Für Rainer Fries ist es jedes Mal etwas Besonderes, wenn er die kleine Eisenbahn einschaltet. Damit fährt er die Gäste rund 300 Meter weit auf den Schienen in den Königsberg. Fries stammt aus einer Bergmannsfamilie. Die kommt allerdings nicht aus Wolfstein, sondern aus dem Siegerland - aber hier am Königsberg kann er zumindest ein bisschen seine Familientradition fortsetzen.
In Wolfstein wird zwar seit 1967 kein Kalk mehr abgebaut, aber den Gästen davon zu erzählen, wie das damals war, ist für Rainer Fries längst zur Leidenschaft geworden. "Früher war es immer mein Traum, ins Bergwerk zu gehen. Hier konnte ich mir diesen Traum erfüllen", erzählt der ehemalige Verwaltungsmitarbeiter.
Wie früher in einem Bergwerk gearbeitet wurde
Im Ruhestand gibt es für die Gäste so einige Geschichten von früher aus dem Besucherbergwerk. "Ich finde es ganz besonders wichtig jungen Leuten zu vermitteln, wie hier einmal gearbeitet wurde. Die können sich das gar nicht vorstellen", sagt Fries. Da kommt dann immer wieder auch Otto Kappel zur Sprache. Der Wolfsteiner war der letzte Bergmann im Kalkbergwerk. "Sieben Jahre lang hatte er hier alleine gearbeitet. Heute unvorstellbar", erzählt der Bergwerksführer.
Um solche Geschichten auch weiterhin verschiedenen Generationen möglichst lebendig beibringen zu können, muss sich in dem Besucherbergwerk aber etwas tun. "Es ist in die Jahre gekommen", sagt Andreas Müller (SPD), der Bürgermeister der Verbandsgemeinde Lauterecken-Wolfstein. Das spüre man nicht nur an der Elektrik, sondern beispielsweise auch an der kleinen Eisenbahn.
Bergwerk im Kreis Kusel muss nach 40 Jahren erneuert werden
"Das Bergwerk muss modernisiert werden. Wir haben Dinge, die wir unbedingt angehen müssen. So können wir es nicht lassen", betont der Bürgermeister. Als weiteres Beispiel nennt er Fluchtwege, die erneuert werden müssen und auch bei der Barrierefreiheit soll sich was tun.
In den 1980er Jahren wurde das Kalkbergwerk zu einem Museum umgebaut. Der Wolfsteiner Stadtbürgermeister Christian Nickel (parteilos) kann sich noch gut daran erinnern. "Ich war in dieser Zeit ganz oft als kleiner Junge drin. Ich habe das geliebt und liebe es immer noch", erzählt Nickel.
Besucherbergwerk hat große Bedeutung für Stadt Wolfstein
Doch auch er weiß: "Das Bergwerk ist sanierungsbedürftig." Nickel ist froh und dankbar, dass sich die Verbandsgemeinde darum kümmern will. "Das Bergwerk ist sehr, sehr wichtig für die Stadt. Es ist ein Besuchermagnet und lockt viele Leute auf nah und fern an", sagt der Stadtbürgermeister. Davon profitiere Wolfstein.
Die Stadt ist Besitzerin der Anlage, die Verbandsgemeinde Lauterecken-Wolfstein wiederum kümmert sich um den Betrieb des Museums. "Das läuft Hand in Hand", betont Christian Nickel. So sieht es auch Andreas Müller. Für ihn ist es wichtig, dass bei der Sanierung nicht der ursprüngliche Charakter verloren geht: "Das Alte soll erhalten bleiben. Es soll eine Kombination aus Neu und Alt werden."
Vielleicht mal mit 3D-Brille in den Berg im Nordpfälzer Bergland
Beispielsweise könne er sich vorstellen, an manchen Stellen mit 3D-Technik zu arbeiten. Etwa im Bereich des angrenzenden Grubenhauses. "Es gibt Menschen, die Angst haben hier in das Bergwerk zu fahren, aber trotzdem mal erleben wollen, wie das im Bergwerk ist. Denen könnte man die Möglichkeit über 3D-Brillen bieten", so Müller.
Modernisierung kostet "mindestens" 500.000 Euro
Wann die Modernisierung starten wird, steht noch nicht fest. Der Bürgermeister möchte das mit Unterstützung von Geldern aus dem europäischen Förderprogramm "Leader" und aus dem Städtebau-Programm umsetzen. So etwas dauere in der Regel seine Zeit, bis das geklärt ist. Seine Hoffnung: Vielleicht klappt es bis zum Jahr 2027. "Ich wäre aber natürlich froh, wenn es früher klappen würde."
Müller geht für die Sanierung von "wenigstens 500.000 Euro" aus. "Ich bin da kein Fachmann. Das müssen nun Büros klären." Bis dahin ist das Kalkbergwerk in Wolfstein weiterhin für Besucher geöffnet.
Abkühlen im Sommer: 13 Grad unter der Erde in Wolfstein
Das sehr zur Freude von Rainer Fries. Der fährt in den Ferien nicht nur an den Wochenenden, sondern auch dienstags und freitags mit der Bahn in den Berg. Rund 60 Meter unter der Erde ist es dort bei etwa 13 Grad auch angenehm frisch. Oder wie es der Bergwerksführer beschreibt: "So eine Führung dauert eine Dreiviertelstunde. Dabei kann man sich mal so richtig abkühlen."