Buchbesprechungen im Internet

Booktok: Wie Ulm auf den Trend um Online-Buchrezensionen aufspringt

Digitale Buchbesprechungen sind im Trend und regen vor allem junge Menschen wieder mehr zum Lesen an. Auch in Ulm gibt es sogenannte BookToker, die Bücher online vorstellen.

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Von Autor/in Markus Bayha, Patricia Harb

Gedruckte Medien wie Bücher und Literatur werden selten mit der digitalen Welt in Verbindung gebracht. Und doch ist genau dieses Szenario in den letzten Jahren aufgekommen. Beim Social-Media-Trend BookTok dreht sich alles um Bücher und Lesen. Es gibt Berichte, wonach viele junge Menschen über diese Art der digitalen Buchvorstellung wieder das Lesen angefangen haben. Eine, die auf der Plattform TikTok Bücher vorstellt, ist die Ulmerin Nadine Lutz.

BookTok: Bücher auf Social Media

Es ist kurz nach 17 Uhr: Feierabend für die Ulmer Studentin Nadine Lutz. Daheim, in ihrem Bücherzimmer, baut sie ein kleines Stativ auf, klemmt ihr Handy darauf und drückt auf Aufnahme. Sie platziert sich vor ihrem vollen Bücherregal und lächelt in die Kamera. "Heute stelle ich euch meinen Lesemonat Januar vor. Diesen Monat habe ich vier Bücher gelesen", sagt sie vor laufender Kamera und hält die Bücher ins Bild.

Für die 25-jährige Ulmerin gehört das längst zum Alltag. Sie studiert Kindheitspädagogik an einer dualen Fernhochschule. Den Hauptteil ihrer Freizeit verbringt sie jedoch mit Büchern. Ihre Lieblingsgenre ist derzeit Romance, das können romantische Geschichten sein, klassische Liebesgeschichten oder auch Komödien. Sie mag aber auch Fantasy und stellt entsprechende Bücher vor. Dabei stellt sie auch Inhalte für ihren Kanal auf TikTok und Instagram zusammen.

Ästhetik trifft auf Literatur

Bei BookTok geht es längst nicht mehr nur um den Inhalt der Bücher. Auch deren Ästhetik spielt eine große Rolle. Da gibt es farbenfrohe und ausgeschmückte Bucheinbände oder Buchrücken von Buchreihen, die - nebeneinandergestellt - ein zusammengehörendes Motiv ergeben. Auch Sondereditionen, verziert mit Gold und Silber, schmücken ihr Bücherregal. Dieses Bücherregal ist schön ordentlich eingeräumt, mal nach zusammengehörenden Buchreihen, mal nach Genre oder Autorinnen und Autoren.

So ein durchdacht gestaltetes Bücherregal findet sich nicht nur bei Nadine Lutz. Auch die 30-jährige Alexandra Kittig aus dem Kreis Neu-Ulm präsentiert ihr geordnetes Bücherzimmer auf ihren Social-Media-Kanälen. Der Hintergrund für ihre Videos sind dabei jedes Mal die nach Genre und Sondereditionen aufgeteilten Bücherregale.

Das Bücherregal von BookTokerin Alexandra Kittig ist gut sortiert. Sie orientiert sich teils am Genre, teils an der Gestaltung der Buchrücken.
Das Bücherregal von BookTokerin Alexandra Kittig ist gut sortiert. Sie orientiert sich teils am Genre, teils an der Gestaltung der Buchrücken.

Damit soll klar werden: Für die BookTok-Community spielt neben dem Lesen auch das Sammeln der Bücher eine wichtige Rolle. Viele wollen sich eine eigene kleine Bibliothek aufbauen. Der Rücken eines Buches ist dabei trotzdem nicht wichtiger als der Inhalt selbst. Diese Extras steigern lediglich das Lesevergnügen.

Wenn ich ein Buch mag, schaue ich, dass ich eine Special-Edition davon bekomme.

BookTok ist ein Trend für junge Leute

Mit ihrer Leidenschaft fürs Lesen sind die beiden jungen Frauen nicht allein. Weit über 45 Millionen Beiträge tummeln sich unter BookTok auf der Internetplattform TikTok. Als Booktokerin ist es Nadine Lutz ein Anliegen, sich auf Social Media mit anderen Bücherwürmern auszutauschen und dabei Empfehlungen auszusprechen.

Mit BookTok haben digitale Netzwerke die Buchbranche gerade für junge Leute wieder wachgerüttelt. Der Börsenverein des deutschen Buchhandels bestätigt, dass es vor allem bei jungen Lesenden einen deutlichen Zuwachs gibt. Rund ein Drittel dieser jungen Lesenden holen sich laut dem Verein Inspiration zu neuen Büchern auf Social Media.

Früher war Lesen etwas für Außenseiter und man war nicht cool, wenn man gelesen hat. Und das ist mittlerweile ganz anders.

Viele Buchhandlungen und Verlage gehen den Bedürfnissen der jungen Lesenden nach und nutzen selbst Social-Media-Kanäle. Auch in Ulmer Buchhandlungen wird das Thema BookTok aufgegriffen.

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Durch den Trend boomt vor allem die Belletristik, die rund ein Drittel der gesamten Buchverkäufe ausmacht. Zu den Genres der Belletristik zählen auch BookTok-Hits wie das sogenannte Young und New Adult. Gemeint ist damit zum einen Jugendliteratur für Leserinnen und Leser zwischen 12 und 18 Jahren und zum anderen Literatur für junge Erwachsene.

Digitale Welt schließt persönliche Begegnung nicht aus

Der BookTok-Trend auf digitalen Plattformen wirkt sich auch auf die analoge Welt aus. Das konnte man unter anderem bei der 76. Frankfurter Buchmesse beobachten. Die Besuchszahlen stiegen auf 230.000 gegenüber 215.000 Besucherinnen und Besucher im Jahr davor. Neu angeboten wurde in diesem Jahr das New Adult-Segment, also Literatur für junge Erwachsene. Und laut einer Pressemitteilung der Frankfurter Buchmesse gab es dafür bemerkenswertes Interesse.

Egal ob auf der Buchmesse oder im privaten Umfeld: Auch in der Welt von BookTok ist der persönliche Austausch mit anderen Buch-Fans wichtig. Es entwickeln sich Freundschaften und Netzwerke innerhalb der Community, da sind sich Nadine Lutz und Alexandra Kittig einig.

Vom Buchkanal zum eigenen Buchclub

Das Bedürfnis nach persönlichem Austausch kennt auch Booktokerin Nadine Lutz. Für die Ulmer Studentin war das ein Grund, auch noch einen klassischen Buchclub zu gründen. Inzwischen trifft sie sich mit Gleichgesinnten aus Ulm und der Umgebung zu Buchbesprechungen. So führt der Weg wieder zurück von den digitalen Netzwerken in die analoge Welt der Bücher.

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