"In der jetzigen Situation kann keiner kostendeckend Wein im Fass produzieren", erklärt Dirk Himmel aus der Pfalz. Der Winzer mit einem Weingut im Zellertal ist frustriert. Die Preise für Fasswein lägen auf dem Niveau von vor zwölf Jahren oder sogar darunter. "Die ganzen gestiegenen Kosten werden überhaupt nicht mehr eingebracht."
Der Druck vom Großhandel sei enorm, viele Winzer müssten sich fügen oder Verluste hinnehmen. Laut Himmel liegen aktuell noch viele Weine bei den Winzern im Keller und die nächste Lese steht schon vor der Tür – das verschärfe den Preisdruck zusätzlich. Unter diesen Bedingungen sieht er auch die Qualität des Weins gefährdet. Für Himmel ist klar: "Bis hierher und nicht weiter." Kollegen hätten schon aufgeben müssen.
Winzer baut nicht mehr für Fasswein an
"Flaschenwein war schon immer unser Hauptstandbein", betont Himmel. Aktuell verkauft er etwa 70 Prozent seiner Produktion in Flaschen selbst, 30 Prozent als Fasswein in den Großhandel. Doch der Anteil des Fassweins soll weiter schrumpfen: "Was wir jetzt nicht mehr über die Flasche vermarkten können, das bauen wir auch nicht mehr an."
Ob wir in fünf Jahren noch existieren, weiß keiner.
Inzwischen hat er schon Weinberge zurückgegeben, weil er den Wein daraus nicht selbst vermarkten kann. "Das wäre nur als Fasswein gegangen, also haben wir reduziert." Jeder Hektar Weinberg, den er für das Fasswein-Geschäft noch dazu nehmen würde, kostet ihn.
Himmel mache damit keinen Gewinn. Auch Experten im Weinanbau würden derzeit sagen, dass es aktuell keine Möglichkeit im Weinberg gebe, noch mehr Kosten zu sparen, um mit dem Fasswein Gewinne zu machen. "Die Tür ist da zu."
Winzer machen keinen Gewinn mehr mit Wein für den Großhandel
"Bei mir ist der Fasswein als Absatzweg gedanklich schon weggebrochen, weil hier kein Gewinn zu erzielen ist", sagt er. "Im Gegenteil, man muss noch Geld dazuschießen." Der Ausstieg aus dem Fasswein-Markt sei kein spontaner Entschluss, sondern ein Prozess über mehrere Jahre.
"Man hat gute und schlechte Jahre", sagt er. Allein weil Winzer mit ihrer Arbeit vom Wetter abhängig seien. "Aber die Preistendenz für den Wein geht absolut nach unten - auch unabhängig vom Angebot." Deshalb zieht er jetzt einen klaren Schlussstrich.
Wein selbst vermarkten: Straußwirtschaft und Social Media
Um zukunftsfähig zu bleiben, setzt Himmel auf kreative Maßnahmen: "Wir probieren, unseren Wein am Markt immer mehr selbst zu zeigen, nicht unbedingt durch Werbeanzeigen, sondern durch gezielte Maßnahmen." Dazu gehören eine viermonatige Straußwirtschaft und verstärkte Social-Media-Aktivitäten, die sein Sohn betreut. "Da liegt noch eine Chance, ganz andere Zielgruppen anzusprechen." Neue Produkte haben sie auch nach und nach im Blick.
Das Weingut von Dirk Himmel ist auf einem guten Weg. Das sagt auch der Weinbaupräsident der Pfalz, Reinhold Hörner: "Wer auf Qualitätsweine setzt, hat es noch gut. Probleme haben die Betriebe, die ihren Wein an den Großhandel liefern." Die Menschen halten gerade ihr Geld zurück, trinken weniger Wein – besonders weniger deutsche Weine.
Zudem würden große Kellereien ihre Keller wegen der unsicheren Zeiten räumen und nur nach Bedarf kaufen. Doch eine schnelle Lösung gebe es nicht. Von heute auf morgen könne kein Winzer vom Großhandel-Geschäft auf Eigenvermarktung umschwenken.
Pfälzer Winzer appelliert an die Verbraucher
Dirk Himmel aus dem Zellertal macht deshalb auch einen klaren Appell an die Verbraucher: "Wenn die deutschen Weinfreunde etwas mehr deutschen Wein trinken würden, hätten wir Winzer Probleme, überhaupt so viel Wein zu produzieren." Er kritisiert den hohen Importanteil: "Über die Hälfte des Weines in Deutschland kommt mittlerweile aus dem Ausland." Wer regionale Weine kauft, unterstütze nicht nur die Winzer, sondern auch das Landschaftsbild und die Weinkultur.
Winzer in der Pfalz: Zukunft trotz allem ungewiss
Himmel macht klar, dass selbst der Flaschenweinmarkt keine Garantie für wirtschaftlichen Erfolg bietet. Viele drängen jetzt auf diesen Markt, doch die Kauflust der Leute sinkt auch da. "Ob wir in fünf Jahren noch existieren, weiß keiner", sagt er. Doch er ist überzeugt: "Wenn die Qualität in der Flasche stimmt, funktioniert das."
Gleichzeitig weiß er, dass ein vollständiger Ausstieg aus dem Fasswein-Geschäft nicht möglich ist. Ein gewisser Anteil Wein bleibe immer übrig, den er nicht als Flaschenwein verkaufen kann. Diesen will er so gering wie möglich halten, um die Qualität zu sichern, die er sich wünscht. Denn in seinen Weinbergen sieht es auch in diesem Jahr nach einer sehr guten Ernte aus.