Schon rund 2.000 Unterschriften bei Petition

Kein kostenloser Schulbus mehr im Alb-Donau-Kreis: Eltern protestieren

Der Alb-Donau-Kreis schafft das kostenlose Busabo für die Klassen 1 bis 4 im Herbst ab. Das betrifft rund 2.000 Grundschulkinder. Eltern protestieren mit einer Online-Petition.

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Von Autor/in Anita Schlesak

Das kostenlose Busabo für Grundschulkinder im Alb-Donau-Kreis wird ab August aus Kostengründen abgeschafft. Die Kreisverwaltung will damit eine Million Euro pro Jahr sparen. Gerade im ländlichen Raum trifft es Grundschülerinnen und -schüler besonders hart, weil sie auf den Bus angewiesen sind. Im dörflichen Hörvelsingen, einem Stadtteil von Langenau, haben Eltern eine Petition online gestartet.

Mutter begrüßt ihren Sohn an der Bushaltestelle. Künftig sollen auch Grundschüler für das Busabo bezahlen müssen.
Melanie Metwalli begrüßt ihren Sohn Amir an der Bushaltestelle in Hörvelsingen. Er muss täglich drei Kilometer mit dem Bus in die Robert-Bosch-Grundschule ins benachbarte Albeck fahren.

Pünktlich zur Mittagszeit: Der Bus bringt die Hörvelsinger Kinder aus der Robert-Bosch-Grundschule im benachbarten Langenauer Stadtteil Albeck wieder heim. Das Busabo ist ab dem neuen Schuljahr auch für Amir, der ab Herbst in der zweiten Klasse ist, nicht mehr kostenlos. Die monatlich rund 40 Euro für die Schülerbeförderung gehen dann zu Lasten seiner Eltern. Bisher hatte der Alb-Donau-Kreis die Gebühr übernommen.

Dreifache Mutter: Wir müssen Urlaub streichen!

Die Kosten würden immer auf Familien abgewälzt, klagt Amirs Mutter Melanie Metwalli. Bei drei Schulkindern schlägt das Busabo künftig mit fast 1.500 Euro pro Jahr zu Buche, rechnet sie vor. "Es wird ein Urlaub oder etwas anderes gestrichen, man muss ja irgendwo einsparen."

Petition holt in gut zwei Wochen 2.000 Unterschriften

Das Thema sorgt auf der Langenauer Alb für heftige Diskussionen. Viele Familien wollen sich jetzt wehren - mit einer Online-Petition, die seit dem 9. Juni rund 2.000 Unterschriften bekommen hat. Die dreifache Mutter Sonia Schleicher unterstützt die Petition "Keine Schulweg-Gebühren". Sie findet, "dass wir jetzt laut werden müssen, dass wir sagen müssen, uns passt das nicht".

Drei Mütter von Grundschulkindern gehen diskutierend zur Bushaltestelle - Protest gegen den Alb-Donau-Kreis
Drei Mütter aus Langenauer Stadtteilen unterstützen die Petition für kostenlose Schulbusse: Julia Münkle, Melanie Metwalli und Sonia Schleicher (von links) kritisieren die finanzielle Belastung der Familien.

Bei bis zu 17 Millionen Euro Defizit im aktuellen Haushalt ist der Alb-Donau-Kreis gezwungen, den Rotstift anzusetzen, erklärt Landrat Heiner Scheffold (parteilos). Das kostenlose Busabo für Grundschulkinder ist nur einer von 40 Streichposten, eine Million Euro spart der Kreis dadurch. Solche freiwillige Leistungen "können wir uns leider Gottes nicht mehr leisten", betont Scheffold.

Solche Freiwilligkeitsleistungen können wir uns bei dem Haushaltsdefizit nun leider Gottes nicht mehr leisten.

Kreis Heidenheim: Schulbus seit 30 Jahren nicht gratis

In anderen Landkreisen, wie etwa dem Kreis Heidenheim, gibt es den Schulbus schon seit 30 Jahren nicht mehr kostenlos. Eltern von Grundschulkindern müssen hier einen Eigenanteil von rund 30 Euro pro Monat bezahlen. Im Ostalbkreis liegt er bei 20 Euro.

Schulbus pendelt auf der Langenauer Alb. Eltern von Grundschulkindern setzen auf ihn.
Der Bus verbindet die beiden Langenauer Stadtteile Hörvelsingen und Albeck in rund drei Minuten. Darauf setzen berufstätige Eltern von Grundschulkindern. Doch die neuen Kosten von 40 bis 50 Euro pro Monat belasten viele.

"Ein Unding": 46,70 pro Monat für drei Minuten Busfahrt

Die landschaftlich idyllische Fahrt über die Langenauer Alb dauert für ihre beiden Schulkinder nur drei Minuten, berichtet Julia Münkle aus dem Stadtteil Göttingen. Weder sie noch ihr Mann können aus beruflichen Gründen Elterntaxi spielen. Die Streichung des kostenlosen Abos sei ein Unding. "Für drei Minuten Busfahrt 46,70 Euro im Monat zu zahlen, ist einfach zu viel." Mal zwei sei das ein ganzer Wocheneinkauf.

Sie hofft, dass die Eltern "mit dem Kreistag in den Dialog gehen können", zumindest Zwischenlösungen finden. Und Sonia Schleicher wünscht sich eine flexiblere Lösung. So könnte beispielsweise berücksichtigt werden, wie lang der Schulweg ist.

Blauer Linienbus befördert Grundschulkinder über die Langenauer Alb.
Der Langenauer Linienbus befördert Schulkinder zum Beispiel aus Hörvelsingen in die Grundschule ins benachbarte Albeck.

Landrat: Entscheidung des Kreistags ist gefallen

Während Eltern auf Gehör im Landratsamt hoffen, ist an der Entscheidung des Kreistags vom Mai - trotz der Petition - nicht zu rütteln. Landrat Heiner Scheffold verteidigt die Entscheidung so. "Wenn die laufenden Einnahmen nicht mehr die laufenden Ausgaben decken, dann bekommen Sie als Privatperson von der Bank kein Geld mehr. Und wir bekommen keine Genehmigung mehr im Haushalt."

Fürs kommende Schuljahr ist es also beschlossene Sache. Danach könnte die Kreisverwaltung jederzeit neu entscheiden. Und vielleicht auch wieder familienfreundlicher handeln, hoffen jedenfalls viele Eltern.

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Anita Schlesak
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