US-Sonderzölle verschoben

Trumps US-Zollpolitik verunsichert Unternehmen in Baden-Württemberg

Mitte der Woche hätten US-Sonderzölle in Kraft treten sollen, dann hatte Präsident Trump sie noch einmal verschoben. Unternehmen in BW wissen nicht, was auf sie zukommt.

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Von Autor/in Stephanie Geißler

Kommen die von den USA angedrohten Sonderzölle? Und wenn ja, wie hoch werden sie ausfallen? Es ist ein unangenehmer Schwebezustand, den US-Präsident Donald Trump der Wirtschaft weltweit seit Monaten zumutet. Gerade erst haben die USA die Frist ein weiteres Mal verlängert: Die angedrohten Sonderzölle sollen am 1. August in Kraft treten, wenn bis dahin keine Lösung am Verhandlungstisch gefunden wurde. Die Politik bekommt dadurch mehr Zeit, für die Wirtschaft verlängert sich jedoch die Phase der Unsicherheit.

Unternehmen aus BW halten am US-Markt fest

Susanne Herre, die Hauptgeschäftsführerin der IHK Stuttgart, war kürzlich auf Delegationsreise in den USA. Sie traf dort Vertreterinnen und Vertreter deutscher Unternehmen und war überrascht, wie unverdrossen sich viele Firmen zeigen, trotz Trumps Zollhängepartie. "Sie haben uns klar gesagt: We believe in the US market. Und wir sollen diese Botschaft auch mit nach Deutschland nehmen."

Die deutschen Unternehmen glauben weiterhin an den amerikanischen Markt, vor allem diejenigen, die bereits seit langer Zeit Zweigstellen oder Tochterfirmen in den USA haben: zum Beispiel der Lasertechnikspezialist Trumpf aus Ditzingen (Kreis Ludwigsburg), der auf Schrauben und Montagematerial spezialisierte Handelskonzern Würth aus Künzelsau (Hohenlohekreis) oder der Chemieriese BASF aus Ludwigshafen (Rheinland-Pfalz). Aus deren Sicht sei der US-Markt trotz allem nach wie vor enorm attraktiv, hat sich Susanne Herre sagen lassen. Er habe Wachstumspotenzial, sei innovationsfreundlich - und der beste Standort weltweit für Forschung und Entwicklung.

Baden-Württembergische Unternehmer denken langfristig

Diese Markttreue der deutschen Firmen rühre unter anderem von einer typischen Grundhaltung her, die sie vor allem bei mittelständischen Unternehmen beobachte, sagt Susanne Herre. Man denke nicht in kurzfristiger Politik, sondern in Generationen.

Susanne Herre, Hauptgeschäftsführerin der Industrie- und Handelskammer (IHK) Region Stuttgart
Dr. Susanne Herre, Hauptgeschäftsführerin der Industrie- und Handelskammer (IHK) Region Stuttgart

Gerade mittelständische und familiengeführte Unternehmen wie Würth oder Trumpf sind ja auch sehr standorttreue Firmen in Deutschland. Und ich glaube, diesen Spirit haben sie auch mit in die USA genommen und deswegen auch - trotz dieser momentanen Schwierigkeiten - das große Bekenntnis zu diesem Markt.

Trumps Zölle belasten bereits das US-Geschäft

Grundsätzlich sieht das auch Marius Westermann so, Geschäftsführer der Firma Sensopart mit Sitz in Gottenheim bei Freiburg. Wie viele andere hält auch SensoPart am US-Geschäft fest. "Der Markt ist wichtig für uns. Wir glauben an den Markt!" betont Westermann. Und dennoch, seit Januar sind die Umsatzverluste seines Unternehmens auf dem US-Markt hoch. SensoPart beliefert Autobauer mit Sensorik für die Produktion. Das Unternehmen hat eine Tochterfirma in Detroit.

Seit Trump Anfang des Jahres pauschal einen Basiszoll von 10 Prozent verhängt hat, schlägt Westermann diesen Satz auf seine Preise drauf. Bald könnten die Zölle noch einmal steigen.

Im BW-Wirtschaftsministerium war man angesichts von Trumps Zollpolitik schon bei deren Ankündigung Ende März besorgt:

Unternehmen wünschen sich Planungssicherheit

Doch egal, ob es beim Basiszoll bleibt oder noch weitere Aufschläge hinzukommen: Was sich Westermann am sehnlichsten wünscht, sei Klarheit und Berechenbarkeit, sagt er. Vor allem für seine Großkunden wie Mercedes oder BMW, von denen sein Geschäft abhänge. "Wir wollen einfach nur wieder Planungssicherheit, weil wir glauben, mit der Planungssicherheit werden auch wieder die Aufträge kommen", sagt Westermann. Viele der Aufträge lägen aktuell auf Eis. Wenn sie wieder praktisch umgesetzt werden könnten, dann würde es SensoPart auch wieder besser gehen am amerikanischen Markt, so Westermann.

Diese Erkenntnis hat IHK-Geschäftsführerin Susanne Herre auch aus den Gesprächen in Washington und New York mitgenommen. Solange es keine Klarheit gebe, werden Investitionen in den USA auf Eis gelegt. Damit scheint die Rechnung der US-Regierung nicht aufzugehen. Die Amerikaner wollen mit den Zöllen unter anderem erzwingen, dass ausländische Firmen mehr in den USA investieren.

Pharma-Firmen investieren weiter in Amerika

Eine Ausnahme sei jedoch die Pharma-Branche, berichtet Herre. Dort werde auch jetzt noch investiert, trotz der großen Unklarheit. Herre vermutet, dass das an den insgesamt sehr guten Bedingungen liegen könnte, die die Pharma-Branche für sich in den USA sieht. Gerade für Forschung und Entwicklung seien die USA ein idealer Standort - im Gegensatz zu Deutschland oder Europa, wo es diesbezüglich viele Restriktionen gebe.

Die gute Stimmung in der Branche könnte allerdings auch damit zu tun haben, dass Pharmaprodukte bislang von den Sonderzöllen ausgenommen sind. Ob das so bleibt, ist jedoch ungewiss. Gerade erst hat US-Präsident Trump gedroht, dass Arzneimittel mit Aufschlägen von 200 Prozent belegt werden könnten.

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Geli Hensolt diskutiert mit
Prof. Dr. Reint E. Gropp, Präsident des Leibniz-Instituts für Wirtschaftsforschung Halle
Hannes Koch, freier Wirtschaftskorrespondent
Sonja Álvarez Sobreviela, WirtschaftsWoche

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Autor/in
Stephanie Geißler
Onlinefassung
Tamara Land
Tamara Land, SWR Wirtschaftsredaktion