Eltern der sogenannten Sternenkindern können sich einmal im Monat in Neuwied treffen und untereinander austauschen. Dabei werden sie von speziell geschulten ehrenamtlichen Begleiterinnen unterstützt. Eine von ihnen ist Bianca Orth. Sie ist selbst Mama von drei Sternenkindern. Sie hatte die Idee, die Gruppe zu gründen. Im Interview mit dem SWR erklärt sie, wie es dazu kam:
SWR Aktuell: Frau Orth, wie entstand die Idee, eine Gruppe für Eltern von Sternenkindern zu gründen?
Bianca Orth: Ja, also es beruht eigentlich auf meiner eigenen Vorgeschichte. Ich selbst habe drei Sternenkinder und ein Kind an der Hand. Ich habe erfahren müssen, dass die Begleitung nicht vollumfänglich, beziehungsweise nicht sehr breit aufgestellt ist. Und ich halt neben der medizinischen Versorgung eigentlich nur einen tollen Bestatter hatte, der uns zur Seite stand.
Und ja, daraus habe ich den Wunsch entwickelt, eine Weiterbildung zur "ehrenamtlichen Begleiterin für Familien bei Frühtod ihres Kindes und nach pränatal-medizinischer Diagnose" zu machen, um eben Familien in solchen Situationen zu unterstützen und zu begleiten. Die Weiterbildung habe ich ein Jahr lang in St. Augustin bei "Hope's Angels" gemacht, einem Verein, der sich um Eltern von Sternenkindern kümmert. Und ich habe dann festgestellt, dass es im Kreis Neuwied kein Angebot für Eltern von Sternenkindern gibt. Daraufhin habe ich mich an den Hospizverein gewandt und wir haben gemeinsam beschlossen, ein Gruppen-Angebot aufzubauen.
SWR Aktuell: Warum ist das denn so wichtig, sich in so einer Gruppe austauschen zu können?
Bianca Orth: In der Gruppe haben die Eltern die Möglichkeit, in einem geschützten Raum mit Gleichgesinnten ins Gespräch zu kommen und die unterschiedlichen Schicksale zu verbinden. Sie sind nicht alleine in ihrer Trauer. All dies ist halt schön, wenn man dort Gleichgesinnte hat und sich dort ein Stück weit austauschen kann.
Zum anderen bietet es auch die Möglichkeit, die Eltern so ein Stück weit auf ihrem Weg durch die Trauer zu begleiten und ihnen gleichzeitig neue Wege durchs Leben aufzuzeigen. Dadurch können die Eltern auch ein Stück weit aufgefangen werden.
SWR Aktuell: Wie läuft denn so ein Gruppengespräch ab? Gibt es feste Regeln oder Rituale?
Bianca Orth: Also es wird ein Treffen von Eltern sein, bei dem sie ihre schmerzlichen Erinnerungen, die sie mitbringen, zum Ausdruck bringen können. Und wir im geschützten Raum darüber reden können. Rituale gibt es auch. Eins ist zum Beispiel, dass Gedenken an die Kinder. Wir möchten den Eltern Kraft und Mut geben, für sich und auch für ihre Familie. Wir wollen gerne schöne Erinnerungen schaffen, neben den schmerzlichen Erinnerungen, die der Verlust zurücklässt.
SWR Aktuell: Warum ist es denn wichtig, dass das Thema Sternenkinder mehr Raum in der Gesellschaft bekommt?
Bianca Orth: Es darf halt kein Tabuthema mehr sein. Kinder, die vor, während oder nach der Geburt versterben, sind alle Kinder. Und deren Eltern sind alle Mama und Papa geworden. Die Eltern sollten sich nicht in der Trauer verstecken müssen. Es braucht Raum für die Trauer und für die Gefühle, um den Verlust eines geliebten Menschen. Auch wenn ihr Kind nie die Augen öffnet, lachen kann oder mit den Füßen auf der Erde steht, die Liebe zu dem Kind bleibt. Sie ist vielleicht schon weit vor der Geburt, vielleicht auch schon mit dem Kinderwunsch entstanden. Und es ist halt so wichtig, dass diese Kinder auch gesehen werden. Also die Gesellschaft darf diese Kinder nicht wegreden, sondern sie sind Teil der Familie und auch ein Teil der Gesellschaft.
SWR Aktuell: Was wünschen Sie sich denn bei dem Thema Sternenkinder?
Bianca Orth: Der Wunsch jedes Menschen ist es doch wahrgenommen zu werden. Und ich wünsche mir ein Stück weit, dass jede Familie mit ihrem Kind Raum und Zeit bekommt und nicht alleine gelassen wird. Hier ist halt eine gute Begleitung und einfach auch eine vollumfängliche Aufklärung wichtig für die Familien.
Mein Wunsch ist einfach, dass Fachpersonal, Krankenhäuser, Ärzte, Hebammen sich ein Stück weit auch dieses Thema auf die Agenda setzen und sich auch weiterbilden können, um halt eben mit gewissem Feingefühl für die Familien da sein zu können. Denn sie sind meistens erste Ansprechpartner im Krankenhaus nach dem Tod des Kindes oder während der Schwangerschaft bei der Feststellung des Todes.
Treffen von Eltern von Sternenkindern einmal im Monat in Neuwied
Die Gruppentreffen für Eltern von Sternenkindern sollen einmal im Monat donnerstags von 17.30 Uhr bis 19 Uhr in der Geschäftsstelle des Neuwieder Hospizvereins stattfinden. Interessierte können sich anmelden über den Neuwieder-Hospiz-Verein. Entweder telefonisch unter 02631-9530488 oder auch mobil 0160-2320537.