Schwörmontag ohne Nabada in der Donau? Für viele in Ulm kaum vorstellbar. Doch das Gesundheitsamt warnt: Die Wasserqualität des Flusses kann sich schnell ändern. Sollte es im Vorfeld des Nabada stark regnen, kann die Belastung von Krankheitserregern kurzfristig stark ansteigen.
Deswegen kann Starkregen beim Nabada zum Problem werden
Der Gewässerbiologe Joachim Fürst aus Biberach an der Riss erklärt, warum Starkregen zum Problem werden kann: "In der Region gibt es überwiegend Mischkanalisation". Regen-, Oberflächen- und Dachwasser werden gemeinsam mit Grau- und Schwarzwasser, also das aus den Haushalten, in großen Rohren zur Kläranlage geleitet.
Ulmer Stadtfeiertag Liveblog: Das war der Schwörmontag in Ulm
Am 20. Juli war Ulm einmal mehr im Ausnahmezustand - am Schwörmontag. Zehntausende Gäste waren bei der Schwörrede und beim Wasserumzug Nabada. Was los war, könnt ihr im Liveblog nachlesen und schauen.
Wenn es Starkregen gebe, stoße die Kläranlage an ihre Grenzen. Das Wasser werde dann in Rückhaltebecken oder Stauraumkanäle umgeleitet. Eine Art Zwischenspeicher. Von dort sollen Drosselleitungen das gemischte Wasser wieder zur Kläranlage zurückführen.
Wasser nicht schlucken: Donau unter Umständen mit Fäkalkeimen belastet
Allerdings reichen auch diese Kapazitäten bei starkem Niederschlag nicht mehr aus. "Das gemischte, ungereinigte Wasser kommt in die Vorflut", so der Diplom-Biologe. Vorflut meint Bäche, Flüsse - eben auch die Donau. Und dieses Wasser sei häufig mit Keimen belastet, erklärt Fürst. Dazu gehörten Fäkalkeime, Enterokokken und coliforme Keime.
"Wenn es dumm läuft und ich habe einen Starkregen, einen Abschlag und danach Leute, die ins Wasser gehen und das Zeug schlucken, dann gibt es eben die typischen Brechdurchfälle", sagt Fürst. Die aktuellen Witterungsverhältnisse könnten die Belastung zusätzlich erhöhen. Deswegen sollten Nabader das Donauwasser möglichst nicht schlucken.
Donau ist kein offizielles Badegewässer
Wie die Wasserqualität am Ulmer Stadtfeiertag tatsächlich sein wird, weiß niemand genau. Denn die Donau wird - anders als ausgewiesene Badestellen an Seen - nicht regelmäßig nach EU-Richtlinien untersucht. Das Gesundheitsamt betont, dass sich die Qualität "innerhalb kurzer Zeit und auch örtlich stark verändern" kann.
Von der Wasserbehörde der Stadt Ulm heißt es auf SWR-Anfrage: "Die Wasserqualität in der Donau wäre nach einem Starkregen-Ereignis deutlich schlechter als bei derzeitigem Niedrigstand." Sowohl das Gesundheitsamt als auch die Stadt Ulm teilen mit: Die Teilnahme am Nabada und Baden in der Donau erfolgt "auf eigene Gefahr".
Grundsätzlich könne Wasser in Fließgewässern Krankheitserreger enthalten. Gelangen diese etwa durch Verschlucken in den Körper, sind Magen-Darm-Erkrankungen möglich. Auch Augen-, Ohren-, Haut- oder Wundinfektionen werden vom Gesundheitsamt genannt.
Viele Erkrankungen nach dem Nabada 2024
Nach dem Nabada im Jahr 2024 wurden laut Gesundheitsamt "vermehrt Magen-Darm-Erkrankungen" registriert. Auch damals hatte es vorab viel geregnet. Unabhängig davon sei davon auszugehen, dass die Donau "mikrobiologischen Belastungen ausgesetzt sein kann".
Die Belastungen im Fluss können also ansteigen - auch wenn man das dem Fluss nicht anmerkt und der Wasserpegel der Donau niedrig bleiben wird. Denn Gewitter oder Starkregen haben keinen kurzfristigen Einfluss auf den Pegel. Dafür müsste es anhaltende Regenfälle geben, so Nabada-Organisationsleiter Marco Schwender.