Ein Jahr nach dem Heizöl-Unfall wirkt die Natur in den Thürer Wiesen bei Mendig auf den ersten Blick weitgehend unberührt. Die Spuren des Unfalls sind heute kaum noch zu erkennen. In den Wiesen und Wasserflächen ist wieder reges Tierleben zu beobachten, vielerorts sind Vögel zu hören.
Naturschutzgebiet zeigt sich stabil
Die Kreisverwaltung Mayen-Koblenz und die Stiftung für Natur und Umwelt im Landkreis Mayen-Koblenz ziehen nach einem Jahr eine überwiegend positive Bilanz für das eigentliche Naturschutzgebiet. "Im Naturschutzgebiet selbst ist alles in Ordnung", sagt Tanja Stromberg von der Stiftung im Gespräch mit dem SWR. Auch eine erfolgreiche Brut des Weißstorches habe es bereits wieder gegeben. Die Stiftung kümmert sich im Auftrag der Kreisverwaltung um das Naturschutzgebiet.
Anders stellt sich die Lage jedoch in der benachbarten Fläche dar, die zur Erweiterung vorgesehen ist, so Stromberg weiter. Aktuelle Untersuchungen zeigten aber, dass der Boden dort stellenweise weiterhin durch das ausgelaufenen Heizöl belastet ist.
Erweiterungsfläche noch von Öl belastet
Das hat konkrete Folgen für den Naturschutz vor Ort: Eigentlich sollten auf der Erweiterungsfläche inzwischen Wasserbüffel weiden. Die Tiere sollen verhindern, dass die Fläche zuwächst und verbuscht und sie so offen halten. Offene Landschaften gelten als wichtiger Lebensraum für zahlreiche Vogelarten in dem Naturschutzgebiet.
Die Erweiterung des Beweidungsprojekts ist wegen der Belastungen im Boden momentan aber nicht möglich. Eine weitere Untersuchung des Geländes soll nun im Frühjahr Klarheit bringen.
Bildergalerie: So war die Lage nach dem Unfall
Ölverseuchte Vögel nach Unfall
Zu der Katastrophe im Naturschutzgebiet Thürer Wiesen kam es, als am 21. Feburar 2025 ein Tanklaster mit 30.000 Litern Heizöl an Bord einen Unfall auf der B262 bei Mendig hatte. Dabei lief ein großer Teil des Heizöls in die Oberflächenentwässerung der Bundesstraße, in ein großes Regenrückhaltebecken, sowie ins Naturschutzgebiet "Thürer Wiesen".
Nach Angaben des rheinland-pfälzischen Innenministeriums konnte die Feuerwehr noch 18.000 Liter des Heizöls aus den Tankbehältern absaugen. Allein im Regenrückhaltebecken seien später rund 7.000 Liter Heizöl gesichert worden, heißt es weiter.
Die Folgen des Ölunfalls zeigten sich in den Tagen danach: Mitarbeitende der Wildvogelpflegestation aus Kirchberg in der Eifel suchten damals das Gelände nach Vögeln mit ölverklebtem Gefieder ab. Sie schilderten dem SWR das dramatische Ausmaß. "Hier ist alles verseucht", sagte etwa die damalige stellvertrende Leiterin der Wildvogelpflegestation, Franziska Kauermann.
Zukunft des Wasserbüffel-Projekts bleibt vorerst offen
Die stellvertretende Vorstandsvorsitzende der Stiftung für Natur und Umwelt im Landkreis Mayen-Koblenz Tanja Stromberg blick nach einem Jahr mit gemischt Gefühlen auf das Erweiterungsgebiet. Sie hatte gehofft, dass dort schon längst die Büffel weiden könnten. Dass es nicht so ist, mache sie traurig, sagt sie. Gleichzeitig sei sie aber sehr zufrieden mit dem Krisenmanagement nach dem Unfall: Ihr Team habe damals schnell und professionell reagiert. "Am Ende bin ich sehr stolz auf mein Team und die Arbeit, die dort geleistet wurde."
Ob und welche Schäden es auf Dauer möglicherweise im Grundwasser rund um die Thürer Wiesen gibt, das weiß die Kreisverwaltung Mayen-Koblenz noch nicht. Bislang seien die Werte der Wasserproben aber immer unauffällig, heißt es auf eine Anfrage des SWR.
Was zahlt alles die Versicherung?
Und auch die Frage, wie viel die Versicherung für die Sanierung der B262 in den Thürer Wiesen und für die Sanierung der Erweiterungsfläche zahlen wird, ist noch offen. Es sei eine "beträchtliche Schadenssumme in Millionenhöhe entstanden", so der Kreis. Weil die Verhandlungen aber noch nicht abgeschlossen sind, könne man noch keine konkrete Schadenshöhe beziffern. Die Versicherung sei aber kooperativ.