- Samstag: Narrenmarkt und "Ulm-Beben"
- Sonntag: Narrengottesdienst und "UlmZug"
- Umfangreiches Sicherheitskonzept
Ulm steht am zweiten Februarwochenende ganz im Zeichen der Fasnet: Zum 16. Ringtreffen der Alemannischen Narren werden tausende Hästräger und Hästrägerinnen erwartet. Sie kommen aus dem Raum Oberschwaben-Donau, dem Allgäu und dem Bodensee.
Zehntausende in der Innenstadt Treffen des Alemannischen Narrenrings: Ulm im Ausnahmezustand
Es war bunt, laut und ausgelassen: Das Treffen des Alemannischen Narrenrings hat Ulm am Wochenende beherrscht. Allein zum "Ulmzug" kamen 20.000 Zuschauer. Über eine Stadt im Ausnahmezustand.
Samstag: Narrenmarkt und "Ulm-Beben"
Das Ringtreffen lässt aus dem Münsterplatz ein Narrendorf werden. Der Samstag hat etwas geboten, das es bis dato bei keinem Ringtreffen gegeben hat: einen Narrenmarkt. Auf dem Judenhof zeigten ab dem Vormittag Handwerker ihr Können in Sachen Masken und Kostüme, unter anderem ein Filzer und ein Schmied, der Narrenschellen herstellt.
Ab 12 Uhr wurde es laut im Ulmer Stadtzentrum. Und zwar ordentlich laut. "Ulm-Beben" hieß der Programmpunkt. Auf fünf Plätzen tröteten und trommelten Guggenmusiker schräge Töne. Mehr als 1.000 Menschen hatten sich zu dem Spektakel angemeldet. Besonders laut wurde es bei dem Monsterkonzert auf dem Marktplatz mit mehreren Guggenbands. Sie spielten teils nacheinander, teils gleichzeitig. Und egal, wo die Guggenmusiken aufspielten: Es bildeten sich sofort dichte Trauben aus Schaulustigen.
Der Samstag ist aber auch der Tag für die Kinder gewesen. Ab 13:33 Uhr schlängelte sich der Kinderumzug durch die Innenstadt. Nach Einbruch der Dämmerung, um 17:30 Uhr, bildet ein Fackelumzug einen stimmungsvollen Abschluss.
Sonntag: Narrengottesdienst und "UlmZug"
Der Sonntag geht erstmal besinnlich los - aber auch für feierfreudige Fastnachter unangenehm früh: Um 8 Uhr versammeln sie sich im Ulmer Münster zum ökumenischen Narrengottesdienst. Im Häs, das ist nicht nur erlaubt, sondern erwünscht. 200 Musiker - von der Guggenband über den Fanfarenzug bis zum Ulmer Narrenchor - sorgen für ungewohnte Begleitklänge der Kirchenlieder.
Der absolute Höhepunkt des Ringtreffens des alemannischen Narrenrings beginnt dann um exakt 12:34 Uhr: Da setzt sich der "UlmZug" in Bewegung. Größer denn je: Rund 28.000 Hästrägerinnen und Hästräger ziehen dabei durch die Ulmer Innenstadt, etwa 20.000 Zuschauerinnen und Zuschauer werden 95 Narren-, Hexen- und Musikgruppen bejubeln. Und hoffentlich die Rufe der einzelnen Formationen ebenso lautstark wie korrekt erwidern.
Dreitägiges Programm: Närrisches Treiben seit Freitag
Startschuss war am Freitag mit der Hexenraunacht. Ein traditionelles Schauspiel, das laut dem alemannischen Narrenring nur alle vier bis fünf Jahre aufgeführt wird. Etwa 3.000 Hexen nahmen unter dem Münsterturm an einer schaurigen-unheimlichen Zeremonie teil: der Hexenbeschwörung. Daraufhin fand eine Hexenparty statt.
Lange Planung, hoher Aufwand
Für die Ulmer Narrenzunft ist das Treffen eine Möglichkeit, sich in einem anderen Licht zu präsentieren. Denn eigentlich ist die Stadt an der Donau nicht als Fasnachtshochburg bekannt. Ein Ringtreffen wie dieses ist eine seltene Gelegenheit, zu zeigen, was man kann - die Ulmer Narrenzunft hatte zuletzt 1997 eingeladen.
Nur alle drei bis vier Jahre treffen sich die 88 Zünfte aus dem Land. Den großen Aufwand für so ein Treffen können nur eine handvoll Städte überhaupt stemmen. Darunter auch Ulm. "Wir in Ulm haben den großen Vorteil, dass die Stadt einfach mitzieht", sagt Gerhard Wies.
Für mich persönlich ist es eine Achterbahn.
"Für mich persönlich ist es eine Achterbahn, wirklich, was die Emotionen angeht. Von: 'Ich bin komplett verzweifelt' über 'Ich bin wahnsinnig euphorisch', aber letzten Endes überwiegt der positive Teil", sagt Narrenzunft-Vorsitzender Gerhard Wies über das Wochenende.
Auch wenn der organisatorische Aufwand hoch ist, "war es eigentlich nicht die Frage, ob man es machen will. Es war mehr die Frage, wann man es machen will", so Wies. In Planung war das Ringtreffen nämlich schon für 2022, zum 30. Bestehen der Narrenzunft Ulm. Damals kam Corona dazwischen. Jetzt hat die Zunft einen neuen Anlass für das Event gefunden: das 33. Jubiläum.
Umfangreiches Sicherheitskonzept
Das Sicherheitskonzept machte einen großen Teil der Planung aus, erzählt Wies. Nach dem Anschlag auf den Weihnachtsmarkt in Magdeburg mussten die Ulmer Organisatoren ihr Konzept noch einmal überarbeiten. So wurden Veranstaltungen des "Ulm-Bebens" am Samstag vom Hans-und-Sophie-Scholl-Platz in der Neuen Mitte auf den benachbarten Marktplatz verlegt. Denn dieser, so eine Sprecherin der Stadt Ulm, lässt sich sichern, der ursprüngliche angedachte Platz zwischen Bus- und Fahrzeugspuren jedoch nicht.
"Es soll alles so sicher wie möglich sein für Besucher und Teilnehmer", sagt Wies. Die Narrenzunft arbeitet mit einer Ulmer Sicherheitsfirma zusammen, die auch andere große Veranstaltungen wie das Nabada betreut. Insgesamt sind, über das Wochenende verteilt, über 100 Sicherheitskräfte in der Innenstadt aktiv. Diese werden unterstützt durch die Polizei, die Feuerwehr und das Rote Kreuz.
Für uns ist das wie Olympia.
Rund 270 Mitglieder der Zunft arbeiten für den Erfolg des Treffens ehrenamtlich mit. Von Mittwoch, an dem die Zelte aufgebaut werden, bis Montag, an dem sie wieder abgebaut werden. Befreundete Zünfte greifen ihnen dabei unter die Arme.
"Für uns ist das wie Olympia. Man bereitet sich drauf vor, man freut sich unheimlich, sagt, wir sind mittendrin, wir sind Gastgeber. Es ist wirklich eine Riesenehre für uns", sagt Gerhard Wies. Eine Besonderheit des Ringtreffens ist dessen Umfang und Länge. "Darauf warten die Zünfte voller Vorfreude."
50.000 Zuschauerinnen und Zuschauer in Ulm erwartet
Der Zunftmeister erwartet 50.000 bis 60.000 Besucherinnen und Besucher über das ganze Wochenende verteilt. Und sogar Menschen, die nicht kommen können, wollen mitfeiern. Zum Beispiel ein 90-jähriger Ulmer, der in Osnabrück lebt - der hat die Zunft nämlich um ein Plakat gebeten. Das will er unbedingt in sein Wohnzimmer hängen.