Unscheinbar sehen sie aus, harmlos: Die kleinen schwarzen Raupen mit den weißen, borstenartigen Härchen. Doch genau die machen die Raupen des Eichenprozessionsspinners zu einer Plage. Denn die Brennhaare können Hautreizungen auslösen. Im Aalener Stadtwald Rohrwang, einem Mischwald rund um Sportstätten und den städtischen Friedhof, haben sich die Raupen des Eichenprozessionsspinners besonders stark ausgebreitet.
Kinder aus Aalener Kita müssen bei Sonnenschein drinnen spielen
"Wirbelwind" heißt die Kita in der Nachbarschaft des Aalener Fußballstadions. Und tatsächlich wirbeln die Kinder an diesem Vormittag lebhaft umher. Allerdings nicht im Freien, sondern in der ans Gebäude angeschlossenen Sporthalle. Und das an einem angenehm milden Julitag, bei Temperaturen um die 25 Grad.
Für Florian Polzer, Vater zweier Kinder der Kita, ein unhaltbarer Zustand: "Man kann nicht lüften. Die Temperaturen in den Räumen sind sehr hoch." Es sei jetzt kein angenehmer Sommer für die Kinder, sagt er.
Dietmar King bedauert die unbefriedigende Situation. Aber so lange die Raupen noch nicht beseitigt seien und ihre Härchen noch durch die Luft fliegen, gehe es nicht anders, so der Vorsitzende der Sportallianz Aalen. Die Sportallianz ist ein Zusammenschluss mehrerer Sportvereine und Trägerin der Kita. Die Brennhaare lösen Hautreizungen aus - und bei empfindlichen Menschen sogar einen allergischen Schock. "Es blieb nichts anderes übrig, als im Gebäude zu bleiben und auch die Fenster geschlossen zu halten."
In 15 Jahren als Baumpfleger habe ich so etwas noch nie erlebt.
Mit Hubwagen und Spezialsauger gegen den Eichenprozessionsspinner
Nicht zum ersten Mal machen die Raupen des Eichenprozessionsspinners Sorgen - aber in diesem Jahr ist es außergewöhnlich heftig. "In 15 Jahren als Baumpfleger habe ich so etwas noch nie erlebt", stellt Reiko Fürst fest. Der Forstingenieur und Inhaber einer Spezialfirma entfernt mit seinem Team die Nester der Raupen derzeit fachgerecht.
Dabei saugen die Experten die schwarzen haarigen Knäuel mit speziellen Saugern ein, die auch bei der Entfernung von Asbest zum Einsatz kommen. "Die haben Filter, die Härchen auffangen", so Reiko Fürst. Größere Nester, die beim Absaugeversuch auf den Boden fallen könnten, werden in Eimern mit Tüten gesammelt. Anschließend werden die Nester verbrannt.
Feste und Sportveranstaltungen wurden in Aalen abgesagt
Fünf Absaugeteams sind im Aalener Stadtwald unterwegs und saugen die Raupennester ab. Ein immenser Aufwand. Aber die kleinen Raupen mit ihren brennenden Härchen haben in diesem Sommer schon beträchtlichen Schaden angerichtet: Nachdem die Stadt das Fußballstadion den Schwäbisch Hall-Unicorns für ein American-Football-Benefizspiel zur Verfügung gestellt hatte, hatten sowohl Spieler als auch Zuschauer über Ausschläge und Juckreiz geklagt.
Andere Sportveranstaltungen wurden inzwischen abgesagt, und die Aalener Schützengilde hat sogar ihre 500-Jahr-Feier wegen des Eichenprozessionsspinners verschoben.
Allergische Reaktionen nach Spiel der Schwäbisch Hall Unicorns Zuschauer des "Pink Bowl" klagen über Ausschläge und Juckreiz
Nach dem ersten "Pink Bowl" der Schwäbisch Hall Unicorns meldeten einige Zuschauer dem Verein Ausschläge und Juckreiz. Grund dafür sind wohl Eichenprozessionsspinner.
Eichenprozessionsspinner eindämmen: durch Vögel oder biologisches Präparat?
Derzeit diskutieren in Aalen Stadtverwaltung und Gemeinderat, wie sie den Befall durch die gesundheitsgefährdenden Raupen künftig eindämmen können. So könnten die Larven mit einem biologischen Präparat frühzeitig bekämpft werden - zum Beispiel aus der Luft, per Hubschrauber. Dafür braucht es allerdings laut Aalener Forstamt eine Genehmigung. Ein solches großflächiges Sprühen von Insektiziden stelle einen massiven Eingriff ins Ökosystem dar.
Eine weitere Möglichkeit: Flächendeckend Nistkästen für Meisen aufhängen. Die haben die Raupen auf ihrem Speiseplan. Noch ist unklar, was die Stadt umsetzen wird. Klar ist dagegen: Für dieses Jahr nimmt die Gefahr durch den Eichenprozessionsspinner allmählich ab. Nicht nur wegen der Absaugeaktion. Ende Juli dürften sich alle Raupen verpuppt haben.