Keine Fernzüge, Regios fahren eingeschränkt

Hauptbahnhof Ulm bekommt neues Stellwerk - aber was bringt es?

Eine Woche lang fahren am Hauptbahnhof Ulm keine Fernzüge und nur wenige Regionalzüge, weil die Bahn den Bau eines neuen Stellwerks vorbereitet. Doch was bringt das eigentlich den Reisenden?

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Die Vorbereitungen für das neue Stellwerk legen derzeit fast den ganzen Bahnverkehr in Ulm lahm. Fernzüge sind ganz gestrichen, Regionalbahnen fahren nur eingeschränkt oder verspätet. Alles für eine neue Technik, die viel verspricht. Aber Insider befürchten, dass das Potenzial künftig nicht ausgeschöpft wird.

Stellwerk in Ulm ist schon 60 Jahre alt

Das derzeitige Ulmer Stellwerk ist ein altes Relaisstellwerk aus dem Jahr 1967 - mit viel analoger Technik im Schaltschrank. Lebenszeit? Rund 40 Jahre. In Ulm knackt das Stellwerk bald schon die 60. Auch wenn es noch funktioniert, je älter die Technik wird, desto mehr Ausfälle wie Signal- oder Weichenstörungen gibt es. Hinzukommt, dass es für diese alten Relaisstellwerke kaum noch Ersatzteile gibt.

Also höchste Eisenbahn für eine neuere Technik. Damit der Bahnbetrieb wieder etwas zuverlässiger laufen kann, bekommt Ulm ein computergesteuertes Stellwerk. Die Fahrgäste selbst werden im besten Fall nichts von der neuen Technik mitbekommen.

Das elektronische Stellwerk birgt aber viel Potential: Die sogenannten Fahrstraßen, also die vielen Varianten, die entstehen, wie Züge über Weichen und Signale gesteuert werden, können besser ausgeschöpft und gesteuert werden. Also wie ein Zug in den Bahnhof rein, durch den Bahnhof durch oder aus dem Bahnhof rausfährt.

Potential des neuen Stellwerks in Ulm wird wohl nicht ausgeschöpft

Nach SWR-Recherchen kämpft die Bahn genau mit dieser Komplexität des Stellwerks. "Ungefähr 4.000 verschiedene Fahrstraßen wären theoretisch möglich", so ein Insider. Je mehr Varianten, desto flexibler kann reagiert werden, wenn zum Beispiel eine Weiche kaputt ist. Eigentlich eine gute Sache. Aber: "Je mehr Varianten, desto komplexer die Abnahme", so der Insider weiter. Deswegen will die Bahn vorerst die Fahrstraßenmöglichkeit reduzieren, damit das Stellwerk schneller in Betrieb gehen kann. "Das schränkt aber natürlich die Flexibilität ein, wenn man im Störfall reagieren will."

Demnach sollen deutlich weniger Fahrstraßen - manche reden lediglich von rund 1.000 möglichen Varianten - für das elektronische Stellwerk in Ulm freigeschaltet und abgenommen werden. Dazu nimmt die Bahn derzeit keine Stellung. "Hierzu laufen noch zahlreiche Abstimmungen", schreibt das Unternehmen auf SWR-Anfrage.

Inbetriebnahme des neuen Stellwerks am Hauptbahnhof Ulm war 2022 geplant

Wie so viele Baustellen ziehen sich auch die Arbeiten rund um das neue Stellwerk in Ulm in die Länge. Die ursprüngliche Inbetriebnahme des Stellwerks war noch vor der Einweihung der Schnellfahrstrecke Wendlingen-Ulm im Dezember 2022 geplant, so ein Sprecher dem SWR. Ein neuer Termin war Frühjahr 2026, doch auch das klappt wohl nicht.

Wie viele Bauabschnitte noch kommen werden und wann das neue Stellwerk schlussendlich eingebaut wird, dazu gibt die Bahn keine Auskunft. Klar ist, dass zu einem späteren Zeitpunkt der Bauarbeiten eine Vollsperrung nötig ist. Denn um das neue Stellwerk in Betrieb zu nehmen, müsse man das alte erst vollständig abschalten.

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Erstmals publiziert am
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Autor/in
Hannah Schulze
Hannah Schulze
Frieder Kümmerer
Frieder Kümmerer

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