Bereit für die WM 2026

Patriotismus, Panini, Public Viewing: Laichinger Peter Saß lebt für Fußball

Er hat 1.000 Alben mit Fußballer-Fotos. Er lädt zu Public Viewings mit eigens kreierter Stadionwurst. Er ist Schiri und Torwarttrainer - mit 68 Jahren: Peter Saß aus Laichingen lebt Fußball.

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Von Autor/in Frank Polifke

Mit knapp 68 ist er unter der Woche Torwarttrainer und an Wochenenden Schiedsrichter. Für seine privaten Public Viewings presst ihm ein Metzger seine eigens kreierte Stadionwurst. Und in seinem Hobbykeller archiviert er rund 1.000 Alben mit Fußballer-Bildchen. Peter Saß lebt Fußball - und ist bereit für die WM 2026.

Public Viewing in Laichingen: Die Alenberg-Arena steht bereit

Mit einem Ruck lässt Peter Saß das Tor nach oben fahren, und die äußerlich unauffällige Doppelgarage wird zur Alenberg-Arena - benannt nach ihrem Standort in einer Laichinger Wohnsiedlung: Sein privates Public Viewing, für Freunde und Nachbarn, bei EMs und WMs seit 2006. Und weil Saß so etwas wie ein Perfektionist ist, ist die Alenberg-Arena weitaus mehr als ein paar Bierbänke, Leinwand und Beamer.

Ohne Eintrittskarte (kostenlos!) kein Zutritt. Aufwändig gedruckt, samt Passfoto des Inhabers. Die Position des Sitzplatzes zeigt ein Schema des Stadions, das irgendwie an die Münchner Allianz-Arena erinnert.

Ein Einlass-Ticket fürs Laichinger Public Viewing - professionell gemacht, einschließlich Passfoto.
Den Gästen seines Public Viewings stellt Peter Saß personalisierte und beeindruckend professionell gestaltete VIP-Ausweise aus.

"Es wird auch aufgestanden, und es wird auch bei der Nationalhymne des Gegners nicht sitzen geblieben"

Über Mannschaftsaufstellung und Spielstand informieren Kärtchen an der linken Wand, über den korrekten Text der deutschen Nationalhymne eine Inschrift an der rechten. Sie mitzusingen ist Pflicht für die Besucherinnen und Besucher der Alenberg-Arena. "Es wird auch aufgestanden, und es wird auch bei der Nationalhymne des Gegners nicht sitzen geblieben", stellt der Fußball-Junkie klar.

Eigene Stadionwurst und Direktleitung zu Lothar Matthäus

War's das an Skurrilem? Einer geht noch. Nein, sogar zwei. Ein Metzger stellt Peter Saß eine exklusiv für ihn kreierte Stadionwurst her: Optisch unauffällig, aber dezent scharf.

Und ein schwarz-rot-goldenes Notfall-Telefon verbindet die Alenberg-Arena per Kurzwahltasten mit Fußball-Experten wie Hansi Flick und Lothar Matthäus. Falls die Partie zu kippen droht, geben die Laichinger Public Viewer sachkundige Tipps mit der Bitte um Weiterleitung an Bundestrainer Julian Nagelsmann. Dass der dringend Deniz Undav einwechseln muss. Ob der "Loddar" je an den Apparat gegangen ist, verrät Peter Saß nicht. Ob das Gerät überhaupt einen Anschluss hat, auch nicht.

Mit 68 noch Schiri und Towarttrainer

Peter Saß lebt Fußball aber keineswegs nur passiv. Der knapp 68-Jährige steht nach wie vor auf dem Platz: An den Wochenenden als Schiedsrichter, unter der Woche als Torwarttrainer beim TSV Berghülen, Kreisliga. Ein Schleifer alter Schule, der den Puls der jungen Spieler nach oben treibt.

Er ist absolut fußballverrückt. Ich kenn' keinen, der so oft auf dem Sportplatz ist, so viel Fußballerfahrung hat.

Aber genau das schätzt Torwart Michael Breitinger an ihm: "Er ist absolut fußballverrückt. Ich kenn' keinen, der so oft auf dem Sportplatz ist, so viel Fußballerfahrung hat." Ganz nebenbei bleibt der Fußball-Senior auf diese Weise topfit. "Ich habe keinerlei Verschleißerscheinungen", verrät der drahtige Mann mit den nur dezent grauen Haaren.

Peter Saß steht mit 68 Jahren immer noch als Torwarttrainer auf dem Fußballplatz
Mit 68 Jahren ist Peter Saß immer noch aktiver Schiedsrichter und Torwarttrainer.

1.000 Sammelalben und ein Autogramm von Pelé

Die Schatzkammer des Laichinger Fußball-Junkies liegt in seinem Keller: Eine Devotionalien-Sammlung, die bei jedem Fußballfan, den Peter Saß in sein Heiligtum führt, Schnappatmung auslöst - vor allem bei älteren. Das Poster mit den Autogrammen der Elf von 1954 ist zwar ein Druck, gibt er zu. Das Doppelautogramm der beiden Legenden Pelé und "uns' Uwe" Seeler ist dagegen echt.

Da sind die ganzen Fußballer auf Karton abgebildet. Nicht so billiges Papier wie heute.

Kern der Sammlung sind aber an die tausend Almanache, Bücher, Kicker-Starschnitte - und vor allem Alben mit Fußballer-Fotos. Nicht nur die berühmten und bis heute begehrten Panini-Bildchen. Auch die von Bergmann, gewissermaßen den Vorläufern von Panini. Erster Band: Bundesliga-Saison 1965/66, auf dem Titelblatt: 1860 München-Torwartlegende Petar "Radi" Radenkovic. Mit "Bin i Radi, bin i König" landete er ebenso einen Hit wie Franz Beckenbauer mit "Gute Freunde kann niemand trennen".

Peter Saß blättert in einem seiner rund 1.000 Alben mit Fotos von Fußballspielern.
Der leidenschaftliche Sammler Peter Saß besitzt rund 1.000 Alben mit Fotos von Fußballern.

LP und Suppenlöffel: Devotionalien vom "Kaiser"

Dass die "Lichtgestalt" nicht nur die eine Schnulze gesungen hat, zeigt eine weitere Rarität: eine originalverpackte LP "Des Kaisers schönste Lieder". Beispiele gefällig? "Du bist das Glück" oder "1:0 für deine Liebe".

Vom "Kaiser" besitzt Peter Saß noch eine weitere Devotionalie: einen Esslöffel. Der war Requisit in Beckenbauers erster Werbekampagne - für Tütensuppe. "Kraft in den Teller. Knorr auf den Tisch" empfahl der junge Fußballstar in den 1960er Jahren dem Fernsehpublikum. Ob spätere Topspieler wie Oliver Kahn ihre Fitness Franzls Fertigsuppen verdanken, ist nicht überliefert.

Peter Saß neben einer Schaufensterpuppe mit Perücke, die Franz Beckenbauer darstellen soll.
Seit Jahren begrüßt "Kaiser" Franz Beckenbauer die Gäste von Peter Saß' Public Viewing.

Peter Saß und die Alenberg-Arena bereit für die WM 2026

Der "Kaiser" begrüßt übrigens auch die Public Viewing-Gäste vor der Alenberg-Arena. Wobei die dunkle Mähne der mit einem 1954er Trikot bekleideten Puppe eher an seinen Mannschaftskamerad Paul Breitner erinnert.

In Peter Saß' Laichinger Public Viewing-Garage legt man ohnehin mehr Wert auf die spezielle rezente Stadionwurst. Wenn die demnächst in der Alenberg-Arena eintrifft, und wenn die Bierkästen abgeladen werden - dann steht unterhaltsamen WM-Abenden auf der Alb nichts mehr im Weg. Es sei denn, Undav fehlt in der Startaufstellung.

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Frank Polifke
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