"Das Winzler Viertel erlebte in seiner Bevölkerungsstruktur einen gewissen Niedergang. Viele Läden haben geschlossen. Und das hat sich auch auf die umliegenden Immobilien ausgewirkt", erinnert sich Ralph Stegner, Geschäftsführer der Bauhilfe Pirmasens an die Krise der frühen 2000er zurück.
Die Verlagerung der Schuhindustrie ins Ausland und der Abzug der US-Soldaten haben die ganze Stadt zu diesem Zeitpunkt getroffen - auch das ehemalige Arbeiterviertel. In den frühen 2000er Jahren waren viele Häuser im Winzler Viertel im schlechten Zustand und schon leer - so zum Beispiel auch das frühere Kinderheim der Diakonie. "Die Situation war nicht wirklich zukunftsfähig", gibt Stegner zu.
Konzept gegen Krise für Pirmasens
Ein neues Städtebaukonzept sollte die Situation im Winzler Viertel verbessern. Unter dem Motto 'Wohnen für Generationen' entstand das Bau-Projekt 'PS:patio!'. Dahinter stehen die Stadt Pirmasens, die Bauhilfe und die Diakonie. Ihr Ziel: Neue, barrierefreie Häuser und Wohnungen sollen das Leben im Winzler Viertel attraktiver machen.
In einem ersten Schritt wurden ab 2007 vier große Nachkriegs-Wohnblöcke aus den 1950er Jahren abgerissen. Aktiv gebaut wurde dann ab 2011 in mehreren Schritten. Doch bereits im Vorfeld musste Ralph Stegner viele Gespräche führen: "Wir haben gelernt, dass wir einen Ort der Kommunikation Mitten im Viertel brauchen."
Das war am Anfang schon Sauregurkenzeit.
So entstand der Projektladen in der Winzler Straße. Er war der erste Ort des Austauschs. Dort wurde viel über den Baufortschritt des Winzler Viertels informiert und die Meinungen der Bürger eingeholt. Die Bürger für die Vision der aktiven Nachbarschaft zu überzeugen, war nicht immer einfach, erinnert sich Bauhilfe-Geschäftsführer Ralph Stegner: "Das war am Anfang schon Sauregurkenzeit."
Auch Investoren und die richtigen Fördermittel für das Bauprojekt mussten erst gefunden werden. "Es gab damals keine passende Förderkulisse für diese gemeinschaftlichen Bauprojekte", erklärt Ralph Stegner. Erst mit der Zeit stieg die Unterstützung für die Baumaßnahmen im Winzler Viertel.
"Der Gamechanger war der soziale Aspekt. Wir hatten den großen Player der Diakonie mit an Bord. Das hat natürlich auch sehr gezogen. Und der erste Bauabschnitt hat auch gezeigt: 'Wow, da passiert was'", sagt Stegner.
Laut dem Bauhilfe-Geschäftsführer sind im Patio-Quartier - benannt nach dem Projekt - vier neue Mehrfamilienhäuser gebaut worden, dazu noch vier Einfamilienhäuser. So konnten insgesamt 60 neue Wohneinheiten entstehen. Eine neue Straße führt durch das Patio-Quartier. Auch die Winzler Straße wurde saniert.
Unweit der neuen Gebäude liegt das Bürgerzentrum P11. Das löste 2019 den Projektladen ab und ist bis heute für die Menschen im Winzler Viertel ein beliebter Treffpunkt. Rund 150 Menschen kommen dort wöchentlich hin und verbringen ihre Zeit gemeinsam. Für die Kinder gibt es dort viele Spielmöglichkeiten.
Doch vor allem Senioren prägen das Bild im Winzler Viertel. Ihnen kommt die Infrastruktur entgegen. Die Wohnungen sind barrierefrei. Das Diakonie-Zentrum ist in der Nähe und überhaupt sind die Wege zum Bus, ins Geschäft oder zur Bank kurz.
Das gefällt auch Edith Kolb, die seit acht Jahren im Winzler Viertel lebt: "Das Winzler Viertel hat sich wunderbar entwickelt. Es ist hier ruhig, man hat die ganzen Supermärkte in der Nähe und die Wohngemeinschaft." Ähnlich sieht das auch Dieter Müller: "Früher wollte ich nicht ins Winzler Viertel, heute will ich nicht mehr weg."
Bauhilfe Pirmasens möchte im Winzler Viertel weiter bauen
Die Bauhilfe Pirmasens will weiter im Winzler Viertel bauen und auch noch attraktiver für junge Familien werden. Pläne gibt es bereits. So hat die Bauhilfe das Areal gegenüber des Bürgerzentrums P11 gekauft. Dort stehen noch heruntergekommene Immobilien mit einem hohen Leerstand.