Ulms freier Sehnsuchtsort

Ein bisschen Hollywood in Ulm: Gedenkstein für "Aquarium"-Club eingeweiht

In der Kohlgasse erinnert jetzt ein Gedenkstein an den Club "Aquarium – jahrzehntelang ein wichtiger Treffpunkt der queeren Szene und bis heute Symbol für Freiheit und Sichtbarkeit.

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Von Autor/in Magdalena Gräfe

Knallende Korken, ein roter Teppich, Glitzer und viel Pelz. Bei der Einweihung des Gedenksteins für den legendären Nachtclub "Aquarium“ schien die alte Atmosphäre für einen Moment wieder da zu sein. Trotz strömenden Regens drängelten sich am Sonntagnachmittag dutzende Menschen vor dem einstigen Eingang des Clubs in der Ulmer Kohlgasse.

Ulm wäre nicht das, was es heute ist, wenn es das Aquarium nicht gegeben hätte.

Das "Aquarium" war über drei Jahrzehnte weit mehr als nur ein Club. Es war ein Schutzraum und Treffpunkt der queeren Szene – in Ulm und weit darüber hinaus. Betrieben wurde das Aquarium von zwischen 1966 und 1999 von Manfred Zauter und seinem Partner Garry Lottermoser. Die beiden gelten als erstes schwules Paar, das damals Händchen haltend durch Ulm lief.

Coole Typen in Champagnerlaune erinnern sich an die ausschweifenden Feste im Aquarium. Mitten drin: die Songwriterin Ariane Müller.
Coole Typen in Champagnerlaune erinnern sich an die ausschweifenden Feste im Aquarium. Mitten drin: die Songwriterin Ariane Müller.

Gedenkstein: Ein bisschen Hollywood in der Ulmer Altstadt

An diese Zeiten will der Gedenkstein erinnern. Mia Jeremic, Leiterin des städtischen Gebäudemanagements der Stadt Ulm, hat die Verlegung des rosafarbenen Steins mitgeplant und am Sonntag mitgefeiert: "Er ist nur 60 Zentimeter auf 60 Zentimeter, aber er verkörpert eine große Idee."

Der Stein, angelehnt an den "Walk of Fame" in Hollywood, erinnert an den Glanz und Glamour des Clubs und an seine prominenten Gäste: Nina Hagen, Udo Jürgens, Reinhold Messner, Nana Mouskouri – sie alle kamen nach Ulm. Aber auch internationale Stars: 1985 feierte Freddie Mercury hier seinen 39. Geburtstag nach. Auch Michael Jackson soll einmal vorbeigeschaut haben – zumindest sein Double wurde im Aquarium gesehen.

Freddy Mercury feierte seinen Geburtstag in einem Ulmer Nachtclub. Das Bild stammt aus dem Buch "Nice Society" von Ralf Grimminger.
1985 feierte Freddie Mercury im "Aquarium" seinen 39. Geburtstag mit den Betreibern Manfred Zauter und Garry Lottermoser nach. Das Bild stammt aus dem Buch "Nice Society" von Ralf Grimminger.

Ein Tag Programm rund um den Kult-Club in Ulm

Der Sonntag stand ganz im Zeichen des Kultclubs. Zunächst lief im Mephisto-Kino der Dokumentarfilm von Anna Mönnich und Mark Klawikowski. Fast 30 Jahre nach Ende des Clubs erzählt der Film mithilfe von Zeitzeugen-Interviews die Geschichte dieses besonderen Ortes  

Am Abend folgte das Theaterstück "Aquarium ’85", das seit Januar im Theater Ulm läuft und schon vor der Premiere ausverkauft war.

Erinnerung an Aquarium-Gast Rafael Blumenstock

Zwischen Sektgläsern, Queen-Songs und Applaus gab es auch einen Moment der Stille. Eva-Maria Glathe-Braun von den Linken erinnerte in ihrer Rede auch an Rafael Blumenstock. Der junge Mann wurde vor 35 Jahren auf dem Ulmer Münsterplatz brutal ermordet. Der Fall ist bis heute ungelöst – immer wieder steht der Verdacht im Raum, dass homophobe Motive eine Rolle spielten. Blumenstock war selbst regelmäßig Gast im "Aquarium".

Queere Menschen erleben auch heute noch Gewalt. Wir brauchen weiterhin Räume, in denen Menschen einfach sie selbst sein können.

Dass der Gedenkstein heute überhaupt in der Kohlgasse liegt, ist der Ulmer Musikerin Ariane Müller zu verdanken. "Ich habe mich einfach gefragt, warum hier nichts mehr erinnert", sagte sie – und hob ihr Sektglas. "Wir trinken auf Zeiten, die ich leider nicht erlebt habe – aber die sicher sehr geil waren."

Symbolisch wurden dafür auch zwei Gläser Sekt auf den Gedenkstein gestellt. Für die einstigen Betreiber Manfred Zauter und Garry Lottermoser – denen die Feier für ihren Club sicher gefallen hätte.

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SWR Aktuell Baden-Württemberg SWR BW

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