Ob auf die Lippen des Partners, auf die Wange der besten Freundin oder auf die Stirn der eigenen Kinder: Mit jedem Kuss zeigen wir unsere Zuneigung. Der 6. Juli ist der Internationale Tag des Kusses. Begangen wurde er wohl ursprünglich in Großbritannien. Nun wird dieses Zeichen der Zärtlichkeit weltweit gefeiert.
Ulmer Passanten geben Einblicke in fast alle ihre Küsse
"Es ist schön, seinen Partner mit einem Kuss in den neuen Tag zu begrüßen und ihn nachts zu verabschieden, wenn man ins Bett geht", erzählt Jan Luyten in der Ulmer Fußgängerzone. Für seine Frau Christine muss der perfekte Kuss nicht besonders lange dauern. Sie küsst dafür lieber öfter am Tag.
Es ist schön, seinen Partner mit einem Kuss in den neuen Tag zu begrüßen.
Eine andere Passantin, Rosemarie, hat sich im Alter nochmal neu verliebt und erzählt, dass für sie das Küssen etwas ganz Schönes ist: "Wir nehmen uns in den Arm, wunderbar". Manch langjährige Beziehung beginnt mit einem kleinen Kuss. So war es auch bei Herrn und Frau Lehmann. Alles begann mit einem Kuss - heute sind die beiden 60 Jahre verheiratet.
Doch was macht einen guten Kuss aus? Laut Herrn und Frau Gerhard gehört zu einem guten Kuss vor allem Zärtlichkeit und etwas Liebevolles. Auch die beiden sind schon seit 45 Jahren ein Paar. Ob sie sich manchmal auch mit Zunge küssen, bleibt ihr Geheimnis. Für Sascha und Katharina gehört die Zunge beim Küssen je nach Situation und Stimmung auf jeden Fall dazu: "Es ist aufregend und kribbelt."
Küssen ist wie Feuerwerk im Gehirn
Dieses Kribbeln kann der Arzt und Hirnforscher Manfred Spitzer von der Universität Ulm wissenschaftlich einordnen. Wenn wir uns küssen, passiert einiges im Körper, erklärt Spitzer. Unsere Lippen und die Zunge zählen zu den sinnlichsten Stellen des Körpers. Außerdem werden mehrere Sinne angesprochen. Da auch die Nasen eng aneinander sind, schmecke man den Partner nicht nur, sondern rieche ihn auch. Das mache das Küssen häufig noch intensiver.
Was das Küssen mit einem Bindungshormon zu tun hat
In unserem Gehirn wird dadurch außerdem das Bindungshormon Oxytocin freigesetzt, erklärt der Hirnforscher. Dieses Hormon fördere die soziale Bindung von Menschen und könne sie somit langfristig aneinander binden. Laut Spitzer endet die erste Verliebtheitsphase nach etwa anderthalb Jahren. Das regelmäßige Küssen könne durch das Oxytocin die Bindung zweier Menschen auch darüber hinaus festigen.
Wir könnten auch jeden Tag die 5 Minuten des Kusses ausrufen
Lustvoller Austausch: Ein Kuss entspricht rund 80 Millionen Bakterien
Für den Professor an der Universität Ulm könnte das Küssen gerne häufiger im Jahr gefeiert werden. Denn Küssen mache nicht nur Spaß, sondern sei sehr wichtig für den Menschen. Bei einem zehn Sekunden langen Kuss tauschen zwei Menschen um die 80 Millionen Bakterien aus. Dieser Austausch habe eine positive Wirkung auf unser Immunsystem, so der Wissenschaftler. Der Körper lerne dadurch auch die Bakterien kennen, mit denen er in Zukunft häufiger konfrontiert sein wird.
Was das Gehirn macht, während wir küssen
Laut Manfred Spitzer suchen wir durch das Küssen außerdem einen "immunkompatiblen Partner". Also einen Menschen, der mit Blick auf die Fortpflanzung ein zu uns passendes Immunsystem besitzt. Im Idealfall ergänzen sich die Immunsysteme der Eltern zu einem Gesamtsystem im Kind, was die Abwehrkräfte verbessert. Diese Entscheidung wird unterbewusst von unserem Gehirn getroffen. Wenn wir den Kuss also als gut und nicht unangenehm empfinden, dann könnte es gut sein, dass der Partner "immunkompatibel" ist.
Warum küssen wir uns eigentlich?
Der Ursprung des Kusses bleibt übrigens bis heute eine Spekulation. Eine Idee über seinen Ursprung liegt weit zurück in der Vergangenheit unserer Vorfahren. Demnach könnte sich das Küssen aus der Nahrungsvorbereitung für Babys entwickelt haben, ähnlich wie es heute zum Beispiel auch bei Vögeln der Fall ist.