Leben des Kindes hätte laut Staatsanwaltschaft gerettet werden können

Baby stirbt nach unbegleiteter Geburt in Neu-Ulm - Prozess gegen Mutter und Großmutter ausgesetzt

Eine Geburt, die zum Albtraum wurde: Im September 2023 bringt eine junge Frau im Neu-Ulmer Stadtteil Reutti nur mit Hilfe ihrer Mutter ein Kind zur Welt - doch das Baby stirbt.

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Von Autor/in Peter Schmid

Nach einer missglückten Geburt ohne Begleitung durch einen Arzt oder eine Hebamme in Neu-Ulm stehen Mutter und Großmutter wegen des Verdachts der fahrlässigen Kindstötung seit Dienstag vor Gericht. Eigentlich sollte noch am selben Tag das Urteil fallen, doch das Gericht hat den Prozess bis auf weiteres ausgesetzt. Der Fall wirft ein Schlaglicht auf die Risiken außerklinischer Geburten ohne fachliche Betreuung.

Baby stirbt nach unbegleiteter Geburt - das ist passiert

Laut Anklage hatten die 30-jährige Mutter des Kindes sowie deren 58-jährige Mutter die Geburt außerhalb der Klinik im September 2023 ohne Hilfe eines Arztes oder einer Hebamme geplant. Die Großmutter ist nach eigenen Angaben Krankenschwester. Obwohl beim Einsetzen der Wehen bekannt war, dass das Kind in einer Beckenendlage war, haben die Frauen laut Staatsanwaltschaft keinen Arzt oder eine Ärztin alarmiert. Erst eine halbe Stunde, nachdem der leblose Säugling auf die Welt kam, sollen die Frauen den Notarzt gerufen haben.

Laut Staatsanwaltschaft hätte das Leben des Kindes gerettet werden können, wenn die Frauen direkt nach der Geburt einen Arzt gerufen hätten. Das leblose Baby kam anschließend in die Uniklinik Ulm, wo es laut Staatsanwaltschaft jedoch am Folgetag wegen Sauerstoffmangels an einem Hirnschaden starb.

Zahl der Hausgeburten steigt an - doch Oberarzt warnt vor Alleingeburten

Die Zahl der Hausgeburten steigt seit rund 20 Jahren stetig an. Das belegen Zahlen der Gesellschaft für Qualität in der außerklinischen Geburtshilfe e.V., kurz QUAG. Der Verein dokumentiert seit 1999 die Qualität der durch Hebammen begleiteten außerklinischen Geburten. Also im häuslichen Umfeld sowie Geburten zum Beispiel in Geburtshäusern, Entbindungsheimen oder Hebammenpraxen mit Geburtshilfe. Waren es 2001 noch rund 8.200 außerklinische Geburten deutschlandweit, stieg die Zahl im Jahr 2024 auf fast 13.000 - und das trotz allgemein sinkender Geburtenzahlen. Manche außerklinische Geburten werden der Gesellschaft nicht gemeldet. Alleingeburten werden nicht erfasst.

"Gut bewacht und gut betreut gelten Hausgeburten als sehr sicher", sagt Frank Reister, Leiter der Sektion Geburtshilfe an der Uniklinik Ulm - unabhängig vom vorliegenden Fall. Wenn eine Haushebamme die Geburt betreue, sei eine solche Geburt noch einmal risikoärmer. Bei einer Beckenlage steige das Risiko allerdings, auch mit Hebamme. Von einer Alleingeburt, gänzlich ohne Fachpersonal, rät Reister ab: "Das ist schon richtig gefährlich."

Am Dienstag mussten sich die Mutter des Kindes und deren Mutter vor dem Amtsgericht Neu-Ulm wegen fahrlässiger Kindstötung verantworten.
Am Dienstag mussten sich die Mutter des Kindes und deren Mutter vor dem Amtsgericht Neu-Ulm wegen fahrlässiger Kindstötung verantworten.

Prozess ausgesetzt - Gericht bestellt Gutachten

Vor dem Amtsgericht Neu-Ulm bekam die Öffentlichkeit von der Beweisaufnahme am Dienstag nichts mit. Da die Öffentlichkeit auf Antrag der Verteidigung ausgeschlossen wurde, bleibt unklar, wie die Geburt aus Sicht der Frauen und der behandelnden Ärzte abgelaufen ist. Laut Staatsanwaltschaft wussten beide Frauen im Laufe der Geburt Bescheid, dass sich das Kind in Beckenendlage befand - und haben trotzdem zu spät gehandelt.

Ein Urteil hat das Gericht am Dienstag noch nicht gefällt. Stattdessen gaben die Richter zunächst ein gynäkologisches Gutachten in Auftrag und setzten den Prozess bis auf weiteres aus.

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Autor/in
Peter Schmid
SWR-Aktuell Redakteur Peter Schmid

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