiel, wenn es in Pflegeheimen immer weniger Personal gibt? Kann ein Roboter helfen, etwas gegen die Einsamkeit der Menschen im Alter zu tun? Damit beschäftigt sich die deutsche Fotografin Paula Hornickel. Ihr Bild zeigt Waltraud, die Bewohnerin eines Seniorenheims, die dem Roboter Emma gegenübersitzt und sich mit ihm anfreundet.
Menschen, die das Gute suchen und finden
Die Ausstellung macht aber nicht nur Leid sichtbar. Sie zeigt auch Widerstand. Sie zeigt, wie Menschen im Elend das Gute suchen und das Beste aus ihrer Situation machen. Ein Paar, das auf den Philippinen einem Taifun trotzt und Hochzeit feiert, bis zu den Knien im Wasser. Und die World-Press-Photo-Ausstellung zeigt Menschen, die sich, oft über viele Jahre, Rechte erkämpft haben. Frauen, die auf Marokko an einem traditionellen Reiter-Festival teilnehmen, das lange nur männliche Teilnehmer erlaubte oder dunkelhäutige Mädchen, die in Südafrika Ballett tanzen - jahrelang war das reichen Weißen vorbehalten.
World-Press-Photo-Ausstellung erreicht Millionen Menschen
Diese "Geschichten mit einem Trotzdem" sind für Boris Retzlaff, der seit Jahren Besucher durch die Foto-Ausstellungen in Balingen führt, das Besondere an der diesjährigen Schau.
Insgesamt haben laut der World-Press-Photo-Stiftung mehr als 3.700 Fotografinnen und Fotografen aus 140 Ländern ihre Bilder zum Wettbewerb eingereicht. Die Ausstellungen zum Wettbewerb sehen demnach jährlich Millionen von Menschen in über 80 Städten weltweit. Die Stiftung will sich so auch für die immer stärker bedrohte Pressefreiheit auf der Welt einsetzen. In Deutschland ist die Ausstellung unter anderem noch in Hamburg, Flensburg und Dortmund zu sehen.