Es beginnt 1945, nur wenige Monate nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs: Die französische Militärregierung und der damalige Südwestfunk (SWF) richten ein Studio in Kaiserslautern ein. Am 9. Juli 1946 geht der Sendebetrieb im Gebäude der Vereinsbank in der Innenstadt offiziell an den Start - von dort gibt es Rundfunk mit Nachrichten und Unterhaltung.
Fast gleichzeitig wird das Funkorchester Kaiserslautern ins Leben gerufen. Ein musikalisches Aushängeschild, das Chefdirigent Emmerich Smola über Jahrzehnte hinweg prägt. Gleichzeitig leitet er zeitweise das Studio des damaligen Südwestfunks. Der Name Emmerich Smola ist bis heute untrennbar mit dem Studio verbunden, nicht zuletzt durch den nach ihm benannten Orchestersaal im Haus.
Vom Provisorium zum modernen Funkhaus
Das Studio in Kaiserslautern nimmt nach seiner Einweihung einen beeindruckenden Weg: von einem improvisierten Sendestudio hin zu einem der modernsten Funkhäuser der Nachkriegszeit. Auch das Rundfunkorchester entwickelt sich. Im Mai 1951 werden die Orchester aus Koblenz und Kaiserslautern zum "Großen Unterhaltungsorchester des Südwestfunks" zusammengelegt - mit Kaiserslautern als festem Sitz. Das zur Miete im Vereinshaus der "Alten Eintracht", jedoch fehlt dort ein ausreichender Schallschutz.
Für die Redaktion heißt es parallel: Umzug nach Mainz. Das SWF Studio in Kaiserslautern wird geschlossen und dem Funkhaus Mainz angegliedert. Die Pfalz wird dann vorübergehend thematisch von Mainz aus abgedeckt.
Die vielen Flugbewegungen über dem Himmel durch die US-Airbase Ramstein führten wenige Jahre später dazu, dass in der Fliegerstraße 36 ein neues Studiogebäude mit schalldichtem Konzertsaal gebaut wird.
1958 zieht das Studio samt Orchester und Redaktion in sein neues Funkhaus in Kaiserslautern. Der Konzertsaal setzt mit seiner Größe von 17 mal 28 Metern und modernster Technik Maßstäbe.
Mit Dirigent Emmerich Smola Einweihung des neuen SWF Studios in Kaiserslautern 1958
Anlässlich der Feierstunde zur Einweihung des modernsten Musikstudios des SWF in Kaiserslautern sprechen 1958 unter anderem Oberbürgermeister Walter Sommer und Intendant Friedrich Bischoff. Musik gibt es von Emmerich Smola und seinem Rundfunkorchester.
Rundfunkorchester zwischenzeitlich vor dem Aus
Doch nicht alles verläuft reibungslos: Anfang der 70er Jahre droht die Auflösung des Rundfunkorchesters. Der Südwestfunk soll umstrukturiert und Kosten sollen gespart werden. Erst entschlossene Proteste aus der Region bewahren das Rundfunkorchester vor dem Aus. Auch Emmerich Smola hat sich dafür eingesetzt, dass es erhalten bleibt.
Jubiläumskonzert 10 Jahre SWF-Orchester mit Emmerich Smola
1961: Das "Große Unterhaltungsorchester des Südwestfunks" unter der Leitung von Emmerich Smola feiert sein 10-jähriges Jubiläum.
Krise und Wandel: Vom SWF zum SWR in Kaiserslautern
Mit der Gründung einer aktuellen Redaktion wird das SWF-Studio Kaiserslautern 1975 zur Zweigstelle des SWF-Landesstudios Mainz. Zwölf Jahre später, 1987, verabschiedet sich das Studio von einer Ära: Emmerich Smola geht nach 40 Jahren als Chefdirigent in den Ruhestand. Seine musikalische Bilanz: beeindruckende 15.000 Produktionen. Er hält zudem auch vermutlich den Weltrekord für die größte Bandbreite an gespielter Musik - darunter Opern, Jazz und Musicals.
1998 beginnt eine neue Epoche für das Studio in Kaiserslautern. Südwestfunk (SWF) und Süddeutscher Rundfunk (SDR) werden zusammengelegt - zum Südwestrundfunk SWR. Das Orchester wird dadurch zum SWR Rundfunkorchester Kaiserslautern.
Regionale Berichterstattung aus der Region Kaiserslautern wird immer wichtiger
Durch die Fusion rücken Kaiserslautern und die Region stärker ins Zentrum der nachrichtlichen und gesellschaftlichen Berichterstattung im Rundfunk. Das Regionalprogramm wird deutlich erhöht. Und Ereignisse mit überregionalem Interesse sind in allen Hörfunkwellen des SWR zu hören, aber auch in der ARD, zu der der SWR gehört. Reporterinnen und Reporter des Studios in Kaiserslautern berichten für das Fernsehen nicht nur regional, sondern teilweise auch bis in die Tagesschau.
Politik, Wirtschaft, Sport, Kultur oder Gesellschaft: Über Themen aus diesen und anderen Bereichen wird in 80 Jahren SWF beziehungsweise SWR in Kaiserslautern viel berichtet.
Berichtet wird über gesellschaftliche und wirtschaftliche Veränderungen in der Region, die die Menschen oft vor Herausforderungen stellen, aber auch neue Chancen eröffnen. Dabei stehen Ereignisse im Mittelpunkt, die Freude und Zuversicht bringen. Aber auch solche, die tiefe Betroffenheit auslösen und manchmal ganz Deutschland innehalten lassen. Diese journalistische Arbeit, die die Region und ihre Menschen in den Fokus rückt, ist bis heute die zentrale Aufgabe der Reporterinnen und Reporter im SWR Studio Kaiserslautern.
Ein Jubiläum und ein musikalisches Vermächtnis
2001 feiert das Rundfunkorchester sein 50-jähriges Bestehen. Kurz darauf kauft der SWR das Grundstück in der Fliegerstraße, was den Standort sichert. 2007 gibt es wieder eine Zusammenlegung. Aus dem SWR Rundfunkorchester Kaiserslautern und dem Rundfunk-Sinfonieorchester Saarbrücken wird die Deutsche Radio Philharmonie Saarbrücken Kaiserslautern. Das Orchester verbindet die Städte Kaiserslautern und Saarbrücken musikalisch und kulturell.
Unter Leitung herausragender Dirigenten begeistert das Orchester mit einem breiten Repertoire - von Barock über Klassik bis hin zu moderner Musik. Viele Konzerte werden live für Radio und Fernsehen übertragen, sodass die Faszination klassischer Musik direkt zu den Menschen nach Hause gelangt. Der Emmerich-Smola-Saal dient neben der Fruchthalle Kaiserslautern als zentraler Spielort und bringt Musikliebhaber aus der ganzen Region zusammen.
Führungswechsel und neue Investitionen
Seit seiner Gründung wechselte im Studio Kaiserslautern immer wieder die Leitung. 2009 löst Nicola Geck aus Mainz Patrik Sommer ab. Sie leitet das Studio bis heute. Auch unter ihrer Leitung hat sich das SWR Studio Kaiserslautern gewandelt. 2010 wird nach umfangreichem Umbau neu eröffnet – mit einem Konzert der Deutschen Radio Philharmonie Saarbrücken-Kaiserslautern. Rund fünf Millionen Euro fließen in Technik und Räume. Der Emmerich-Smola-Saal wird für Konzerte und Aufnahmen technisch und akustisch modernisiert, behält aber seinen Charme. Redaktionell ist das Studio Kaiserslautern für Radio, Fernsehen und Internet auch bestens gerüstet.
Auch die Redaktion wächst weiter. Rund 20 Reporterinnen und Reporter arbeiten inzwischen im SWR Studio Kaiserslautern. Sie berichten aus der Region für die Region. Dabei nutzen sie immer stärker auch digitale Wege.
Eine besondere Rolle spielt der Emmerich-Smola-Saal. Er ist vielseitig nutzbar und technisch modern ausgestattet. Neben Radio- und Fernsehproduktionen finden hier auch Konzerte und Veranstaltungen statt. Bis zu 350 Gäste haben im Saal Platz.
Corona und 100 Jahre Emmerich Smola
2012 bekommt das Studio in Kaiserslautern eine neue Adresse: Emmerich-Smola-Platz 1. Damit würdigt der SWR den langjährigen Chefdirigenten des Rundfunkorchesters. Sein Name bleibt so eng mit dem Studio und der Musik verbunden.
Mit der wachsenden Bedeutung des Internets verändert sich auch die Arbeit der Redaktion. Nachrichten erscheinen zunehmend online. Vor allem junge Menschen in der Westpfalz sollen so besser erreicht werden. Das regionale Mittagsmagazin im Radio bei SWR4 wird später eingestellt, der Fokus verschiebt sich weiter ins Digitale.
Ab 2020 stellt die Corona-Pandemie auch das Studio vor große Herausforderungen. Produktionen sind lange nur ohne Publikum möglich. Erst nach Monaten kehren Konzerte und Aufnahmen unter strengen Regeln in den Emmerich-Smola-Saal zurück.
Am 8. Juli 2022 wäre Emmerich Smola 100 Jahre alt geworden. Zu seinen Ehren findet im gleichnamigen Saal ein großes Jubiläumskonzert "seines" Orchersters statt. Es wird im Hörfunk und im SWR-Fernsehen übertragen – ein musikalisches Zeichen der Erinnerung.
SWR Studio Kaiserslautern auch heute mit klarem Auftrag
2026 feiert das SWR Studio Kaiserslautern sein 80-jähriges Bestehen. Acht Jahrzehnte voller Wandel, Krisen und Neuanfänge liegen hinter der Redaktion und dem Orchester. Wandel und Veränderungen gehen weiter - geblieben ist der Auftrag: Die Menschen in der Region zu unterhalten und zu informieren – nah, verlässlich und aktuell.