Der Batteriehersteller VARTA mit Sitz in Ellwangen (Ostalbkreis) stellt die Produktion von Knopfzellen im bayerischen Nördlingen (Kreis Donau-Ries) ein. Wie das Unternehmen mitteilte, hat der Hauptkunde den Auftrag für eine neue Produktreihe nicht an VARTA Microbattery vergeben. Damit entfalle für die hochspezialisierte Produktionseinheit in Nördlingen die wirtschaftliche Grundlage.
Beschäftigte wurden am Dienstag informiert
Betroffen sind 350 Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen. Sie wurden am Dienstag in einer Betriebsversammlung informiert. Bei dem wichtigen Hauptkunden für die "CoinPower-Zellen" handelt es sich nach Medieninformationen um Apple. Die wiederaufladbaren Knopfzellen werden für Kopfhörer gebaut. Das Werk in Nördlingen hatte die Produktion im Oktober 2019 aufgenommen.
Leidtragende sind allen voran unsere Mitarbeitenden vor Ort, die diese Entwicklung nicht zu vertreten haben.
Die Entscheidung des großen Kunden habe einschneidende Konsequenzen, so VARTA-Chef Michael Ostermann. Leidtragende seien die Mitarbeitenden, die diese Entwicklung aber nicht zu verantworten hätten. Die nächsten Schritte sollen gemeinsam, fair und verantwortungsvoll gestaltet werden.
Stellen fallen in Nördlingen und Ellwangen weg
Nach Angaben eines Unternehmenssprechers fallen Stellen in Nördlingen wie auch in Ellwangen weg. Am Hauptsitz des Unternehmens sei die Verwaltung betroffen, sowie Bereiche, die Vorprodukte für das Werk in Nördlingen erstellten. Der Vertrag laufe Ende Oktober aus, bis dahin werde produziert, so der Unternehmenssprecher.
Unternehmen in der Krise Droht Varta die endgültige Zerschlagung? Was das für das Unternehmen und die Mitarbeiter bedeuten würde
Varta soll offenbar komplett zerschlagen werden: Das Haushaltsbatterie-Geschäft soll herausgelöst werden, für den Rest wird ein Käufer gesucht. Was heißt das für Werke und Jobs?
Wiederaufladbare Batterien bleiben auch nach diesem Rückschlag zentraler Bestandteil der Ausrichtung von VARTA, hieß es weiter. Am Standort Nördlingen bleibt die Firma V4Smart, die mehrheitlich der Porsche AG gehört. Dort werden Lithium-Ionen-Akku-Rundzellen gefertigt. VARTA hat derzeit weltweit 3.500 Beschäftigte.
Scharfe Kritik der IG Metall am Management
Die IG Metall Augsburg reagiert am Dienstag mit einer scharfen Kritik auf die Ankündigung von VARTA. Die Schließung der Produktion sei ein Schlag ins Gesicht der Beschäftigten. Schon Ende 2025 seien mehrere hundert Arbeitsplätze abgebaut worden. Heute wie damals sei eine riskante Strategie der Grund dafür: Die Abhängigkeit von einem Großkunden.
Die geplante Schließung der VARTA Micro Production in Nördlingen ist ein Schlag ins Gesicht der Beschäftigten.
Die Gewerkschaft habe nach eigenen Angaben früh vor dem Vorgehen gewarnt und sei nicht gehört worden. Nun fordert die IG Metall unter anderem eine "ernsthafte Prüfung aller Alternativen zu einer Schließung" und auch verbindliche Perspektiven für eine Weiterbeschäftigung.