Der Weihnachtsbaum auf dem Ulmer Münsterplatz, im Zentrum des Weihnachtsmarktes - bisher kam er immer aus Ulm oder Umgebung. Dieses Jahr dagegen hat er gut 120 Kilometer Anfahrt hinter sich. Der Baum ist ein waschechter Bayer und kommt aus Schrobenhausen-Königslachen - das liegt zwischen Augsburg und Ingolstadt.
Der Grund dafür ist einfach: In Ulm und um Ulm herum gab es keinen geeigneten Nadelbaum. Denn der Baum für den prominenten Platz vor dem Ulmer Münster muss nicht nur hoch, sondern auch gut gewachsen sein. So wie die kleinen Exemplare in den Wohnzimmern auch.
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Deswegen gibt es in Ulm offenbar keinen geeigneten Baum
In den Ulmer Wäldern gibt es zwar genügend Bäume, die hoch genug sind, aber untenrum sind sie ziemlich kahl. Denn im Wald stehen sie dicht an dicht. Daher kamen auch in den vergangenen Jahren die Weihnachtsbäume aus Gärten, wo sie freistehen konnten. Vom Ulmer Eselsberg beispielsweise, aus Gögglingen-Donaustetten, vom Klosterhof in Söflingen oder aus Kleingartenanlagen.
Dieses Jahr ist es ein Garten in Bayern, genauer gesagt: Schrobenhausen-Königslachen. Die drei Tonnen schwere Nordmanntanne ist 15,50 Meter hoch gewachsen und hat eine Breite von etwa sechs Metern. Gefunden hat den Baum eine Gärtnerei aus der Gegend. Die sucht nach geeigneten Bäumen und fragt die Besitzer an, ob sie ihren Baum für die weihnachtliche Stimmung in den Städten hergeben. Dieses Jahr stehen zum Beispiel auch in Landshut, Landsberg und in Straubing Weihnachtsbäume, die Geschäftsführer Sebastian Fahn und seine Kollegen entdeckt haben.
Der Baum für Ulm stand im Garten von Bernhard Schmidl. Er und seine Tochter Maria schauen am Mittwochvormittag zu, wie ihre Nordmanntanne gefällt wird. Sie haben den Ulmer Weihnachtsbaum gestiftet, im Gegenzug dafür fällt die Gärtnerei mit Hilfe des Krans zwei weitere große Bäume, die nicht so einfach zu fällen waren. "Voriges Jahr kam die Firma vorbei und hat gefragt, ob sie den Baum dieses Jahr haben können", erzählt Bernhard Schmidl. Für den Garten ist der Baum inzwischen einfach zu groß geworden.
"Wir sind drauf spezialisiert, große Bäume einzupacken, auf eine Transportbreite von drei Metern", erklärt Fahn. Den riesigen Baum so dünn zu machen, das sei die eigentliche Schwierigkeit. Der Baum wird in ein Netz eingepackt, bevor er gefällt wird. Dafür steht schon am Morgen ein Kran bereit. Der verlädt den gefällten Baum auf den Lastwagen, dann geht er auf seine letzte Reise.
Ulmer Freiwillige Feuerwehr schmückt den Weihnachtsbaum
In den Jahren zuvor hatte die Ulmer Feuerwehr den Transport und das Aufstellen übernommen. Dieses Jahr war sie da nicht dabei. Allerdings: Das Aufhängen der Lichter übernahm an zwei Abenden die Freiwillige Feuerwehr, Abteilung Innenstadt. So richtig schön leuchten wird der Weihnachtsbaum mit seinen rund 16.000 Lämpchen aber erst mit der Eröffnung des Weihnachtsmarkts am 24. November.
In zwei oder drei Jahren könnte vielleicht wieder ein Ulmer Baum auf dem Münsterplatz stehen. Es gebe noch geeignete, sagt Jürgen Eilts. Er ist der Geschäftsführer der Ulm Messe, die den Weihnachtsmarkt organisiert und somit auch den Weihnachtsbaum. Aber die geeigneten Bäume seien immer rarer, weil es weniger Gärten gebe und die Stadt immer dichter bebaut werde.