Deutschlandweit war die Betroffenheit groß, als der 36-jährige Schaffner Serkan C. nach einem brutalen Angriff bei einer Fahrkartenkontrolle starb. Der Nahverkehrszweckverband, bei dem der Zugbegleiter arbeitete, verurteilte die tödliche Attacke und erklärte, in den Expresszügen sei jeweils nur ein Schaffner im Einsatz und kein Sicherheitspersonal. So sehe es der 2014 geschlossene Vertrag mit DB-Regio vor. Der Verband geht davon aus, dass sich das in Zukunft ändern könnte.
Bodycams für Schaffner gefordert
Der Betriebsratschef im DB-Regionalverkehr, Ralf Damde, macht sich für Bodycams mit Tonfunktion stark. "Wir brauchen eine Bodycam, die auch Tonaufzeichnungen wiedergibt und nicht nur das Filmmaterial", sagte Damde im WDR. Es sei für ihn nicht nachvollziehbar, dass der Datenschutz dem entgegenstehen solle.
Sicherheit ist nicht verhandelbar.
Auch der Chef der Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft, EVG, Martin Burkert, sprach sich im Bayerischen Rundfunk dafür aus. Zugbegleiter könnten zudem durch einen Notrufknopf an der Armbanduhr ausgestattet werden. "Das ist alles immer mit Kosten verbunden. Aber Sicherheit ist nicht verhandelbar", sagte er.
Serkan C. "hat deeskaliert und trotzdem ist es passiert"
Die Videoaufnahmen vom Angriff auf seinen Kollegen zeigten, dass dieser sich vorbildlich verhalten habe, sagte Damde: "Er hat deeskaliert und trotzdem ist es passiert". Es sei aber wichtig, zu hören, was gesprochen werde - auch um später besser beweisen zu können, wie sich solche Situationen steigerten. Dies sei daher einer der ersten Punkte, die er mit Bundesverkehrsminister Patrick Schnieder (CDU) besprechen wolle.
Schnieder räumt Nachholbedarf bei Sicherheit ein
Schnieder (CDU) räumte am Mittwoch ein, dass mehr für den Schutz von Bahnbediensteten getan werden müsse. "Züge und Bahnhöfe müssen sicher sein", erklärte er. Er sei entsetzt und fassungslos über den Tod des Mannes.
Sonderkonferenz nach tödlicher Attacke auf Zugbegleiter
Der rheinland-pfälzische Ministerpräsident Alexander Schweitzer und seine saarländische Amtskollegin Anke Rehlinger (beide SPD) zeigten sich in einer gemeinsamen Erklärung erschüttert über den Gewaltausbruch.
"Diese schreckliche Gewalt gegen jemanden, der einfach seinen Job macht, lässt uns wütend und traurig zurück. Diese Tat erschüttert die gesamte Bahn-Familie und sie ist furchtbarer Ausdruck einer seit langem steigenden Aggressivität bis hin zu Gewalt gegenüber Zugbegleitern. Wir trauern mit ihnen und stehen an der Seite der Beschäftigten der DB."
Diese Tat erschüttert die gesamte Bahn-Familie und sie ist furchtbarer Ausdruck einer seit langem steigenden Aggressivität bis hin zu Gewalt gegenüber Zugbegleitern.
Die Verkehrsminister der Länder haben inzwischen beschlossen, den Schutz für Mitarbeitende im Nahverkehr gemeinsam zu beraten. Die Beratungen sollen am 25. und 26. März in Lindau am Bodensee stattfinden.
Bahn-Sprecher: Haben schon auf zunehmende Gewalt reagiert
Ein Pressesprecher der Bahn erklärte, dass man auf die zunehmende Gewalt in Zügen bereits reagiert habe. Mehr Mitarbeitende seien mit Bodycams ausgerüstet worden. Zudem seien allen Beschäftigten angehalten, jeden Vorfall per App übers Smartphone zu melden. Auch die Zusammenarbeit mit der Bundespolizei sei ausgeweitet worden. Die bundesweit 4.500 Sicherheitskräfte der Bahn arbeiteten eng mit den rund 6.000 Beamten der Bundespolizei zusammen. Zudem gehörten beispielsweise Deeskalationstrainings zur Fortbildung.
Menschen gedenken totem Familienvater Zugbegleiter starb an Hirnblutung: Tatverdächtiger schweigt nach Angriff in Bahn bei Kaiserslautern
Nach dem Angriff in einem Zug bei Landstuhl steht fest, dass der Zugbegleiter aus Ludwigshafen an einer Hirnblutung gestorben ist. Der Tatverdächtige sitzt in U-Haft, er hat sich bisher nicht geäußert.
Serkan C. ist an einer Hirnblutung gestorben
Der 36-jährige Serkan C. war Familienvater und lebte in Ludwigshafen. Er war laut vorläufigem Obduktionsergebnis an einer Hirnblutung "in Folge erheblicher stumpfer Gewalteinwirkung" gestorben, teilte die Staatsanwaltschaft Zweibrücken mit.
Der mutmaßliche Täter, ein Mann aus Griechenland, sitzt in Untersuchungshaft. Er soll im Rahmen einer Ticketkontrolle so heftig auf den Zugbegleiter eingeprügelt haben, das dieser noch im Zug reanimiert werden musste und am Mittwoch verstarb. Vorstrafen oder polizeiliche Erkenntnisse über den Verdächtigen lägen in Deutschland nicht vor.