Nach dem nächtlichen Großeinsatz auf der A8 bei Wiesensteig (Kreis Göppingen) kehrt langsam wieder Normalität ein: Die Autobahn ist frei, die rund 300 evakuierten Anwohner sind zurück in ihren Häusern, der Gefahrgut-Lkw ist weitergefahren. Zurück bleiben Fragen: Wie knapp war die Situation wirklich?
Autobahn stundenlang gesperrt Defekter Gefahrgut-Lkw legt A8 lahm: Hunderte Anwohner wegen Explosionsgefahr evakuiert
Wegen eines größeren Gefahrguteinsatzes musste die A8 zwischen Mühlhausen und Merklingen in Richtung München stundenlang gesperrt werden. Anwohner mussten ihre Häuser verlassen.
Gestrandeter Lkw: Die Suche nach der Ursache dauert an
Am Montagnachmittag war auf der A8 bei Wiesensteig ein mit rund 19 Tonnen organischem Peroxid beladener Lkw liegen geblieben. Ein Stoff, der ständig gekühlt werden muss. Der Fahrer wurde von einem Chemiekonzern aus Günzburg beauftragt und war nach Angaben der Firma auf dem Weg nach Frankreich.
Nachdem er den Ausfall des Kühlaggregats bemerkte, kehrte der Fahrer wieder um - und blieb liegen, beschreibt Niederlassungsleiter der Chemiefirma Arkema in Günzburg, Christian Wille, am Dienstagnachmittag gegenüber dem SWR. Eine Explosion habe zu keinem Zeitpunkt als theoretisches Szenario zur Auswahl gestanden, so Wille weiter.
Rund 250 Einsatzkräfte waren am Montag an der Unfallstelle. Polizeisprecher Sven Vrancken lobt am Dienstag die Zusammenarbeit der Katastrophenschutzbehörde, der Feuerwehr, der Polizei und der Blaulichtorganisationen. "Die Maßnahmen, die wir getroffen haben zeigen schon, dass eine Gefahr vorlag", so Vrancken.
Eine Explosion stand zu keinem Zeitpunkt als theoretisches Szenario zur Auswahl.
Chemiekonzern: Lkw-Panne wird intern geprüft
Die genaue Ursache für den Ausfall der Zugmaschine sowie der Kühleinheit am Auflieger könne man zum jetzigen Zeitpunkt nicht benennen, erklärt Christian Wille von Arkema. Auch könne nach jetzigem Stand kein Zusammenhang zwischen den hohen Außentemperaturen und einem möglichen technischen Versagen der Kühleinheit oder der Zugmaschine hergestellt werden. Der Vorfall werde intern geprüft.
Wir verschicken diese Produkte auch in den Mittleren Osten, wo wesentlich höhere Temperaturen vorliegen.
"Wir verschicken diese Produkte auch in den Mittleren Osten, wo wesentlich höhere Temperaturen vorliegen", so Wille. Das sei übliche Geschäftspraxis. Der Vorfall sei "der erste Zwischenfall auf dem Straßentransport in über 30 Jahren Geschäft. Wir bedauern die Unannehmlichkeiten, die Reisenden im Auto auf der A8, der Bahn und insbesondere bei den Einwohnern der betroffenen Gemeinden entstanden sind."
Welche Qualifikationen Gefahrgutfahrer brauchen
Der Fahrer der beauftragten Spedition habe in der Situation "vollkommen richtig reagiert", so Wille. Das unterstreicht auch Gefahrgut-Experte Bernd Fröhlich, der als externer Gefahrgutbeauftragter deutschlandweit tätig ist. "Als dann die Temperatur gestiegen ist, hat der Fahrer natürlich das genau Richtige gemacht. Er hat die Einsatzkräfte gerufen, die dann reagieren konnten."
Fahrer von Gefahrguttransporten benötigen - je nach Stoff - eine besondere Zusatzqualifikation. Ab 1.000 Gefahrgutpunkten reicht der normale Lkw-Führerschein nicht mehr, erklärt Bernd Fröhlich. "Der Gefahrgutführerschein muss alle fünf Jahre wiederholt werden und dauert genau drei Tage in Deutschland." Wenig Zeit für die Fülle an Vorschriften, die im Anschluss sicher beherrscht werden sollen: "Man kann sich vorstellen, dass das recht schnell vergessen wird", so Fröhlich weiter.