Von der Insolvenz zur Deutschen Meisterschaft

25 Jahre ratiopharm Ulm: Eine besondere Basketball-Geschichte

Vor genau 25 Jahren, am 17. August 2001, haben vier Männer eine Gründungsurkunde unterschrieben, ohne zu ahnen, dass sie damit später die ganz große Basketball-Bühne betreten würden.

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Von Autor/in Peter Köpple

Andreas Oettel ist bis heute Geschäftsführer bei ratiopharm Ulm und war 2001 als 27-jähriger Neuling dabei. In einem Ulmer Notariat unterzeichnete er zusammen mit Thomas Stoll, Ralf Buck und Werner Sailer die Gründungsurkunde der Basketball Ulm/Alb-Donau GmbH, der späteren BBU '01 GmbH.

Wir wussten nicht, was auf uns zukommt.

"Wir wussten nicht wirklich, was auf uns zukommt", erinnert sich Oettel, der damals gerade Betriebswirtschaftslehre an der Hochschule Neu-Ulm studiert hatte. "Wir haben nicht viel nachgedacht. Wir wollten einfach den Ulmer Basketball retten."

Ein Bild aus Zweitliga-Zeiten in der Kuhberghalle: Ratiopharm Ulm gegen den 1. FC Kaiserslautern im April 2006. Im Ulmer Dress Konrad Wysocki.
Ein Bild aus Zweitliga-Zeiten in der Kuhberghalle: Ratiopharm Ulm gegen den 1. FC Kaiserslautern im April 2006. Im Ulmer Dress Konrad Wysocki. Imago / Pressefoto Baumann

Die Ausgangslage war desolat. Der damalige Trägerverein SSV Ulm 1846 war in die Insolvenz geraten. Thomas Stoll, der heutige sportliche Manager des Clubs, arbeitete 2001 noch hauptberuflich als Arzt. "Ich war im Urlaub in Spanien, als mich die Nachricht erreichte, dass aufgrund der Insolvenz des Trägervereins der Profi-Bereich komplett eingestellt werden würde." Stoll war selbst beim SSV als Basketball-Jugendtrainer ehrenamtlich aktiv. "Ich wollte versuchen, den Ulmer Basketball zu retten und habe nach Mitstreitern gesucht."

Aufbauspieler Per Günther war 14 Jahre lang das Gesicht der Vereins und gilt als Legende in Ulm. Seine Rückennummer Sechs wird deshalb auch nicht mehr vergeben. Auf diesem Bild beim Spiel gegen Frankfurt war Günther 21 Jahre alt.
Aufbauspieler Per Günther war 14 Jahre lang das Gesicht der Vereins und gilt als Legende in Ulm. Seine Rückennummer Sechs wird deshalb auch nicht mehr vergeben. Auf diesem Bild beim Spiel gegen Frankfurt war Günther 21 Jahre alt. Imago / Volkmann

Heute sind Thomas Stoll (59) und Andreas Oettel (52) immer noch die führenden und entscheidenden Männer bei ratiopharm Ulm. Der Club zählt längst zur deutschen Spitze, wurde 2023 Deutscher Meister und spielt auf europäischer Bühne im Eurocup. Der 2020 eröffnete Orange Campus zählt zu den führenden Basketball-Leistungszentren Europas und hat inzwischen mehrere NBA-Spieler für die amerikanische Profiliga hervorgebracht.

Ein legendäres Basketballspiel fand am 20. August 2015 statt. Vor 6.000 Zuschauern spielte ratiopharm Ulm gegen Bamberg, draußen auf dem Münsterplatz. Anlass für das Freiluftspektakel war das 125-jährige Bestehen des Münsterturms  sowie die zehnjährige Zugehörigkeit der Ulmer Basketballer zur ersten Bundesliga.
Ein legendäres Basketballspiel fand am 20. August 2015 statt. Vor 6.000 Zuschauern spielte ratiopharm Ulm gegen Bamberg, draußen auf dem Münsterplatz. Anlass für das Freiluftspektakel war das 125-jährige Bestehen des Münsterturms sowie die zehnjährige Zugehörigkeit der Ulmer Basketballer zur ersten Bundesliga.

"Entwicklungshungrig" steht auf einer Säule im Eingangsbereich des Orange Campus. "Diesen Begriff haben wir uns als Markenkern auf die Seele geschrieben", sagt Andreas Oettel im SWR-Interview. Man wolle als Verein immer hungrig bleiben und Menschen entwickeln, die den nächsten Schritt gehen wollen, die auch Neues ausprobieren wollen.

Heute undenkbar: Kinder direkt am Spielfeldrand

Fünf Jahre nach der Neugründung gelang den Ulmer Basketballern 2006 der Aufstieg von der zweiten in die erste Bundesliga. Gespielt wurde in der engen, heißen und sehr stimmungsvollen Kuhberghalle. "Für Kinder gab es damals sogenannte Teppichplätze", erinnert sich Oettel. Direkt am Spielfeldrand, ohne Schutz und ohne Bande. "Das wäre heute gar nicht mehr denkbar."

Ein Meilenstein war 2011 der Umzug in die ratiopharm-Arena in Neu-Ulm mit 6.000 Plätzen. Die Ulmer spielten fortan um die Meisterschaft mit. Die Arena war über Jahre hinweg bei jedem Bundesligaheimspiel ausverkauft. Für Dauerkarten gab es Wartelisten. 2023 folgte mit der Deutschen Meisterschaft der größte sportliche Erfolg.

Der Basketball-Club hat das Leben vieler Ulmer verändert

Ratiopharm Ulm hat das Leben vieler Menschen in Ulm und um Ulm verändert. Zum Beispiel das von Christian Conzelmann. Vom Basketball-Virus infiziert, wurde er zum Anheizer an der Trommel im Fanblock, hat sein Team nach Venedig, Ljubljana und sogar zum Testspiel nach Portland in den USA begleitetet.

"Ich habe den Fanclub gegründet", erzählt Conzelmann. "Der Basketball ist das, was mich reizt. Es ist quasi mein Leben einfach." Längst hat er in der Basketball-Community seine Freunde. Mehrere hundert Familien sind in der Region zu Basketball-Fans geworden, weil ihre Kinder in einer der gut 30 BBU-Nachwuchsmannschaften trainieren und spielen. Der Verein zählt inzwischen mehr als 3.000 Mitglieder.

Der sportliche Höhepunkt der 25-jährigen Clubgeschichte: am 16. Juni 2023 gewinnt ratiopharm Ulm den deutschen Meistertitel in der heimischen Arena gegen Bonn.
Der sportliche Höhepunkt der 25-jährigen Clubgeschichte: am 16. Juni 2023 gewinnt ratiopharm Ulm den deutschen Meistertitel in der heimischen Arena gegen Bonn. Imago/ kolpert-press

Die Erfolgsstory war vor 25 Jahren nicht vorherzusehen und zählt sicher zu den eindrucksvollsten der deutschen Basketballgeschichte. "Wir sind noch lange nicht am Ende", sagt Geschäftsführer Oettel. "Da geht noch was." Die ersten 25 Jahren seien für ihn - wie bei einem Basketballspiel - nur das erste Viertel. Jetzt sehe man sich am Anfang des zweiten Viertels. "Und ich bin mir sicher, wir werden da noch ein paar großartige Geschichten schreiben können."

Ratiopharm Ulm feiert das Jubiläum mit einer großen Gala am 11. September in der Neu-Ulmer Arena.

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Autor/in
Peter Köpple
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