In Schwäbisch Gmünd ist am Donnerstag ein Fall von sexueller Belästung während einer Fahrstunde bekannt geworden. Die "Gmünder Tagespost" berichtete, dass eine Fahrschule alle Schülerinnen und Schüler per Mail über den Vorwurf der Belästigung gegen einen ihrer Fahrlehrer informierte. Die betroffene Fahrschule habe die Zusammenarbeit mit diesem Mitarbeiter sofort beendet. Für eine Stellungnahme gegenüber dem SWR war die Fahrschule mit mehreren Filialen im Ostalbkreis nicht erreichbar.
Frauenberatung spricht von hoher Dunkelziffer
Der Bundesverband für Frauenberatungsstellen und Frauennotrufe sagte dem SWR, dass derartige Fälle ab und zu vorkommen. Junge Frauen seien während der Fahrstunde in einem Abhängigkeitsverhältnis. Sie benötigten den Führerschein und hätten dafür schon viel Geld investiert. "Die Dunkelziffer ist sehr hoch, da die meisten der Fahrschülerinnen keine Anzeige erstatten und die Übergriffe stillschweigend hinnehmen," so eine Sprecherin des Verbands in Berlin.
Manche Mädchen fühlen sich nicht mehr sicher, haben teilweise Angst vor der Fahrstunde.
Fahrlehrerin: Ab und zu wechseln junge Frauen zu ihr
Eine Hand auf dem Schenkel, ein sexistischer Kommentar. Eine junge Frau aus Ulm sagte dem SWR, sie habe die Fahrschule nach solch einer unangenehmen Begegnung gewechselt. Eine Neu-Ulmer Fahrlehrerin bestätigte auf Nachfrage, dass es schon mal vorkomme, dass junge Frauen zu ihr wechselten. Doch in der Branche werde eben auch viel geredet. Immerhin sei es oft schwierig, so eine Anschuldigung auch zu beweisen.
Mann sitzt in U-Haft In Wald gelotst: Fahrlehrer soll Schülerinnen sexuell missbraucht haben
Wegen des Verdachts des sexuellen Übergriffs und der mehrfachen Vergewaltigung sitzt ein Fahrlehrer in U-Haft. Die Kripo Sigmaringen ermittelt.
Die Fahrschulbranche ist immer noch in Männerhand. Auf eine Fahrlehrerin kommen in Deutschland mehr als sieben Männer, so das Kraftfahrt-Bundesamt im Jahr 2024. Zudem seien Lehrer und Schülerin im Auto auf engstem Raum allein.
Im Fall der Fahrschule in Schwäbisch Gmünd sei es zu keiner Anzeige gekommen, so Polizeisprecher Holger Bienert. Es seien aber gelegentlich schon Anzeigen in diesem Bereich eingegangen. "Zwar nicht häufig, aber es kommt schon mal vor." Erst im März kam ein Fahrlehrer aus Baden-Württemberg in Untersuchungshaft. Er soll Schülerinnen in den Wald gelotst und dort missbraucht haben.
Verband der Fahrlehrer: "Sexuelle Übergriffe werden nicht geduldet"
Der Fahrlehrerverband Baden-Württemberg positioniert sich klar gegen schwarze Schafe in der Branche. "Jeder Fall ist einer zu viel", schreibt der Verband in einer Mitteilung aus dem Jahr 2023 auf seiner Internetseite. "Sexuelle Übergriffe werden nicht geduldet und haben arbeits- und berufsrechtliche Konsequenzen." Die überwiegende Mehrheit in der Fahrlehrerbranche arbeite seriös.
Frauenberatung: Betroffene sollten eigene Wahrnehmung ernst nehmen
"Wenn jungen Fahrschülerinnen so etwas widerfahre", sagt die Sprecherin der Frauenberatungsstelle, "dann sollen die Mädchen auf jeden Fall auf ihr Bauchgefühl hören und sich selbst ernst nehmen." Mädchen und junge Frauen sollten Situationen nicht herunterspielen und sich unbedingt einer Freundin oder den Eltern anvertrauen.