Sonnenschein und stellenweise mehr als 40 Grad, warme Becken und tausende Badegäste in den Sommerferien: Was im ersten Moment für Freibadbetreiber gut klingt, bereitete in der Hitzewelle im Juni einigen Bädern in der Westpfalz Probleme.
Wasser in Landstuhl ist zu warm Naturbad in der Pfalz muss wegen Hitze schließen
Ferienstart, bis zu 40 Grad - da suchen viele Menschen Abkühlung in einem Schwimmbad. In Landstuhl stehen sie heute aber vor verschlossenen Türen. Für das Naturbad ist es zu warm.
"Die durch den Klimawandel bedingte extreme Hitzeperiode stellt die Schwimmbäder, die hohe hygienische Standards auch in der Wasserqualität gewährleisten, vor neue, bisher ungewohnte Herausforderungen", heißt es vom Kreis Kaiserslautern. Denn durch die extreme Hitze und die vielen Menschen können sich Keime vermehren, die Krankheiten auslösen können."
Nach Keim-Verdacht: Welche Becken wieder geöffnet sind
Die lange Hitzewelle hatte das Wasser in einigen Freibädern ungewöhnlich stark aufgeheizt. Zusammen mit dem hohen Besucherandrang konnten sich dadurch Bakterien wie Pseudomonas aeruginosa vermehren.
Nach vorsorglichen Sperrungen wegen möglicher Keimbelastungen sind die Freibäder in Mehlingen und Enkenbach-Alsenborn seit Wochenbeginn wieder geöffnet. Das Warmfreibad Trippstadt hat Mitte der Woche auch wieder eine gute Wasserqualität gemeldet und konnte öffnen. Auch im Waldfreibad Rodenbach sind alle Becken wieder zugänglich, dort war das Nichtschwimmerbecken gesperrt.
Wie gelangen Keime überhaupt ins Wasser - und warum reicht Chlor manchmal nicht aus?
Pseudomonas aeruginosa wird häufig als „Krankenhauskeim“ bezeichnet, kommt aber ganz natürlich in der Umwelt vor. Er kann über Menschen, Erde, Pflanzen oder Oberflächen ins Wasser gelangen. In gechlorten Schwimmbädern werden Keime normalerweise zuverlässig durch Chlor und Filteranlagen reduziert. Bei außergewöhnlich warmem Wasser, sehr vielen Badegästen oder Biofilmen in Rohrleitungen und an feuchten Oberflächen können sich Bakterien jedoch vorübergehend stärker vermehren.
Wie gefährlich ist der Keim - und wer sollte besonders aufpassen?
Kommt es zu einer Infektion, können unter anderem Augen- oder Ohrenentzündungen, Hautinfektionen oder in schweren Fällen auch Lungenentzündungen auftreten. Die meisten Stämme des Bakteriums sind von Natur aus gegen eine Vielzahl von Antibiotika resistent. Wer nach einem Freibadbesuch ungewöhnliche Beschwerden bemerkt und einer Risikogruppe angehört, sollte ärztlichen Rat einholen.
Der Krankenhauskeim existiert nicht nur - wie der Name vermuten lassen würde - im Krankenhaus. Auch gesunde Menschen können ihn auf ihrer Haut unbemerkt mit sich tragen und so ins Wasser einbringen. Für die meisten gesunden Menschen stellt Pseudomonas aeruginosa nur ein geringes Risiko dar. Deutlich gefährdeter sind Menschen mit geschwächtem oder unterdrücktem Immunsystem, etwa nach einer Chemotherapie, Organtransplantation oder schweren Erkrankungen.
Warum werden Becken geschlossen und wie verschwindet der Keim wieder?
Für Schwimmbecken gilt ein strenger Grenzwert: Pseudomonas aeruginosa darf in den Wasserproben nicht nachweisbar sein. Wird der Keim entdeckt, ordnet das Gesundheitsamt meist sofort die Sperrung des betroffenen Beckens an, um Infektionen zu verhindern. Das Bad bleibt geöffnet, sofern andere Becken unauffällig sind.
Anschließend lassen die Betreiber Frischwasser in das Becken, reinigen oder spülen die Filter gründlich und erhöhen in gechlorten Bädern vorübergehend die Menge an Desinfektionsmittel. Danach werden neue Wasserproben genommen. Erst wenn die Laboruntersuchungen keine Keime mehr nachweisen, wird das Becken wieder freigegeben.
In Naturbädern wird das Wasser ohne Chlor vor allem durch frisches Wasser und sinkende Wassertemperaturen verbessert. Dafür nutzen die Betreiber zugelassene Desinfektionsverfahren. Der Kreis betont, dass in den bekannten Fällen keine Versäumnisse der Betreiber vorliegen. Sie mussten kurzfristig auf Probleme durch die extreme Hitze reagieren, die so nicht vorhersehbar waren.
In diesen Freibädern in der Westpfalz können Badegäste bedenkenlos schwimmen gehen
Wer bei der Hitze dringend eine Abkühlung braucht, kann aktuell auf viele Freibäder in der Region ausweichen. Und das ohne Bedenken. Nach Angaben der Betreiber und zuständigen Verwaltungen gibt es derzeit keine Auffälligkeiten bei der Wasserqualität im Natur-Erlebnisbad Rockenhausen (es ist nach zwischenzeitlicher Sperrung wieder geöffnet), im Bergbad Heltersberg, im Warmfreibad Bruchmühlbach-Miesau sowie in allen drei Bädern der Verbandsgemeinde Kusel-Altenglan: dem Sport- und Freizeitbad Altenglan, dem Vitalbad Kusel und dem Schwimmbad Bosenbach. Auch aus dem Landkreis Südwestpfalz werden derzeit keine Probleme gemeldet.