Noch mehr Verkehr durch autonomes Fahren?

BW-Verkehrsminister Hermann gegen selbstfahrende Autos für alle

Die Entwicklung selbstfahrender Autos schreitet vor allem in den USA und in China voran. In Deutschland gibt es Pilotprojekte. Der grüne Verkehrsminister will die Technik lieber nur für Busse und S-Bahnen.

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Von Autor/in Henning Otte

Grüner Verkehrsminister: Weniger Autos, mehr Vernunft I Zur Sache! Intensiv

Baden-Württembergs Verkehrsminister Winfried Hermann (Grüne) hat sich gegen die massenhafte Zulassung von selbstfahrenden Autos auf deutschen Straßen ausgesprochen. Der Grünen-Politiker sagte im SWR-Videopodcast "Zur Sache! intensiv": "Ich bin kein Fan, dass alle Autos autonom fahren." Dadurch würde es noch mehr Fahrzeuge auf den Straßen geben.

Wenn die Autos autonom fahren, dann können Sie ihr Kind allein mit dem Auto in den Kindergarten fahren lassen. Und anschließend fährt das Auto leer zurück. Das heißt, die Fahrten werden eher zunehmen, weil es Leerfahrten gibt.

Grünen-Minister für selbstfahrende Landbusse und S-Bahnen

Hermann befürchtet auch eine Zunahme an Verkehr, weil dann theoretisch nicht nur über 18-Jährige das Auto benutzen könnten. "Ich bin dafür, dass Autos intelligenter genutzt werden, dass ein kollektiver Nutzen entsteht." Der Grünen-Politiker ist dafür, "dass wir für den öffentlichen Verkehr diese Technik nutzen können". Zum Beispiel könnte man sie in Bussen einsetzen, um den ländlichen Raum besser zu versorgen, denn es fehlen viele Busfahrerinnen und -fahrer. Auch die S-Bahn könne einen engeren Takt mit der Technik fahren.

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Hermann widerspricht Habeck beim autonomen Fahren

Hermann stellt sich damit gegen seinen Parteifreund Robert Habeck, der im Herbst in seiner Funktion als Bundeswirtschaftsminister gesagt hatte: "Die Zukunft des Fahrens wird autonom sein." Sein Ministerium sagte finanzielle Unterstützung für die Entwicklung autonomer Fahrzeugsysteme zu. Das Geld ist aus Sicht deutscher Automobilhersteller dringend nötig - schließlich sind die Konkurrenten aus China und den USA weit voraus.

Aber wie ist die gesetzliche Lage in Deutschland? Seit 2021 gibt es ein Gesetz, wonach vollständig autonome Fahrzeuge in Deutschland grundsätzlich am Straßenverkehr teilnehmen dürfen. Doch wie genau das dann aussehen soll, ist noch nicht klar, denn die Technik ist hochkomplex.

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Hermann: "Wir haben zu viele Autos"

Hermann zeigte sich überzeugt: "Wir haben zu viele Autos, die nehmen zu viel Platz weg, die kosten zu viel Ressourcen, die schädigen zu sehr das Klima. Deswegen müssen wir insgesamt runterkommen vom Autoverkehr in der heutigen Form." Tatsächlich ist die Zahl der Autos auf den Straßen im Land in der Regierungszeit von Hermann und des grünen Ministerpräsidenten Winfried Kretschmann von 2011 bis 2024 von gut 7 Millionen auf knapp 8,6 Millionen gestiegen. Das zeigen Zahlen des Statistischen Landesamts. Danach hatten 2024 knapp 715.000 Pkw einen alternativen Antrieb. Der Anteil der Hybrid-Autos lag bei 6,4 Prozent, der der E-Autos bei 3,3 Prozent.

Verkehrsminister macht Druck: Umsteigen auf E-Auto

Der Verkehrsminister im Autoland Baden-Württemberg hätte sich gewünscht, dass viel mehr Menschen schneller auf emissionsfreie E-Autos umsteigen. "Da müssen alle mittun, natürlich auch die Konsumenten. Wenn ich dann manchmal höre: 'Ich fahre lieber meinen alten Diesel, das ist doch viel umweltfreundlicher, weil da brauche ich kein neues Material und so weiter.' Das ist natürlich fürs Klima schädlich." Diesel und Benziner hinterließen nun mal den größten negativen Fußabdruck beim Klima im Betrieb und nicht in der Produktion.

BW-Verkehrsminister Winfried Hermann (Grüne) im Jahr 2019 bei der Vorstellung eines selbstfahrenden Kleinbusses. Seiner Ansicht nach sollte sich die Technik des autonomen Fahrens auf den öffentlichen Nahverkehr beschränken.
BW-Verkehrsminister Winfried Hermann (Grüne) im Jahr 2019 bei der Vorstellung eines selbstfahrenden Kleinbusses. Seiner Ansicht nach sollte sich die Technik des autonomen Fahrens auf den öffentlichen Nahverkehr beschränken.

Hermann wünscht sich Abkehr von Auto-Liebe

Er sei nicht grundsätzlich gegen das Auto. "Ich will nur ein anderes Auto." Hermann wünscht sich aber auch, dass mehr Menschen ihre Liebe zum Auto überdenken. Auch er habe seinen Führerschein damals kurz vor seinem 18. Geburtstag gemacht, um keinen Tag zu verlieren. "Irgendwann habe ich mich von dieser libidinösen (Anm. d. Red. Begriff aus der Psychologie, auf die Libido bezogen) Beziehung gelöst und ein bisschen rationales Verhältnis zum Fahrzeug entwickelt. Das würde ich manch anderem auch wünschen, mal darüber nachzudenken, ob er so ein libidinöses Verhältnis zum Fahrzeug braucht."

Irgendwann habe ich mich von dieser libidinösen Beziehung gelöst und ein bisschen rationales Verhältnis zum Fahrzeug entwickelt.

Weitere Job-Verlagerung bei Auto-Fertigung befürchtet

Er fühle sich auch für die Automobilwirtschaft in Baden-Württemberg verantwortlich, denn schließlich hingen auch viele Arbeitsplätze am Erfolg des Autos. Dennoch geht der Grünen-Politiker davon aus, dass perspektivisch nur noch Teile der Wertschöpfungskette im Land bleiben wird. Hermann sagte, man könne dauerhaft wohl nur "werthaltige Elemente" wie Entwicklung, Konzeption und Design im Land halten. Zuletzt hatten Autokonzerne wie Mercedes angekündigt, tausende Jobs in der Fertigung aus Kostengründen nach Ungarn zu verlagern. Die Politik in BW müsse daraus lernen, so Hermann. "Wohlstand sollte nicht allein am Automobil hängen, sondern an mehreren Branchen."

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