Alte Festungsanlage frei gelegt

Sportplatz in Ulm: Rätselhafter Fund unterm Fußballrasen

Auf einem Sportplatz in Ulm tut sich im letzten Sommer ein drei Meter tiefes Loch auf. Darunter befindet sich eine alte Festungsanlage. Jetzt machen Archäologen dort einen überraschenden Fund.

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Von Autor/in Volker Wüst

Welcher Sportverein kann von sich behaupten, dass sein Fußballplatz unterkellert ist? Der SC Lehr kann. Im vergangenen August fiel dem Leiter der Fußballabteilung beim Rasenmähen ein tiefes Loch auf. Schnell war klar: Es hat mit der alten Ulmer Festungsanlage zu tun.

Viele Räume des Infanteriestützpunkts Spitzäcker sind leer, wurden vor dem Bau des Sportplatzes in den Sechzigerjahren nicht aufgefüllt.
Viele Räume des Infanteriestützpunkts Spitzäcker sind leer, wurden vor dem Bau des Sportplatzes in Lehr in den Sechzigerjahren nicht aufgefüllt. Thomas Heckmann

Experten legen historische Festungsanlage unter Sportplatz frei

Auf dem grünen Rasen, wo sonst die Fußballer in der Kreisliga B dem Ball hinterherjagen, klafft inzwischen ein Krater. Daneben türmen sich Schuttberge auf. Kein Platz zum Kicken also. Stattdessen sind dort in den vergangenen Wochen Archäologen des Landesdenkmalamtes und Mitglieder vom Förderkreis Bundesfestung unterwegs gewesen, um die Militäranlage aus dem Ersten Weltkrieg freizulegen, zu vermessen und zu fotografieren.

Ein Lageplan des Infanteriestützpunkts Spitzäcker bei Ulm.
Der Infanteriestützpunkt Spitzäcker bot Platz für 350 Soldaten, verfügte unter anderem über eine Küche, einen Sanitätsraum sowie einen Wasserspeicher und einen Kohlenkeller. Thomas Heckmann

Platz für 350 Soldaten im Infanteriestützpunkt Spitzäcker

Der Infanteriestützpunkt Spitzäcker, so der offizielle Name der 1910 erbauten Anlage, bot Platz für 350 Soldaten, verfügte unter anderem über eine Küche, einen Sanitätsraum sowie einen Wasserspeicher und einen Kohlenkeller. Und eine Abortgrube.

Dass sich das Spielfeld in den vergangenen Jahren immer mal wieder abgesenkt hat, wie der Vorsitzende des SC Lehr dem SWR schildert, ist nicht verwunderlich, wenn man aktuelle Fotos der Anlage anschaut. Denn viele Räume sind leer, wurden vor dem Bau des Sportplatzes in den Sechzigerjahren nicht aufgefüllt.

Unter dem Sportplatz des SC Lehr in Ulm haben Archäologen die Reste eines Infanteriestützpunktes freigelegt. Dort fanden sie auch die Überreste eines Autos.
Wie das Auto, vermutlich ein Borgward, in die Festungsanlage gekommen ist oder wem es gehörte, ist unklar. Thomas Heckmann

Überraschungsfund: Wie kommt das Auto in die Militäranlage?

Besser gesagt: Sie sind fast leer. Denn einen Gegenstand gibt es doch - in einem der Küchenräume. Und dieser Gegenstand gibt Archäologen und Mitgliedern des Festungsvereins Rätsel auf: Überreste eines alten Autos, augenscheinlich ein Borgward. Wie das Auto dorthin gekommen ist oder wem es gehörte - unklar. Auch, warum Motor und Scheiben, Kotflügel und Motorhaube ausgebaut wurden.

Das Auto wurde vermutlich nach 1947 dorthin geschafft, als amerikanische Soldaten versuchten, den Stützpunkt zu sprengen und zu zerstören. Das klappte angesichts der zwei Meter dicken Betondecke allerdings nicht ganz so wie geplant.

Fußballplatz wird vermutlich kommendes Jahr wieder nutzbar sein

Die Rückkehr der Fußballer des SC Lehr auf ihren unterkellerten Platz wird wohl bis kommendes Jahr dauern. Davon geht der Vereinsvorsitzende aus. Das Spielfeld soll bis dahin wieder hergerichtet werden. Dafür müsse die Stadt Ulm nun Angebote einholen.

Während aus den Aufnahmen und Daten der Vermesser ein dreidimensionales Modell zum virtuellen Rundgang entstehen soll, wird die Wehranlage von oben her abgedichtet. Oder wie die Fußballer sagen würden: Sie ist dann wieder im Abseits.

Ulm

Riesiger Hohlraum unter der Erde Plötzlich tiefes Loch im Boden: Was verbirgt sich unter dem Sportplatz vom SC Lehr?

Das Loch unter dem Sportplatz des SC Lehr in Ulm beschäftigt intensiv die Stadt und das Landesdenkmalamt. Zunächst soll das Gelände auf Kampfmittel aus dem Zweiten Weltkrieg abgesucht werden.

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Volker Wüst
SWR Aktuell Autor Volker Wüst