Die Hochschule Koblenz hat sich nach eigenen Angaben zur größten Hochschule für angewandte Wissenschaften in Rheinland-Pfalz entwickelt. Etwa 8.700 Studierende studieren an den drei Standorten Koblenz, Remagen und Höhr-Grenzhausen. Für die aktuell 40 Forschungsprojekte warb die Hochschule nach eigenen Angaben im vergangenen Jahr Drittmittel in Höhe von über 8,2 Millionen Euro ein. Wir stellen drei Projekte vor.
Studierende tauchen mit VR-Brille in andere Lebenswelten ein
Raus aus der Theorie, rein in die Praxis. Das soll im Bereich Sozialwissenschaften mit dem Projekt "Weitblick" erreicht werden. Mit Hilfe von VR-Brillen sollen sich die Lernmethoden an der Hochschule verbessern.
Wenn Studierende die VR-Brillen aufsetzen, sehen sie ein 360°-Video, mit dem sie ihre Umgebung zum Beispiel mit den Augen eines Kindergartenkindes sehen. Beispielsweise wird dargestellt, wie ein kleiner Junge im Turnraum ein Seil hochklettert oder durch die Küche seiner Kita läuft. Dadurch können die Studierenden selbst erfahren, ob das Spielgerät aus Kinderperspektive funktioniert oder ob etwas in der Kita umgestaltet werden sollte.
VR-Technik soll Lernstoff erlebbar machen
"Unsere Zielsetzung ist es, dass wir mehr Lehrende in diesem Fachbereich motivieren können, diese Brillen in die Hand zu nehmen. Nicht das wir schlechte Lehre machen, aber das man sagt: Ich lege diese Powerpoint-Präsentationen weg und nutze die neue Technologie", sagt Daniel Roos, stellvertretender Projektleiter. Durch die VR-Brille würden Lerninhalte erlebbar gemacht und könnten sich so besser bei den Studierenden verfestigen, sagt Roos.
Mittlerweile hat die Hochschule 15 VR-Brillen und es kommen immer wieder neue Videos dazu. Ein Kurzfilm von Katharina Schuck und Joke Volkmer zeigt etwa, wie sich ein Einkauf im Supermarkt für einen Menschen mit Schizophrenie anfühlt. Dabei prasseln beim Schauen des Videos mit der VR-Brille alle Geräusche und Einflüsse auf die Studierenden ein, um nachvollziehen zu können, unter welchem Stress die schizophrene Person gerade steht.
Das Projekt "Weitblick" der Hochschule Koblenz wird durch die Stiftung Innovation in der Hochschullehre gefördert und läuft noch bis März 2027.
Mini-Labor auf der Haut: Forschung am Campus in Remagen
Noch ganz am Anfang steht das Projekt "WearALab - Mini-Labor auf der Haut" am Campus in Remagen. Durch die Forschung soll in den nächsten vier Jahren ein intelligentes Hautpflaster entwickelt werden. Dieses Pflaster soll über einen längeren Zeitraum Körperwerte auslesen können - zum Beispiel Glukose, Laktat und Chortisol. Auf der Unterseite habe das Pflaster Mikronadeln, die schmerzfrei in die oberste Hautschicht eindringen, sagt Projektleiter Lukas Scheef: "Im Rettungswagen wird der Patient dann nicht mehr verkabelt. Er könnte das Pflaster einfach aufgedrückt bekommen und alle Daten, wie es dem Patienten geht, würden so erfasst."
Damit das intelligente Pflaster funktioniert, müssen die Projektbeteiligten unter anderem noch daran arbeiten, wie die Energieversorgung funktionieren kann und die Daten übertragen werden können. Vorstellbar wäre hier laut Scheef eine Übertragung aufs Smartphone. Daran beteiligt sind drei Doktoranden, aber auch wissenschaftliche Mitarbeitende und Studierende. Bereits jetzt sind Unternehmen aus der Industrie mit eingebunden. Das Projekt wird mit 1,5 Millionen Euro durch das Bundesministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt gefördert.
Projekt RIOT: Zuverlässige Datenübertragung
Wie kann ein anfälliges System, wie ein Hochwasserfrühwarnsystem, zuverlässiger werden? Mit dieser Frage beschäftigt sich das Projekt "Resilient Internet of Things" kurz RIOT aus dem Fachbereich Ingenieurwesen/Elektrotechnik der Hochschule Koblenz. Die Wissenschaftler kooperieren dafür mit einer Firma aus Bayern, der TU Chemnitz und dem Landkreis Mayen-Koblenz. Zusammen haben sie ein Gerät in der Größe eines Smartphones entwickelt, das besonders widerstandsfähig ist.
Um es zu testen, haben es die Forscher an das Hochwasserfrühwarnsystem am Pegel in Thür angeschlossen. Der Fokus liege darauf, dass die Technik noch ausfallsicherer wird - und zwar mit Hilfe einer doppelten Funkanbindung, erklärt Projektleiter Wolfgang Kiess von der HS Koblenz. "Wenn eine Technologie im Gerät ausfällt, ist die andere noch verfügbar."
Mit Hilfe der Innovation sollen wichtige Daten zuverlässig übertragen werden, auch bei Extremwetterlagen. Das Projekt läuft noch bis Mitte 2027. Wolfgang Kiess hofft, dass das System so gut funktioniert, dass das Gerät künftig eingesetzt werden kann, um besser vor kritischen Ereignissen zu warnen.