Die rechtsextremistische Szene in Baden-Württemberg ist laut Verfassungsschutzbericht 2025 auf einen neuen Höchststand von rund 3.790 Personen angestiegen. 2024 waren es noch 3.140. Unter den jetzt identifizierten seien 800 gewaltbereite Personen. Die Zahl der rechtsextremistisch motivierten Gewalttaten ist laut Bericht 2025 deutlich angestiegen: auf 97 Fälle. Im Vorjahr waren es noch 54.
Anstieg vor allem bei jungen Menschen
Auffällig: Die Szene habe sich verjüngt, vermeldet das Landesamt. Als Erklärung führt Verfassungsschutzpräsidentin Beate Bube an, dass rechtsextremistische Gruppierungen in den Sozialen Medien sehr aktiv seien, die wiederum von jungen Menschen besonders intensiv konsumiert würden. "Insoweit fallen entsprechende Werbekampagnen auf fruchtbaren Boden", so Bube. "Und dann sind junge Menschen, die in einer Zeit der Verunsicherung groß werden, auch geneigt, klare Welt- und Rollenbilder, einfache Botschaften aufzugreifen. Auch ein typisches Muster von Extremisten."
Die AfD Baden-Württemberg beobachtet der Landesverfassungsschutz als Verdachtsfall. Von den etwa 8.600 Mitgliedern der AfD im Land schätzt die Behörde etwa 1.700 Personen als extremistisch ein.
Linksextremistische Gruppen fallen durch Sabotageaktionen auf
2.730 Personen rechnete das Landesamt für Verfassungsschutz 2025 der linksextremistischen Szene zu - damit befindet sich die Szene weiter auf dem Niveau von 2024 (2.700 Personen). Als gewaltbereit werden 880 Personen eingestuft.
Die Anzahl linksextremistisch motivierter Gewalttaten hat sich laut Bericht auf 49 erhöht. Im Vorjahr waren es 34 Fälle. Zusätzlich seien linksextremistische Gruppen durch Sabotage- und Störaktionen aufgefallen, darunter der Brandanschlag auf ein Tesla-Auslieferungszentrum in Holzgerlingen (Kreis Böblingen).
Auch in weiteren extremistischen Bereichen - bei sogenannten Reichsbürgern und Selbstverwaltern und bei religiösen Ideologien - sei ein klarer Zuwachs zu verzeichnen, erläutert Landesinnenminister Manuel Hagel (CDU). Dazu kommen laut Bericht extremistische Gruppen mit Auslandsbezug, wie zum Beispiel türkischer Rechtsextremismus oder kurdischer Extremismus. Hagel fasst das Problem so zusammen: "Das heißt, wir haben insgesamt Extremisten bei uns im Land in der Anzahl einer großen Kreisstadt." In Summe gebe es rund 20.500 extremistische Personen in Baden-Württemberg.
"Wegwerfagenten" erkunden Bomben-Transportwege
Eine weitere Bedrohung sieht der Verfassungsschutzbericht in sogenannten Low-Level-Agents oder auch "Wegwerfagenten", die zum Beispiel Russland einsetze. Die mutmaßliche Planung von Sabotageakten habe der Landesverfassungsschutz aber 2025 stoppen können, sagte Hagel. Als Beispiel für diese Form des Extremismus nennt die Verfassungsschutzpräsidentin einen Fall, der derzeit in Stuttgart verhandelt wird. Sogenannte Wegwerfagenten sollen Transportwege für Paketbomben erkundet haben.
Für solche Aufgaben, erläutert Bube, würden zum Beispiel Personen aus kriminellen Milieus angeworben, "die vielfach gar nicht wissen, wer dahinter steckt, wer ihr eigentlicher Auftraggeber ist."
Das Landesamt für Verfassungsschutz habe auch Desinformationskampagnen im Zusammenhang mit der Landtagswahl 2026 beobachtet und regelmäßig ein Lagebild erstellt. Um solche Kampagnen zu bekämpfen hat die Landesregierung laut Hagel eine "Taskforce Desinformation" eingerichtet.