Zwischen Neuanfang und Ausnahmezustand: Während im dritten Stock des Klinikums Heidenheim neues Leben das Licht der Welt erblickt, herrscht in der Notaufnahme im Erdgeschoss Hektik mit überfüllten Warteräumen und überlastetem Personal. Ein Einblick in den Klinikalltag zwischen den Jahren.
Geburtsstation: Kinderglück zum neuen Jahr
Erst vor ein paar Tagen hat der kleine Bruno hier das Licht der Welt erblickt, auf der Geburtsstation im dritten Stock des Klinikums Heidenheim. Selig schlafend liegt der Neugeborene bei seiner Mutter Chiara im Arm. Sie blickt froh und auch erschöpft auf den Neuzugang der Familie. "Beim dritten Kind ist man schon entspannter", sagt sie.
Die junge Mutter hat sich hier gut aufgehoben gefühlt. "Den Mitarbeiterinnen merkt man das nicht an, dass es jetzt zwischen den Jahren ist und sie gerne auch bei ihren Familien wären. Auch wenn das sicherlich bei vielen so ist."
Hier im dritten Stock, in dem Kreißsaal und Wochenbettstation ihren Platz haben, geht es zwischen den Jahren fast ruhiger zu als sonst. Es herrscht eine friedliche und gelassene Stimmung. Dann hallt ein Schreien über den Flur - wieder ist ein neues Kind geboren.
"Jede Geburt ist etwas besonderes. Aber das Endjahresbaby und das erste Baby im neuen Jahr, die sind noch einmal einen kleinen Hauch mehr besonders", sagt Oberärztin Ingeborg Claßen-Winkler. Sie macht zum 15. Mal den Dienst über den Jahreswechsel. "Es ist eine schöne Atmosphäre, es ist ein bisschen ruhiger weil das Alltagsgeschäft ein bisschen herunter gefahren ist, aber Notfälle kommen natürlich immer."
Notaufnahme: Stress und Trubel zwischen den Jahren
Ganz anders sieht es im Erdgeschoss aus: Der Warteraum der Notaufnahme ist fast bis auf den letzten Platz besetzt. Ein Bildschirm vorne am Schalter zeigt den Schriftzug "kritisch überlastet". Norbert Pfeuffer, Ärztlicher Leiter der Notaufnahme, kann kaum einen Meter durch den Gang gehen ohne Worte mit Patientinnen und Patienten, Pflegekräften oder Assistenzärzten und -ärztinnen zu wechseln.
"Aktuell haben wir wie erwartet an den Tagen zwischen Weihnachten und Silvester volle Hütte", sagt Pfeuffer. Viele Patienten hier seien verzweifelt, weil ihre Hausärzte im Urlaub sind. "Ich würde mal sagen 60 Prozent sind schon Notfälle. Für uns problematisch sind aber vor allem die vielen Influenza-Patienten, die wir mit erheblichem Aufwand isolieren müssen."
In der Halle vor der Notaufnahme stehen zwei Rettungswägen. In beiden liegen noch Infektionspatienten, die nicht ausgeladen werden dürfen. "Ich habe kein Zimmer frei. Die müssen jetzt warten, ich kann niemanden hier auf den Gang legen mit Influenza", sagt Pfeuffer. Zu groß sei die Gefahr, dass sich andere Patienten anstecken.
Für die Silvesternacht ist das Team hier kaum anders besetzt als sonst, laut Pfeuffer sind die Tage davor und danach weit anstrengender. "Für die Leute hier ist das schon belastend, wir haben viele Mütter, die in Teilzeit arbeiten, die aber auch an Weihnachten oder Silvester arbeiten müssen, sonst bekommen wir das nicht gestemmt."