Heute findet wieder die deutschlandweite Aktion "Schichtwechsel" statt. Hier haben Menschen mit Beeinträchtigung die Möglichkeit, ihre Jobs mit Menschen ohne Beeinträchtigung zu tauschen. In der Westpfalz beteiligen sich beispielsweise die Zoar-Werkstätten in Kaiserslautern an der Aktion. Wir haben mit der neuen Leitung der Werkstätten Manuela Metzger und Robert Helf, dem ehemaligen Leiter der Werkstätten, über diese Aktion gesprochen:
SWR Aktuell: Was genau ist in den Werkstätten geplant?
Mauela Metzger: Wir haben verschiedene Unternehmen aus Kaiserslautern dabei, die unsere zwei Standorte besuchen dürfen. Es kommt zum Beispiel jemand aus der Grundschule Enkenbach oder vom Wasserversorgungswerk Kaiserslautern. Die Bereiche sind ganz unterschiedlich. Die Menschen, die zu uns kommen, gehen in die Manufaktur und stellen bei uns Seifen oder Kerzen her.
SWR Aktuell: Welche Bedeutung hat die Aktion für Menschen mit Beeinträchtigungen in Kaiserslautern?
Robert Helf: Ich habe die Erfahrung gemacht, dass unsere Menschen mit Beeinträchtigungen viel Freude an der Aktion haben. Es geht darum zu zeigen, was sie leisten können. Das sind alles potenzielle Menschen für den allgemeinen Arbeitsmarkt. Wenn sie dann wieder in den Werkstätten sind, sind alle immer total motiviert den Schritt in die allgemeine Arbeitswelt zu wagen.
Es ist uns aber auch wichtig, zu zeigen, was Menschen mit Beeinträchtigungen bei uns in den Werkstätten in Kaiserslautern leisten können. Die Zoar-Werkstätten haben bereits 2023 und 2024 bei der Aktion mitgemacht. Die wird immer bekannter. Allein letztes Jahr hatten wir mehr als 4.000 Teilnehmer. Dieses Jahr erwarten wir auch so viele.
SWR Aktuell: Gab es Menschen, die den Sprung in den allgemeinen Arbeitsmarkt geschafft haben?
Helf: Tatsächlich hatten wir auch schon Erfolgsgeschichten. Mit "Globus Kaiserslautern" haben wir einen Partner gefunden, der schon Menschen aus unseren Werkstätten übernommen hat. Genau das ist auch unser Ziel. Wir wollen unterstützen, wo es nur geht, und fit für den allgemeinen Arbeitsmarkt machen.
Ich finde, da muss mehr Begegnung stattfinden, dann hat man auch mehr Verständnis füreinander.
SWR Aktuell: Wie wichtig ist die Aktion in Kaiserslautern und Region?
Metzger: Ich glaube einfach, dass es mehr Wissen gegenseitig braucht. Ich glaube, dass man Menschen mit Beeinträchtigung zu wenig zutraut, weil man einfach zu wenig über sie weiß und wahrnimmt. Ich finde, da muss mehr Begegnung stattfinden, dann hat man auch mehr Verständnis füreinander.
Wenn Menschen ohne Beeinträchtigung dann beispielsweise Kerzen bei uns herstellen wird oft gesagt: "Oh da muss man ja ganz genau arbeiten. Das hätte ich so nicht eingeschätzt." Auch bei uns in den Werkstätten braucht man viel Geduld und Genauigkeit, so wie bei jedem anderen Arbeitsplatz auch. Es geht also um gegenseitiges Verständnis und das finde ich sehr wichtig.