Der Verein "Zukunft für Nepal Ostwürttemberg" sammelt Spenden, um die Opfer der Flutwelle mit dem Notwendigsten zu versorgen. Dabei kooperiert der Verein mit der Regierung Nepals, um Hubschrauber mit Hilfsgütern in die Region zu fliegen, erklärt die Vereinsvorsitzende Petra Pachner in Aalen, die 2007 ein Waisenkind aus Nepal adoptierte und sich seither in dem Land engagiert. Das Bildungszentrum des Vereins im Bezirk Dhading, 150 Kilometer von der Flut entfernt, sei nicht direkt betroffen.
Dort werden rund 80 bis 100 junge Menschen unter anderem zu Schreinerinnen, Schweißern und Wasserkraft-Servicetechnikern ausgebildet. Einige von ihnen haben nach Angaben des Vereins in Wasserkraftwerken im Katastrophengebiet gearbeitet. "Wir haben da noch keinen Überblick", beteuert Pachner, "aber die Rettungsaktionen laufen." Dabei habe erst am Sonntag eine kleinere Sturzflut im Distrikt Dhading eine Brücke komplett weg gespült, was die Rettung erschwere.
Ich bekomme immer Gänsehaut, wenn ich das erzähle. Denn die Menschen in der Region haben zu Recht große Angst.
"Ich bekomme immer Gänsehaut, wenn ich das erzähle", sagt Petra Pachner im Interview mit dem SWR. "Denn die Menschen in der Region haben zu Recht große Angst." Mit dem Klimawandel würden Gletscher schmelzen und das Wasser sammele sich in Spalten und hinter Abbruchkanten. Entstehe ein See und breche, könne eine Flutwelle ganze Täler verwüsten. "Das Risiko, dass wieder etwas in dieser Dimension passiert, ist da", schätzt die Aalener Vereinsvorsitzende Petra Pachner.
Aalener Verein organisiert nach Sturzflut in Nepal Trinkwasser, Nahrung und Decken
Der Verein "Zukunft für Nepal" mit Sitz in Aalen ist im Distrikt Dhading seit vielen Jahren bekannt und pflegt dort ein dichtes Netz an Kontakten. Dazu gehören Kooperationspartner und Dorfälteste, von denen Petra Pachner erfährt, was wo am dringendsten gebraucht wird: vor allem Trinkwasser, Lebensmittel und Decken. In den Dörfern, die via Hubschrauber oder über Land erreichbar sind, kümmern sich Helferinnen und Helfer vor Ort um die Menschen, die ihr Zuhause verloren haben.
Nach der Sturzflut hat die neue Regierung in Nepal offenbar sehr schnell reagiert. Innerhalb von zwei Stunden seien Hubschrauber gestartet, etwa 900 Menschen seien evakuiert worden. Das Handynetz funktioniere, allerdings seien Strommasten in der Flut teilweise mitgerissen worden. Wer sein Handy nicht mehr laden könne, habe keine Möglichkeit, Hilfe zu rufen.
Die Ausbildung in Nepal geht derweil weiter. Sie sei jetzt "notwendiger denn je", betont die Aalener Vereinschefin und Adoptivmutter Petra Pachner. Die Fachkräfte, die im Bildungszentrum in Dhading geschult werden, könnten als Schreinerinnen, Schweißer oder Wasserkraft-Servicetechniker beim Wiederaufbau des Landes helfen.
Angst vor weiteren Flutwellen im Himalaya
Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler weltweit untersuchen laut Verein die Lage im Himalaya. Sie vermessen Gletscher und versuchen, Risiken besser einzuschätzen. Wenn eine Flutwelle aus großer Höhe losbricht, haben die Menschen im Tal aber oft nur fünf bis sieben Minuten Zeit, zu reagieren. Bleibt die Hoffnung, dass die Forschung schnell vorankommt, um ein Warnsystem zu entwickeln. Man stehe da erst am Anfang, so Pachner.