In der Autowerkstatt der Carl-Benz-Schule scharen sich fünf Vorschulkinder um ein aufgebocktes Auto. Sie sind aufgeregt, als sie selbst das Auto auf der Hebebühne hoch- und herunterfahren dürfen. Geduldig schaut der Berufsschullehrer zu. Schließlich sollen alle mal drankommen. Anschließend zeigt er ihnen, wie man die Schrauben am Rad löst und später wieder festzieht.
Dabei kommen die kleinen Handwerker ganz schön ins Schwitzen, erzählt die sechsjährige Sofia nach getaner Arbeit: "Das war auch ultraschwer. Das könnte man nicht alleine machen." Also hätten alle Kinder gemeinsam die Ratsche gegriffen und die Schraube zusammen fest gedreht. Sofia ist sicher: Jetzt fällt der Reifen nie mehr ab.
Kinder wollten Berufe kennen lernen
Bereits seit drei Jahren lädt die Carl-Benz-Schule die Vorschulkinder der Katholischen Kita Sankt Beatus Koblenz zu einem Schnuppertag ein. Dabei dürfen sich die Kinder auch in der Schreinerei und im Industrielabor 4.0 umsehen. Mit Unterstützung der Berufsschullehrer können sie sich dort selbst als Handwerker versuchen und beispielsweise Nägel in einen Holzblock schlagen oder einen Roboterarm bedienen. Der Tag sei auch für die Lehrer ein Highlight, erzählt Alois Wehrhausen.
Der Berufsschullehrer hat das Projekt zusammen mit der Kita ins Leben gerufen. Die eigentliche Idee sei aber von den Kindern selbst gekommen. Sie hätten sich gewünscht, verschiedene Berufe einmal kennenzulernen. Eine gute Idee, fand Wehrhausen. Denn die Berufswelt - und insbesondere das Handwerk - seien vielen Kindern heutzutage fremd: "In früheren Jahren waren oft viele Betriebe in den Stadtteilen, in den Dörfern. Das ist ja mittlerweile nicht mehr der Fall."
Schnuppertag soll Selbstbewusstsein der Kinder stärken
Auch die Erzieherin Lisa Schwarz ist der Meinung, dass die Kinder hier viel für das Leben lernen können. Nicht nur, wie man ein Werkzeug richtig benutzt, sondern auch, "dass nicht alles einfach da ist, dass da Arbeit hinter steckt." Die Kinder seien stolz auf ihre neu gewonnenen Kenntnisse. Das stärke auch ihr Selbstbewusstsein.
Die Kooperation zwischen Kita und Berufsschule ist laut Alois Wehrhausen das einzige Projekt dieser Art. Er ist der Meinung, dass man gar nicht früh genug damit anfangen kann, Kindern Alltagskompetenzen beizubringen. Das helfe später auch bei der Berufsfindung. Beim Schnuppertag passiert das ganz spielerisch. Die Kinder haben großen Spaß an der Aktion. Ein Junge will gar nicht mehr weg: "Ich will in der Autowerkstatt bleiben!"