Wenn Millionen von Maikäfern gleichzeitig unterwegs sind, dann kann es zu einer "apokalyptischen Situation" kommen. So beschreibt Bernd Petri vom Naturschutzbund (Nabu) Hessen die Situation auf der A67 im Jahr 2022, als das letzte Massenflugjahr der dortigen Maikäfer war. "Die etwa zweieinhalb Zentimeter großen Käfer klatschten an die Scheibe", teilweise sei nur Schrittgeschwindigkeit möglich gewesen.
So oder so ähnlich könnte es zumindest im südlichen Hessen bei Darmstadt und Groß-Gerau in den kommenden Tagen wieder aussehen: Rund eine halbe Milliarde der Tiere dürften sich dort aus dem Boden graben. Vor allem in der Dämmerung sieht man die Tiere dann zu zehntausenden über Wälder und Wiesen fliegen - oder über Autobahnen.
Maikäfer-Massenflüge nur alle paar Jahre
Ein paar der hessischen Maikäfer könnten sich auch in den Südwesten verirren, aber in Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz stehen erst im nächsten und übernächsten Jahr wieder große Maikäferflüge an. Die meisten stecken derzeit noch als Larven im Boden.
Dort leben sie jahrelang: Das ist auch der Grund, warum man sie nur alle paar Jahre massenhaft fliegen sieht. Waldmaikäfer fliegen alle vier Jahre, Feldmaikäfer alle drei Jahre.
3,2 Millionen Maikäfer im Landkreis Rastatt
Laut Horst Delb, der bei der Forstlichen Versuchs- und Forschungsanstalt Baden-Württemberg (FVA) die Abteilung Waldschutz leitet, gibt es in Baden-Württemberg nur einen einzigen Wald, in dem dieses Jahr die Käfer schlüpfen, der Niederwald bei Iffezheim im Landkreis Rastatt.
Rund 3,2 Millionen Käfer könnten dort aus dem Waldboden krabbeln, nur ein Bruchteil der halben Milliarde, die in Hessen erwartet wird. Auch sonst ist in Baden-Württemberg in diesem Jahr kein Hauptflugjahr: Laut Nabu ist der Südstamm im Großraum Karlsruhe 2025 geflogen, der Nordstamm 2024.
RLP hat Maikäferpopulationen in der Südpfalz
In Rheinland-Pfalz lebt der Maikäfer in der Südpfalz, im Bienwald und rund um Germersheim. Für Försterinnen und Förster ist das Leben mit den Maikäfern ein Kampf: Die Larven der Tiere, die sogenannten Engerlinge, leben jahrelang im Boden und ernähren sich dabei von Gras- und Baumwurzeln. Das kann für den Wuchs von neuen Bäumen und den Bestand der Wälder problematisch sein.
In Hessen erwartet Experte Petri vom Nabu zwei bis drei Massenflüge der Tiere in der Dämmerung. Für das Ökosystem sind sie wichtig: Füchse, Dachse und viele Vogelarten essen Maikäfer, auch Fledermäuse kommen laut Petri in Massenjahren von extra weit her.