Zwischen Erinnerung und Hoffnung

Warum die Trierer für ihr Exhaus kämpfen

Ein Ort für alles und alle, das war das Exhaus im Trierer Stadtteil Nord. Seit sechs Jahre ist es geschlossen. Zu Unrecht, wie Christl Baltes-Löhr im SWR-Interview erzählt.

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Von Autor/in Verena Hafner

Ein altes, teils verfallenes Gebäude, Graffitis blättern von den Wänden, Fenster sind zerbrochen. Und doch steckt in diesem Ort eine besondere Geschichte. Das ehemalige Exzellenzhaus, kurz Exhaus, in Trier war über Jahrzehnte ein kultureller Treffpunkt: Konzerte, Partys, Theater, politische Diskussionen, Jugendarbeit und manchmal sogar Hochzeiten. Heute kämpft eine Genossenschaft darum, das Haus wiederzubeleben.

Eine, die diesen Ort sehr gut kennt, ist die Triererin Christl Baltes-Löhr. Im SWR-Interview erzählt sie, warum ihr dieser Ort bis heute so viel bedeutet und weshalb sie an eine Zukunft des Exhauses glaubt.

Christl Baltes-Löhr ist frisch gebackenes Mitglied bei der Exhaus Genossenschaft in Trier.
Christl Baltes-Löhr ist frisch gebackenes Mitglied bei der Exhaus Genossenschaft in Trier.

SWR Aktuell: Frau Baltes-Löhr, Sie haben bei der ersten offiziellen Genossenschaftsveranstaltung direkt einen Anteil für 600 Euro gekauft und freudestrahlend gerufen: "Endlich Genossin". Warum war Ihnen das so wichtig?

Christl Baltes-Löhr: Weil das Exhaus für mich nie einfach nur ein Gebäude war. Ich habe dort gearbeitet, Freundschaften geschlossen, gestritten, gelernt und gefeiert. Für mich steht dieser Ort für Selbstbestimmung, Solidarität und gemeinsames Gestalten. Als ich die Möglichkeit hatte, Genossin zu werden, war das für mich ein klares Zeichen: Ich will dazu beitragen, dass der Geist des Exauses weiter erhalten bleibt.

Christl Baltes-Löhr hat bei der ersten, öffentlichen Veranstaltung der Genossenschaft Anteile gekauft.
Christl Baltes-Löhr hat bei der ersten, öffentlichen Veranstaltung der Genossenschaft Anteile gekauft.

SWR Aktuell: Ihre Verbindung zum Haus reicht viele Jahrzehnte zurück. Wie haben Sie das Exhaus kennengelernt?

Baltes-Löhr: Eigentlich über den Balkensaal. Dort waren samstags die Partys. Wir sind damals alle hingepilgert, haben getanzt, Menschen getroffen und uns einfach amüsiert. Das war mein erster Zugang zum Haus. Später habe ich dort gearbeitet und erst da gemerkt, wie groß und vielfältig dieser Ort eigentlich war. Das war ein Haus für alle.

SWR Aktuell: Was hat das Exhaus damals besonders gemacht?

Baltes-Löhr: Die Vielfalt. Da gab es Räume für Kinder, Jugendliche, Erwachsene, Konzerte, Werkstätten, Kulturgruppen und politische Initiativen. Alles gleichzeitig an einem Ort. Genau das macht den Unterschied. Man begegnete Menschen, die man sonst nie getroffen hätte.

SWR Aktuell: Sie haben dort zwei Jahre gearbeitet. Woran erinnern Sie sich besonders?

Baltes-Löhr: An die Energie. Wir haben Räume umgebaut, mit Jugendlichen Möbel geschnitzt, gekocht, Theater gemacht und Veranstaltungen organisiert. Wenn etwas nicht gepasst hat, haben wir es verändert. Andere meinten damals, das würde nicht funktionieren. Aber gemeinsam mit den Jugendlichen haben wir es einfach gemacht. Das Haus wurde von den Menschen gestaltet, die es genutzt haben. Genau das war seine Stärke.

SWR Aktuell: Das Exhaus spielte auch in Ihrem Privatleben eine wichtige Rolle. Sie haben dort geheiratet.

Baltes-Löhr: Ja, 1988 im Balkensaal. Das war ein rauschendes Fest. Familie, Freundinnen und Freunde, Kolleginnen und Kollegen, Menschen aus dem Exhaus, aber auch viele, die einfach vorbeigeschaut haben. Alle waren da. Es wurde getanzt, gelacht und gefeiert bis tief in die Nacht.

Christl Baltes-Löhr und ihr Mann bei ihrem Hochzeitsfest 1988 im Balkensaal des Exhauses.
Christl Baltes-Löhr und ihr Mann bei ihrem Hochzeitsfest 1988 im Balkensaal des Exhauses.

SWR Aktuell: Warum fiel die Wahl auf das Exhaus?

Baltes-Löhr: Weil es zu uns gepasst hat. Das Haus stand für Offenheit und Gemeinschaft. Genau das wollten wir auch für unsere Hochzeit. Rückblickend war es einer der schönsten Tage meines Lebens.

SWR Aktuell: Das Exhaus wurde 2020 geschlossen. Erinnern Sie sich an den Moment, als Sie davon erfahren haben?

Baltes-Löhr: Ja. Ich war traurig und hatte Angst. Nicht nur davor, dass das Gebäude verfällt, sondern davor, dass jemand kommt und daraus etwas völlig anderes macht. Ein Hotel, Luxuswohnungen oder eine Event-Location. Das wäre für mich der Verlust dessen gewesen, wofür das Haus immer stand.

SWR Aktuell: Was macht es mit Ihnen, den Ort aktuell zu sehen - leerstehend?

Baltes-Löhr: Es tut jedes Mal weh. Wenn man an einem Ort so viel erlebt hat, dann blutet einem das Herz, dabei zuzusehen, wie es verfällt.

Das Exhaus in Trier steht seit sechs Jahren leer. Eine Genossenschaft will es sanieren und wiederbeleben.
Das Exhaus in Trier steht seit sechs Jahren leer. Eine Genossenschaft will es sanieren und wiederbeleben.

SWR Aktuell: Nun soll eine Genossenschaft das Gebäude retten. Wie blicken Sie auf diese Entwicklung?

Baltes-Löhr: Mit großer Hoffnung. Ich habe bei den jungen Menschen, die sich dort engagieren, etwas gespürt, das mich an die Anfangszeit erinnert. Diesen Willen, etwas gemeinsam aufzubauen. Sie arbeiten unglaublich engagiert und leidenschaftlich.

SWR Aktuell: Glauben Sie, dass das Projekt gelingen kann?

Baltes-Löhr: Ja. Natürlich wird das Zeit brauchen. So ein großes Haus ist nicht von heute auf morgen saniert. Aber ich glaube daran, dass das Exhaus wieder ein Ort werden kann, an dem Menschen zusammenkommen und Zukunft gestalten.

SWR Aktuell: Warum ist das Exhaus aus Ihrer Sicht wichtig für Trier?

Baltes-Löhr: Weil es keinen vergleichbaren Ort gibt. Andere Einrichtungen leisten großartige Arbeit, aber das Exhaus hatte Platz für viele unterschiedliche Gruppen gleichzeitig. Diese Begegnungen entstehen nicht zufällig. Dafür braucht es Räume. Und solche Räume sind wichtig für eine demokratische Gesellschaft.

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SWR Aktuell: Was wünschen Sie sich persönlich für die Zukunft des Exhauses?

Baltes-Löhr: Dass der Geist des Hauses zurückkehrt. Nicht als nostalgische Kopie der Vergangenheit, sondern in einer Form, die zu den Menschen von heute passt. Und vielleicht feiern mein Mann und ich dort eines Tages noch einmal ein großes Jubiläum. Unsere Goldene Hochzeit wäre ein schöner Anlass.

SWR Aktuell: Sie glauben also an ein Happy End?

Baltes-Löhr: Ja. Wenn genügend Menschen mitmachen, dann kann das gelingen. Das Exhaus war immer ein Ort des Miteinanders. Und genau das braucht Trier auch in Zukunft.

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Verena Hafner

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