- Wilder Müll: Barbershop- und Kneipenbesitzer schreibt offenen Brief
- Aufklärungskampagnen und Aktionen haben bisher wenig gebracht
- Ulm will 800.000 Euro in Stadtreinigung und Kontrolleure investieren
- Bußgelder sollen ab 1. Juli verdoppelt werden
Mehr Kontrollen und höhere Bußgelder: Die Stadt Ulm kämpft gegen Müllsünder. Ob Gelbe Säcke, die schon Tage vor der Abholung an die Straße gelegt werden, oder Plastikbeutel, die eigentlich im Biomüll nichts zu suchen haben. Ein weiteres Ärgernis: der viele Müll, der achtlos weggeworfen wird.
Wilder Müll: Barbershop- und Kneipenbesitzer schreibt offenen Brief
Auch Osman Demirtas stinkt es gewaltig. Ihn ärgert, wie viel Müll vor seinem Barbershop und seiner Kneipe in Ulm landet. Das stinkt nicht nur und sieht unschön aus, es zieht auch Ungeziefer und Ratten an. Deswegen hat er einen offenen Brief an die Stadt geschrieben.
Was Demirtas tagtäglich vor seinem Laden vorfindet, empfindet er als geschäftsschädigend. Denn zwischen den Gelben Säcken, die zu früh auf der Straße landen, sammelt sich auch noch allerhand Restmüll und Sperrmüll. Die Kunden ekelt es und er selbst entsorgt auf seine Kosten den Müll anderer Leute. Er versucht alles, damit es hier ordentlich aussieht, erklärt er.
Wir kehren manchmal schon täglich, weil hier liegt wirklich alles rum.
Aufklärungskampagnen und Aktionen haben bisher wenig gebracht
Die Stadt Ulm kennt das Problem schon länger. Die Aufklärungskampagnen und Aktionen haben bisher wenig gebracht. Generell sei das Problem mit dem Müll aber größer geworden, erklärt Oberbürgermeister Martin Ansbacher (SPD). Wenn die Müllsünder ermittelt werden können, dann gibt ihnen die Stadt eine letzte Chance, ihren Müll zu beseitigen. Wenn das nicht geschieht, müssen sie ein Bußgeld bezahlen. 2023 gab es in Ulm 154 Ordnungswidrigkeitsverfahren im Bereich Abfall, 2024 waren es nach Auskunft der Stadt 188 Verfahren.
Von Mai bis Ende Juli dieses Jahres ist Thomas Dombeck, Abfallberater bei den Entsorgungsbetrieben der Stadt Ulm (EBU), in der Weststadt mit einem Infomobil an verschiedenen Plätzen. Er sagt, das persönliche Gespräch zu suchen sei die beste Methode, um die Menschen zu erreichen. Denn das Problem sei ziemlich komplex und es gebe viele Gründe, warum Menschen ihren Müll einfach in die Gegend schmeißen.
Zum einen wüssten viele tatsächlich nicht, wie sie ihren Müll richtig trennen und entsorgen müssen. Zum anderen sei es manchen schlichtweg egal und sie würden Müll einfach wegwerfen. Und bei einer gewissen "Grundvermüllung" hätten die Menschen wenig Hemmungen, "noch mehr dazuzuschmeißen", so Dombeck. Aber "es ist kein Problem von bestimmen Nationalitäten. Es gibt in allen Bevölkerungsgruppen solche und solche Menschen".
Ulm will 800.000 Euro in Stadtreinigung und Kontrolleure investieren
Sicherheit und Sauberkeit sind für Oberbürgermeister Ansbacher wichtige Themen. Damit hatte er Wahlkampf gemacht. Am Mittwoch war das der Schwerpunkt in der Gemeinderatssitzung.
Das Ergebnis: Stolze 800.000 Euro will die Stadt in den kommenden vier Jahren ausgeben. Hauptsächlich für neues Personal bei den EBU und der Stadtreinigung, damit zum Beispiel Mülleimer öfter geleert werden können. "Dann wird es Müllkontrolleure geben, die diese wilden Müllablagerungen untersuchen und ahnden sollen", so Ansbacher. Die Informationskampagnen werden ebenfalls fortgesetzt, auch in anderen Stadtteilen.
Leider ist die Erkenntnis tatsächlich, dass wir mit mehr Bestrafung arbeiten müssen. Gut zureden alleine hilft leider nicht.
Bußgelder sollen ab 1. Juli verdoppelt werden
Zum 1. Juli werden deswegen die Strafen im Bußgeldkatalog verdoppelt. Achtlos weggeworfene Zigarettenkippen, auf den Boden gespuckte Kaugummis oder das Abladen von Sperrmüll können bis zu 2.500 Euro kosten.
Auf den offenen Brief von Barbershop-Besitzer Osman Demirtas wird Oberbürgermeister Ansbacher nach der Sitzung des Gemeinderates zum Thema Sicherheit und Sauberkeit antworten. Dann kann er konkret sagen, dass die Stadt etwas tun wird, damit der wilde Müll vor Demirtas' Laden verschwindet.