Hilfe gegen Einsamkeit an Hochschulen

Wintersemester startet: So finden Studierende Anschluss

Für viele bedeutet das Studium Aufbruch und Abenteuer – für andere bedeutet sie: Einsamkeit. "Lets connect" in Koblenz will diesem Gefühl etwas entgegensetzen jeden 3. Donnerstag im Monat.

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Stand

Von Autor/in Andrea Wieland

Die alten Holztische tragen Farbflecken. Zwischen Salzbrezeln und Getränken liegen Pinsel und bunte Acrylfarben bereit. Doch an diesem sonnigen Septembernachmittag geht es nicht in erster Linie um das Bemalen von Flaschen und Gläsern. Gleich werden hier junge Menschen zusammensitzen, die sich vorher nie begegnet sind. Während die Pinselstriche über das Glas huschen, entstehen nicht nur bunte Muster und Bilder, sondern auch Gespräche: Über das Studium, das Leben in der WG – und manchmal über dieses Gefühl, das viele kennen, wenn am Wochenende plötzlich die Einsamkeit vorbeischaut. Denn organisiert hat dieses Treffen "Let's connect" in Koblenz.

„Let’s Connect“ startete ursprünglich im Rahmen des Studiums der Sozialen Arbeit an der Hochschule Koblenz. Während eines Praxissemesters in der Familienbildungsstätte Koblenz erkannten Anika Zentner und Alicia Kranz, dass Einsamkeit bei jungen Erwachsenen ein oft übersehenes Thema ist. Ihre Idee: Ein niedrigschwelliges Angebot schaffen, das sowohl Begegnungen ermöglicht, als auch über das Thema aufklärt.

Zwei Studentinnen aus Koblenz haben zusammen mit der Katholischen Familienbildungsstätte das Projekt "Let's connect!" gestartet. Es setzt sich gegen soziale Isolation ein.

„Wir wollten etwas ins Leben rufen, das wir uns selbst in schwierigen Phasen gewünscht hätten“, erklärt Alicia.

Das Projekt umfasst zwei wesentliche Elemente:

  • Aufklärung über soziale Medien: Der Instagram-Account von „Let’s Connect“ bietet Fakten, Challenges und Denkanstöße rund um das Thema Einsamkeit. „Es geht darum, Mythen zu entkräften und zu zeigen, dass Einsamkeit kein Tabuthema sein sollte“, so Anika.
  • Monatliche Treffen: Die Treffen sind bewusst flexibel gestaltet. Ohne Anmeldung und ohne Kosten können junge Erwachsene zwischen 18 und 35 Jahren vorbeikommen. Die Aktivitäten reichen von Koch- und Bastelabenden über Picknicks bis hin zu Spieleabenden.
  • Kontakt: Seit August hat das Team auch eine Mailadresse: lets_connect@fbs-koblenz.de

„Wir schaffen einen Raum, in dem man einfach Mensch sein darf.“

Die Atmosphäre bei den Treffen ist besonders: Es geht nicht darum, Einsamkeit explizit zu thematisieren, sondern durch gemeinsame Aktivitäten einen Rahmen für Gespräche und Begegnungen zu schaffen.

Ich habe schon tiefgründige Gespräche auf einem Videospielabend geführt, einfach weil man etwas hat, das nebenbei passiert.

Einsamkeit wird hier nicht als Schwäche angesehen, sondern als ein Gefühl, das alle Menschen kennen und teilen können. „Es gibt kein Ausschlusskriterium für Einsamkeit. Jeder kann davon betroffen sein – und das ist völlig okay“, betont Alicia.

Ein Angebot für junge Menschen, das ankommt

Die Resonanz auf „Let’s Connect“ hat die Erwartungen der beiden Gründerinnen weit übertroffen. Beim allerersten Treffen kamen bereits 20 Personen – und es werden immer mehr. Besonders beeindruckend ist die Vielfalt der Teilnehmenden: Studierende, Azubis, FSJler und Berufstätige, die erst seit kurzem in Koblenz leben, finden hier zusammen.

Viele kommen mit der Hoffnung, bei uns erste Anknüpfungspunkte in einer neuen Stadt zu finden.

Das Wintersemester startet: Für einige Studierende bedeutet das der Beginn einer einsamen Zeit. Mehr Infos unter dem SWR-Projekt EXIT EINSAMKEIT
Studierende auf dem Campus. Bild: iStock / Grady Reese

"Let's connect" ist ein Projekt mit Zukunft

Obwohl das Projekt ursprünglich an das Studium gebunden war, führen Alicia und Anika „Let’s Connect“ auch nach ihrem Abschluss weiter. Alicia arbeitet mittlerweile in der Familienbildungsstätte Koblenz, die das Projekt weiterhin unterstützt. Die Veranstaltungen bleiben kostenlos und ohne großen Aufwand für die Teilnehmenden – zwei zentrale Aspekte, um möglichst viele junge Erwachsene zu erreichen.

„Wir haben gemerkt, wie wichtig dieses Angebot ist. Es wäre schade, wenn es mit dem Studium einfach beendet würde“, sagt Alicia.

Nacht gegen die Einsamkeit

„Let’s Connect“ zeigt, wie notwendig Räume sind, in denen junge Erwachsene sich begegnen, austauschen und einfach sie selbst sein können. Das will der SWR auch mit der "Nacht gegen die Einsamkeit" am 22. November erreichen. Hier könnt ihr sehen, wer alles mitmacht:

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