Zeitgleich gingen am Samstag in Mainz und in der Bundeshauptstadt Tausende beim Christoper Street Day auf die Straßen, um für Vielfalt, Toleranz und Demokratie zu demonstrieren. Ein mutmaßlich islamistischer Anschlag auf die Veranstaltung in Berlin hat bei den Feiernden in Mainz gestern Abend Entsetzen ausgelöst. Die Veranstalter des Mainzer CSD äußerten auf Instagram ihre Solidärität und ihr Mitgefühl mit den Opfern.
Ein Autofahrer hatte am Samstagabend im Berliner Tiergarten am Rande des CSD mehr als ein Dutzend Menschen angefahren. Eine Frau starb, andere Menschen erlitten teils schwere Verletzungen. Die Polizei fahndet nach einem 21 Jahre alten Tatverdächtigen.
CSD Mainz: Abschlussparty nicht abgesagt
Als die Nachricht aus Berlin kam, hatte im Alten Postlager in Mainz die Abschlussparty des CSD gerade begonnen. Mitorganisator Philipp Gresch sagt im Gespräch mit dem SWR, man sei sehr bestürzt und betroffen. Es sei aber die Entscheidung gefallen, die Party nicht abzubrechen. "So schlimm das ist, die Nachricht hat uns nicht wirklich überrascht", sagt Gresch. "Als queere Comunity kennen wir ja die Gefühle, die uns aus Teilen der Bevölkerung entgegenschlagen."
Das irgendwann so etwas passiert, damit haben wir beinahe schon gerechnet.
Die Gedanken seien natürlich bei den Opfern, besonders bei dem Menschen, der zu Tode gekommen ist, so Gresch. Aber: "Wir dürfen uns von solchen Taten nicht einschüchtern lassen."
Wir kämpfen um unsere Sicherheit und um unsere Sichtbarkeit.
Auch eine Party sei ein Beitrag zur Sichtbarkeit. Insofern sei klar gewesen: "Wir machen da jetzt genauso weiter, wenn auch mit einem Gefühl, dass auch uns sehr bedrückt."
Ministerin: "Verabscheuungswürdige Tat"
Die rheinland-pfälzische Sozial- und Familienministerin Sabine Bätzing-Lichtenthäler reagierte in einer Mitteilung erschüttert auf den Anschlag in Berlin. "Es ist eine feige und verabscheuungswürdige Gewalttat gegen Menschen, die friedlich und gemeinschaftlich Liebe und Vielfalt feiern", so die SPD-Politikerin. Sie äußerte Mitgefühl für die Opfer und Angehörigen und alle Betroffenen vor Ort.
Wir setzen uns ein für queeres Leben und eine offene Gesellschaft. Pride ist stärker als Hass.
Auch Kathrin Anklam-Trapp, Landesbeauftragte für gleichgeschlechtliche Lebensweisen und Geschlechtsidentität, äußerte sich betroffen. "Ich bin tief traurig und fassungslos über diese schreckliche Gewalttat gegen den Berliner CSD." In Mainz habe man am Samstag noch gemeinsam mit Tausenden Menschen beim CSD Liebe und Akzeptanz gefeiert und dafür demonstriert. "Die schrecklichen Nachrichten aus Berlin treffen nun die gesamte Community und uns alle tief."
Schnieder "fassungslos"
Der rheinland-pfälzische Ministerpräsident Gordon Schnieder (CDU) zeigte sich nach dem Terroranschlag auf den CSD in Berlin fassungslos. "Islamistische Ideologie bedroht unsere Freiheit und unsere offene Gesellschaft", so Schnieder. Sie zeige sich dort, wo queere Menschen bedroht, Antisemitismus verbreitet, Menschen aufgrund ihres Glaubens angefeindet und Hass gegen Andersdenkende geschürt werde.