Andreas Oettel ist bis heute Geschäftsführer bei ratiopharm Ulm und war 2001 als 27-jähriger Neuling dabei. In einem Ulmer Notariat unterzeichnete er zusammen mit Thomas Stoll, Ralf Buck und Werner Sailer die Gründungsurkunde der Basketball Ulm/Alb-Donau GmbH, der späteren BBU '01 GmbH.
Wir wussten nicht, was auf uns zukommt.
"Wir wussten nicht wirklich, was auf uns zukommt", erinnert sich Oettel, der damals gerade Betriebswirtschaftslehre an der Hochschule Neu-Ulm studiert hatte. "Wir haben nicht viel nachgedacht. Wir wollten einfach den Ulmer Basketball retten."
Die Ausgangslage war desolat. Der damalige Trägerverein SSV Ulm 1846 war in die Insolvenz geraten. Thomas Stoll, der heutige sportliche Manager des Clubs, arbeitete 2001 noch hauptberuflich als Arzt. "Ich war im Urlaub in Spanien, als mich die Nachricht erreichte, dass aufgrund der Insolvenz des Trägervereins der Profi-Bereich komplett eingestellt werden würde." Stoll war selbst beim SSV als Basketball-Jugendtrainer ehrenamtlich aktiv. "Ich wollte versuchen, den Ulmer Basketball zu retten und habe nach Mitstreitern gesucht."
Heute sind Thomas Stoll (59) und Andreas Oettel (52) immer noch die führenden und entscheidenden Männer bei ratiopharm Ulm. Der Club zählt längst zur deutschen Spitze, wurde 2023 Deutscher Meister und spielt auf europäischer Bühne im Eurocup. Der 2020 eröffnete Orange Campus zählt zu den führenden Basketball-Leistungszentren Europas und hat inzwischen mehrere NBA-Spieler für die amerikanische Profiliga hervorgebracht.
"Entwicklungshungrig" steht auf einer Säule im Eingangsbereich des Orange Campus. "Diesen Begriff haben wir uns als Markenkern auf die Seele geschrieben", sagt Andreas Oettel im SWR-Interview. Man wolle als Verein immer hungrig bleiben und Menschen entwickeln, die den nächsten Schritt gehen wollen, die auch Neues ausprobieren wollen.
Heute undenkbar: Kinder direkt am Spielfeldrand
Fünf Jahre nach der Neugründung gelang den Ulmer Basketballern 2006 der Aufstieg von der zweiten in die erste Bundesliga. Gespielt wurde in der engen, heißen und sehr stimmungsvollen Kuhberghalle. "Für Kinder gab es damals sogenannte Teppichplätze", erinnert sich Oettel. Direkt am Spielfeldrand, ohne Schutz und ohne Bande. "Das wäre heute gar nicht mehr denkbar."
Ein Meilenstein war 2011 der Umzug in die ratiopharm-Arena in Neu-Ulm mit 6.000 Plätzen. Die Ulmer spielten fortan um die Meisterschaft mit. Die Arena war über Jahre hinweg bei jedem Bundesligaheimspiel ausverkauft. Für Dauerkarten gab es Wartelisten. 2023 folgte mit der Deutschen Meisterschaft der größte sportliche Erfolg.
Der Basketball-Club hat das Leben vieler Ulmer verändert
Ratiopharm Ulm hat das Leben vieler Menschen in Ulm und um Ulm verändert. Zum Beispiel das von Christian Conzelmann. Vom Basketball-Virus infiziert, wurde er zum Anheizer an der Trommel im Fanblock, hat sein Team nach Venedig, Ljubljana und sogar zum Testspiel nach Portland in den USA begleitetet.
"Ich habe den Fanclub gegründet", erzählt Conzelmann. "Der Basketball ist das, was mich reizt. Es ist quasi mein Leben einfach." Längst hat er in der Basketball-Community seine Freunde. Mehrere hundert Familien sind in der Region zu Basketball-Fans geworden, weil ihre Kinder in einer der gut 30 BBU-Nachwuchsmannschaften trainieren und spielen. Der Verein zählt inzwischen mehr als 3.000 Mitglieder.
Die Erfolgsstory war vor 25 Jahren nicht vorherzusehen und zählt sicher zu den eindrucksvollsten der deutschen Basketballgeschichte. "Wir sind noch lange nicht am Ende", sagt Geschäftsführer Oettel. "Da geht noch was." Die ersten 25 Jahren seien für ihn - wie bei einem Basketballspiel - nur das erste Viertel. Jetzt sehe man sich am Anfang des zweiten Viertels. "Und ich bin mir sicher, wir werden da noch ein paar großartige Geschichten schreiben können."
Ratiopharm Ulm feiert das Jubiläum mit einer großen Gala am 11. September in der Neu-Ulmer Arena.