Zwei Mäuse schlängeln sich an einer Lichterkette am Schaufenster der Bäckerei Hoefer in der Koblenzer Schlossstraße entlang. Sie krabbeln in leeren Brötchenkörben herum und nagen an liegen gebliebenen Essensresten auf dem Boden. Auf den ersten Blick sieht das vielleicht ganz putzig aus. Allerdings: Wenn man weiß, dass es der Verkaufsraum einer Bäckerei ist, nicht mehr so sehr.
Das Video mit den Mäusen war von Passanten in den sozialen Medien veröffentlicht worden. Inzwischen hat es über 30.000 Aufrufe. In den Kommentaren sind die Meinungen gemischt. Die Leute schreiben zum Beispiel: "Iiihhhhhhhh", "Normal, überall wo mit Lebensmitteln gearbeitet wird, kommen die kleinen Nager" oder "Sowas zu posten, müsste strafbar sein, eine Existenz zu zerstören...". Eine Userin schrieb dem SWR dazu: "Das ist ein massiver Hygieneskandel." Ein Laden in diesem Zustand dürfe auf keinen Fall geöffnet sein.
Bäckereikette nimmt Mäuse-Vorfall ernst
Auf SWR-Anfrage bestätigte die Bäckereikette aus Koblenz die Situation. Geschäftsführer Tobias Kröber teilte schriftlich mit: "Solche Vorfälle nehmen wir selbstverständlich sehr ernst - unabhängig davon, dass Mäuse grundsätzlich überall dort auftreten können, wo Lebensmittel verarbeitet oder gelagert werden." Auch in ihrem Unternehmen sei ein regelmäßiges Schädlingsmonitoring verpflichtend - und das sei entsprechend durchgeführt worden.
Dazu zählt den Angaben zufolge beispielsweise, dass alle Arbeitsflächen und Betriebsmittel vor Ladenöffnung konsequent und gründlich gereinigt werden. Außerdem würden abends alle Lebensmittel vollständig weggeräumt. Täglich finde eine Grundreinigung statt.
Zudem schrieb Kröber, dass ein neu entstandenes Loch hinter dem Ofen vollständig verschlossen und auch der Keller baulich gesichert worden sei. Die Maßnahmen und Kontrollen durch einen externen, zertifizierten Schädlingsbekämpfer seien nach dem Vorfall nochmal verschärft worden.
Gastronomen bestätigen Mäuse in Schlossstraße
Doch wie sieht es eigentlich bei den benachbarten Gastronomen in der Koblenzer Schlossstraße aus? Bei Gesprächen ohne Mikrofon und Kamera bestätigten sie das Mäuse-Problem. Eine Gastronomin ist sehr verzweifelt deswegen. Sie sagte dem SWR, sie hätte schon einmal einen Schädlingsbekämpfer beauftragt. Die Mäuse wären aber wieder gekommen. Sie könne es sich nicht leisten, jede Woche jemanden zu beauftragen.
Ein anderer Gastronom erzählte, dass er bereits mehrmals - für jedes Mal rund 800 Euro - einen Schädlingsbekämpfer auf die Mäuse angesetzt hätte. So langsam würde das Früchte tragen. Beide gaben an, dass die Mäuse die Läden in der gesamten Straße beschäftigten. Darüber tausche man sich regelmäßig aus.
Stadt Koblenz: Keine Hinweise auf Mäuse-Anstieg
Aus Sicht der Stadt Koblenz gibt es keine Hinweise auf einen außergewöhnlichen Anstieg der Nagetiere in der Schlossstraße. Ein Pressesprecher teilte mit, dass es wie in vielen innerstädtischen Bereichen es auch dort vereinzelt zu Sichtungen von Mäusen kommen kann.
Gewerbliche Lebensmittelbetriebe seien im Rahmen ihrer gesetzlichen Eigenverantwortung verpflichtet, eine Schädlingsüberwachung sicherzustellen - und bei Anzeichen eines möglichen Befalls sofort zu handeln. Dazu gehöre auch, bei Bedarf Fachfirmen zu beauftragen. Die Stadt leistet dabei aber nach eigenen Angaben keine finanzielle Unterstützung.
Wenn bei Kontrollen Auffälligkeiten festgestellt werden, werden laut Stadt die notwendigen Schritte eingeleitet und die Umsetzung überwacht. Eine spezifische Meldepflicht für einzelne Mäusefunde sei ihnen nicht bekannt, so der Pressesprecher.
Mäuse können Infektionskrankheiten übertragen
Dennoch können Mäuse für Menschen gefährlich werden. Das Veterinäramt des Kreises Mayen-Koblenz teilte auf SWR-Anfrage mit, das Lebensmittelrecht unterscheide nicht, ob es sich bei einem Schadnagerbefall um Mäuse oder Ratten handelt. Beide seien nach dem Lebensmittelrecht gleich zu bewerten. Sowohl Mäuse als auch Ratten können den Angaben zufolge Krankheiten übertragen, mit denen sich auch Menschen anstecken können - sogenannte Zoonosen.
Sie können sie direkt verbreiten, da sie selbst Träger des Erregers sind und diese über Kot, Urin oder andere Körperflüssigkeiten ausscheiden. Außerdem können sie auch sogenannte Vektoren sein, indem sie Krankheitserreger übertragen, an denen sie aber nicht zwangsläufig selbst erkrankt sein müssen, heißt es.
Bäckereikette arbeitet an Mäuse-Problem
Die Bäckereifiliale von Hoefer in der Schlossstraße blieb auch nach dem Mäuse-Vorfall weiter geöffnet. "Es besteht keine Gefährdung für unsere Kundinnen und Kunden. Sämtliche Schritte erfolgen in enger Abstimmung mit der Lebensmittelüberwachung und unserem Schädlingsbekämpfer," teilte Tobias Kröber mit.