Bei einem Spaziergang im Wald abseits vom Weg ist eine Frau gestürzt und hat sich verletzt. Ihr 13-jähriger Sohn kann Hilfe rufen, ist aber nicht mehr da, als die Retter eintreffen. Mit dieser Situation werden die Mitglieder der Bergwachten Heidenheim und Herbrechtingen bei ihrer gemeinsamen Übung konfrontiert.
Übung ist wie ein echter Einsatz für die Bergwachten Heidenheim und Herbrechtingen
Die Übung läuft ab wie ein echter Einsatz - fast. Die 15 Männer und eine Frau werden über ihr Handy alarmiert. Sie sammeln sich an der Rettungsstation der Bergwacht Heidenheim beim Hochberg-Skilift. Was ihre Aufgabe ist, erfahren sie erst am Einsatzort durch Einsatzleiter Stefan Österreicher.
Anders als bei realen Einsätzen ist: Die Patienten spielen ihre Verletzungen nur. Zudem sind keine weiteren Rettungskräfte wie Notärzte oder Suchhunde dabei. Und es gibt Zeit, Dinge zu erklären, sollte etwas unklar sein.
Warum gibt es im Landkreis Heidenheim die Bergwacht?
Überall dort, wo ein normales Auto nicht hinkommt, wird die Bergwacht gerufen. "Das ist das unwegsame Gelände bei uns auf der Ostalb. Da hat es kleine Berge, es hat steile Waldhänge und es hat Felsen, wo Kletterer unterwegs sind", erklärt Armin Fritsche von der Bergwacht Herbrechtingen. Auch bei Autounfällen an den Steigen der Alb wird die Bergwacht zu Hilfe gerufen. Sie begleiten aber auch Outdoor-Veranstaltungen wie Mountainbike-Rennen und Läufe.
In der DRK Bergwacht Herbrechtingen sind 19 Ehrenamtliche aktiv. Bei der DRK Bergwacht Heidenheim sind es zwölf. Sie leisten zwischen drei und zwölf Einsätze im Jahr. Zum Beispiel helfen sie verunglückten Mountainbikern und Wanderern. Die Einsatzhäufigkeit ist dabei höchst unterschiedlich. Manchmal geschieht monatelang nichts, beispielsweise im Winter. Im Juni dagegen war das Einsatzteam der beiden Gruppen innerhalb einer Woche zwei Mal im Einsatz.
Die beiden Bergwacht-Gruppen arbeiten eng zusammen. Es gibt an die vier gemeinsame große Übungen im Jahr. Die Abläufe und Routinen der Gruppen sind gleich, bei der Ausrüstung gibt es aber Unterschiede, erklärt Jürgen Kunzmann, Leiter der Bergwacht Heidenheim. "Ich habe das Gefühl, die Übungen zahlen sich aus. Wir arbeiten inzwischen viel, viel besser zusammen." Während der Übung kann kurz unterbrochen werden, um über die Situation zu reden, und am Ende wird alles besprochen.
Wir lernen auch ständig aus diesen gemeinsamen Übungen.
Bergwacht: ein zeitaufwändiges Ehrenamt
Übungen, Einsätze - dazu kommen Gruppenabende, an denen beispielsweise medizinische Themen und wichtige Handgriffe besprochen werden. Vier, fünf Stunden die Woche ist Thomas Aumüller mit seinem Ehrenamt bei der Bergwacht Herbrechtingen beschäftigt, erzählt er.
Letztes Jahr hat er die Ausbildung zum Notfallsanitäter und die Sommerdienstprüfung gemacht. Damals lernte er teils 40 Stunden im Monat. "Meine Frau hat da ganz schön zurückstecken müssen", sagt Aumüller. "Aber ich bin froh, dass ich das habe machen können. Es macht mir auch viel Spaß und Freude".
Als Bergwachtleiter in Heidenheim investiert Jürgen Kunzmann noch mehr Zeit ins Ehrenamt: locker bis zu 400 bis 500 Stunden im Jahr. Leitungsaufgaben sind nicht immer eine Freude meint er. "Aber wenn ich hinterher sehe, wofür ich es tue, wie es den anderen Spaß macht und alles funktioniert, dann habe ich gern diese Freizeit investiert."
Ich kann jemandem helfen, der in Not ist. Und ich bin froh, wenn's andere gibt, wenn's mir mal schlecht geht. Und deswegen mach ich das gerne.
Thomas Aumüller und Jürgen Kunzmann sind sich einig: Dieser Zusammenhalt, die Kameradschaft bei der Bergwacht, sei etwas besonderes. Und das man anderen Leuten helfen könne und der Gesellschaft etwas zurückgebe.
Erfolgreiche Übung der Bergwachten Heidenheim und Herbrechtingen
Nach gut eineinhalb Stunden ist die Übung an diesem Abend beendet. Das Kind und die verletze Frau wurden gefunden und geborgen, die Verletzungen versorgt. Und auch das Ziel der Übung wurde erreicht: Den Funk richtig einzusetzen und mit und ohne Funkgerät Kontakt untereinander zu halten.
Die Einsatzleitung ist zufrieden - und die Teilnehmer auch. Zwar war es nur eine Übung. Erleichterung und Freude sind aber am Ende fast so groß wie bei einem echten Einsatz.