Tierschützer fordern strengere Regeln für Händler

Was unternimmt das Land gegen die "Hundemafia"?

Stichprobenartig werden immer wieder Transporte mit Welpen aus Osteuropa gestoppt - einheitliche Kontrollen gibt es nicht. Tierschützer fordern mehr Transparenz im Online-Handel.

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Von Autor/in Levin Horst

Wer heute einen Dackel, Pudel oder Mops sucht, wird im Internet schnell fündig. Nur wenige Klicks trennen Interessierte vom Wunschhund. Oft wissen Käuferinnen und Käufer jedoch nicht, woher das Tier eigentlich stammt - und unterstützen damit unwissentlich eine "Mafia, die Tiere auf schlimmste Weise ausbeutet und quält", sagt die Tierschutzorganisation PETA.

Für die bestellten Junghunde beginnt eine Reise quer durch Europa: Aus sogenannten "Welpenfabriken" in osteuropäischen Ländern werden die viel zu jungen Hunde unter teils miserablen Bedingungen transportiert. Darauf verweist der Deutsche Tierschutzbund. Viele dieser Transporte bleiben unentdeckt. Erst kürzlich stoppte die Polizei auf der A6 bei Sinsheim einen rumänischen Transporter mit neun Dackelwelpen auf dem Weg nach Paris. Tierschützer bemängeln, dass der Heimtiermarkt in Baden-Württemberg kaum reglementiert ist. Die EU will reagieren.

Tierschutzorganisation "VIER PFOTEN": Baden-Württemberg unter den Top-3-Bundesländer für illegalen Welpenhandel

Schätzungen der Tierschutzorganisation "VIER PFOTEN" zufolge hat Deutschland im Jahr einen Bedarf an knapp einer Million Hunde. Rund 80 Prozent der angebotenen Tiere stammten aus nicht nachvollziehbaren Quellen - ein Einfallstor für kriminell agierende Akteure. 2025 wurden laut "VIER PFOTEN"-Report 737 Tiere aus dem illegalen Handel sichergestellt, darunter 631 Hunde und 106 Katzen. Rund 86 Prozent davon waren für den Verkauf in Deutschland bestimmt, der Rest für den Weitertransport in andere EU-Staaten.

Baden-Württemberg zählt demnach mit 11,1 Prozent der Fälle nach Bayern und NRW zu den besonders betroffenen Bundesländern. Die Zahlen der Organisation basieren überwiegend auf Presseberichten - die Dunkelziffer dürfte deutlich höher liegen.

Unregulierter Online-Handel: Tierschützer fordern eine Identitätsprüfung

"Über 60 Prozent der Tierverkäufe laufen in der EU mittlerweile über Onlineportale ab", sagt die Tierschutzorganisation PETA. Häufig stammten sie aus inakzeptablen Zuchtbedingungen und von unserösen Züchtern, so das Landesministerium für Ernährung und Ländlichen Raum. Die Behörden stellen laut Ministerium regelmäßig Verstöße und Betrugsfälle fest: Welpen werden zu früh von der Mutter getrennt, sind noch nicht impffähig oder verfügen über gefälschte Heimtierausweise.

Der illegale Handel mit Hunden und Katzen ist ein lukratives Geschäft und mit mafiösen Strukturen zu vergleichen, ähnlich wie der Drogen- und Waffenhandel, jedoch mit geringen Strafen.

"VIER PFOTEN" bemängelt, dass der Heimtiermarkt in Deutschland kaum reglementiert ist. Dazu gehörten sowohl eine fehlende Kennzeichnungs- und Registrierungspflicht der Welpen als auch eine fehlende verpflichtende Identitätsprüfung im Internet, wie es zum Beispiel in Österreich der Fall ist. Hier dürfen Tiere nur online verkauft werden, wenn die Verkäufer eine amtliche Genehmigung besitzen. Für die Landestierschutzbeauftragte Julia Stubenbord wäre die Identitätsprüfung eine "zentrale Maßnahme zur Bekämpfung des illegalen Welpenhandels", da man zum Beispiel anonyme Anbieter besser zurückverfolgen könnte. Eine solche Regelung werde schon lange gesetzlich gefordert und von manchen Plattformen auch freiwillig umgesetzt. PETA fordert dagegen ein generelles Tierverkaufsverbot von Privatpersonen auf Onlineportalen.

Die EU hat dazu einen Verordnungsentwurf erarbeitet. Dieser soll Rückverfolgbarkeit ermöglichen und tierschutzrechtliche Mindeststandards für Züchter und Händler von Hunden und Katzen vorschreiben. Ende April soll dazu eine Lesung im EU-Parlament stattfinden und bis Sommer 2026 verabschiedet und veröffentlicht werden, so das Ministerium für Ländlichen Raum. Im Rahmen dieser Umsetzung müssten auf Bundesebene neue Sanktionen geprüft und umgesetzt werden.

Illegaler Welpenhandel auf den Straßen: Nur stichprobenartige Kontrollen

Neben dem unregulierten Online-Handel tragen auch mangelnde Kontrollen zum anhaltenden illegalen Welpenhandel bei: Systematische Kontrollen finden laut Ministerium vor allem an den Außengrenzen der EU statt - an der Grenze zur Schweiz jedoch nicht, da sie im Veterinärbereich der Mitgliedstaaten der EU gleichgestellt ist.

Innerhalb des EU-Binnenmarktes finden stichprobenartige Kontrollen im Straßenverkehr statt.

Zwar führen laut Ministerium die Polizei und Veterinärbehörden jährlich abgestimmte Sonderkontrollen durch, doch illegale Transporte seien schwer zu erkennen: Sie fahren meist in unauffälligen Privatfahrzeugen oder Kleintransportern, Übergaben erfolgen häufig auf Parkplätzen oder Privatgelände, sagt das Ministerium. Verlässliche Fallzahlen, wie der Erhebung von "VIER PFOTEN" liegen dem Ministerium dazu nicht vor.

Stubenbord erwähnt, dass zur Eindämmung des illegalen Welpenhandels deutlich mehr getan werden müsse: Dazu zählen ein Verkaufsverbot von Heimtieren auf öffentlichen Flächen oder ein Importverbot von Qualzuchten. Auch strengere Strafen sollen das Geschäft unattraktiv machen. Dem Bundesland seien jedoch Grenzen gesetzt, da viele Regelungen auf Bundesebene entschieden werden. Die bereits 2024 geplante Novelle des Tierschutzgesetzes, die schärfere Regelungen für den Handel beinhaltete, lässt nach dem Bruch der Ampel-Koalition weiter auf sich warten. Hoffnung setzt Stubenbord auf die oben genannte EU-Regelung, die den Handel transparenter machen könnte.

Was unternehmen BW, Bund und EU gegen illegalen Welpenhandel?

In der EU wurde bereits 2024 laut Ministerium für Ländlichen Raum das Netzwerk "Pet Animals Network" (PAN) zur "schnellen Informationsweitergabe bei Verstößen im Bereich Heimtiertransport eingerichtet". Außerdem gebe es bald eine gemeinsame Recherchestelle der Bundesländer, die laut Ministerium in diesem Jahr ihre Arbeit aufnehmen werde.

In Baden-Württemberg gibt es seit 2023 eine entsprechende Stelle bei der Stabsstelle Tiergesundheit, Tierschutz und Verbraucherschutz (STV-Tsch) im Regierungspräsidium Tübingen, welche landesweit für die Beobachtung des Online- Handels mit Tieren zuständig ist, erwähnt das Ministerium. Ergänzend setzt das Land stark auf Aufklärung: Potenzielle Käufer sollen durch Informationsangebote und Tierschutzbildung, etwa in Schulen, zu verantwortungsvollen Kaufentscheidungen befähigt werden.

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