Der Schritt von der Theorie zur Praxis ist für angehende Ärztinnen und Ärzte groß. Es ist unerlässlich, eine wichtige Behandlung üben zu können. Der Schockraum in einer Notaufnahme ist da ein ganz besonderer Ort. Es ist der Raum, in dem Schwerstverletzte eintreffen. Hier entscheiden Ärztinnen und Ärzte, wie die Erstbehandlung aussehen muss. Oft unter großem Zeitdruck. Das können angehende Mediziner nun wie in einem Computerspiel üben.
Leeres Krankenzimmer wird zum virtuellen Schockraum
Der Ort ist am Universitätsklinikum Ulm: Ein fast leeres Krankenzimmer, in einer Ecke stehen Computer. Über Bildschirme an der Wand können die Beobachter sehen, was die Studentinnen und Studenten mit ihren VR-Brillen sehen: Ultraschallbilder, Apparate, Medikamente und auch den Patienten. So können Medizinstudenten der höheren Semester den Schockraum einer Notaufnahme erleben.
Studierende kommen selten in einen echten Schockraum
Es ist etwas besonderes, sagt Marie Mücke. Sie studiert Medizin im neunten Semester an der Uni Ulm. "Normalerweise kennen wir das eigentlich gar nicht, wie es wirklich im Schockraum abläuft. Weil wir in Praktika häufig gar nicht von Ärzten oder Ärztinnen mitgenommen werden, dorthin. Wir können als Studierende nicht wahnsinnig viel helfen, gar nicht wissen, was da passiert. Und deswegen ist so ein Training wie hier eine super Vorbereitung, damit wir wenigstens mal die Abläufe gesehen haben."
Normalerweise kennen wir das eigentlich gar nicht, wie es wirklich im Schockraum abläuft, weil wir in Praktika häufig gar nicht von Ärzten oder Ärztinnen mitgenommen werden.
Übung am Computer: Einen verunglückten Motorradfahrer behandeln
Bei der Übung der angehenden Mediziner handelt es sich um einen schweren Motorradunfall. Ein Verletzter wird eingeliefert. Im virtuellen Schockraum klappt jede Infusion, Intubation oder Spritze sofort. Aber das steht hier nicht im Vordergrund. Viel wichtiger ist, wie verschiedene Ärztinnen und Ärzte zusammenarbeiten, wie miteinander gesprochen wird und worüber.
Ab dem kommenden Wintersemester ist der virtuelle Schockraum fester Bestandteil des Lehrplans für die höheren Semester. Danach können sie im Trainingskrankenhaus TTU Notfallszenarien im Schockraum mit Puppen nachstellen. Die Trainingsmöglichkeiten mit Puppen sind aber begrenzt, während im virtuellen Schockraum alles möglich ist.
"Stellen Sie sich vor, Sie haben wirklich einen schweren Verkehrsunfall, möglicherweise auch mit Verlust von Extremitäten. Diese Dinge, die können Sie auch nicht, sage ich mal, mit einer Puppe üben, sondern hier hilft uns nun ein so genanntes virtuelles Schockraumszenario", erklärt Tobias Böckers, Studiendekan Medizin der Universität Ulm.
Ärztinnen und Ärzte können im virtuellen Schockraum seltene Fälle üben
"Wir wissen natürlich, dass besonders Extremsituationen selten vorkommen. Also möchten wir dies virtuell proben, damit im Ernstfall der Patient davon in bester Weise profitiert", so Böckers weiter. Denkbar ist, dass nicht nur die Studenten und Studentinnen der Uni Ulm, sondern auch der anderen Universitäten wie Heidelberg und Tübingen im Ulmer Schockraum üben. Dafür müssten sie nicht einmal nach Ulm fahren. Auch Ärzte könnten in diesem virtuellen Rahmen seltene Notfälle üben, sagt Böckers.
Arbeiten unter Stress wenigstens am Computer üben
Marie Mücke und ihre Kommilitonen sagen, der virtuelle Schockraum sei eine einmalige und großartige Sache. Das Üben dort macht irgendwie Spaß, ist spannend und doch auch ernst und sinnvoll. "Es ist auch erleichternd, es einfach mal gemacht zu haben in virtueller Realität", meint Jutta Karmann. Carmen Maier ergänzt, "Wir sind froh um jedes Training. Man hat so auch ein bisschen die Möglichkeit, seinen Stresspegel in die Richtung des realen Stresses anzupassen."