Heinz Matthias kniet in einer Grube, die etwa einen halben Meter tief ist. Mit einer Kelle schabt der Grabungshelfer die Wände ab und legt Millimeter für Millimeter die Überreste eines Gebäudes frei. Die Sonne brennt auf der Haut.
Es sind 35 Grad, und es gibt keinen Schatten auf dem Feld bei Gladbach in der Eifel. Der Boden ist so trocken, dass der Staub durch die Luft wirbelt. "Gerade ist es eine sehr mühselige Geschichte", sagt Matthias. An manchen Stellen sei die Erde hart wie Beton, an anderen weich wie Schlamm. Matthias muss aufpassen, dass er nichts beschädigt.
Er arbeitet vorsichtig, damit die Wissenschaftler alle Strukturen genau dokumentieren können. Denn auch sie bekommen nur selten eine keltische Siedlung aus der Eisenzeit zu Gesicht. Entdeckt haben sie sie überhaupt nur, weil eine Firma auf dem Gelände Kies abbauen will.
Wir wissen praktisch nichts über das Leben der einfachen Bevölkerung zur Eisenzeit.
Dass unter dem Kies über Jahrhunderte eine Art Bauerndorf verborgen lag, war für den Trierer Landesarchäologen Lars Bloeck ein Glücksfall, wie er sagt: "Wir wissen praktisch nichts über das Leben der einfachen Bevölkerung zur Eisenzeit."
Archäologen wissen mehr über Fürsten als über Bauern
Bisher wissen die Archäologen mehr darüber, wie die Reichen und Mächtigen unter den Kelten gelebt haben. Die damaligen Fürsten wohnten in Höhensiedlungen hinter dicken Mauern und wurden in Hügelgräbern im Wald beerdigt, die teilweise erhalten blieben. Darin fanden sich oft Schmuck, Waffen und andere Grabbeigaben.
Ganz anders der Fund bei Gladbach in der Verbandsgemeinde Wittlich-Land. Hier haben die Menschen kaum etwas zurückgelassen. Obwohl sie bereits seit eineinhalb Jahren auf dem Gelände graben, haben die Archäologen nur ein paar Kisten mit Keramik zusammengetragen. "Die Menschen führten ein, für unsere Verhältnisse, bäuerliches und ärmliches Leben", schlussfolgert Bloeck.
Vom Getreidespeicher zum "Pizzaofen" der Kelten
Es dürfte in der Siedlung ein paar Wohnhäuser gegeben haben und sogenannte Grubenhütten, in denen zum Beispiel Kleidung hergestellt wurde. Auch einen Getreidespeicher haben die Archäologen ausgegraben.
Der vielleicht spannendste Fund liegt aber etwas abseits des Dorfes: ein Backofen, der an einen modernen Pizzaofen erinnert. Dort haben die Bewohner des Ortes wahrscheinlich Brote oder Fladen gebacken.
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Gräben und Zäune als Grundstücksgrenzen
Auch über das Zusammenleben der Menschen verraten die Überreste etwas. Was den Archäologen Bloeck überrascht hat: Zwischen den Hütten gibt es Gräben und Zäune. Die Menschen grenzten also ihre Grundstücke voneinander ab. "Es muss irgendeine Form von ordnender Hand dahinter gesteckt haben", meint Bloeck.
Also ein Fürst, der über die Menschen herrschte? So genau wissen die Archäologen das noch nicht. Doch viel Zeit bleibt ihnen nicht mehr, das herauszufinden.
Dorf soll weggebaggert werden
Bis Ende Juli muss das Team alle Funde auf dem Feld retten und dokumentieren. Denn so wertvoll die Siedlung für die Wissenschaft auch ist: Das Gelände gehört einer Firma, die das keltische Bauerndorf für ihre Kiesgrube wegbaggern will. Was die Archäologen bis dahin nicht sichern können, ist für immer verloren.