Viele Schwimmbäder im nördlichen Rheinland-Pfalz kämpfen mit Personalmangel. Mehrere Freibäder in der Region haben im Internet Stellen für die Beckenaufsicht, als Rettungsschwimmer oder Schwimmmeister ausgeschrieben, zum Beispiel Koblenz, Neuwied, Ellenz-Poltersdorf oder Treis-Karden. Im vergangenen Jahr musste wegen Personalmangel sogar das Freibad in Kirchwald im Hunsrück die komplette Saison geschlossen bleiben. Dieses Jahr hat auch das Pellenzbad in Plaidt Schwierigkeiten, ausreichend Bademeister und Rettungsschwimmer zu finden. Um den Badebetrieb aufrechterhalten zu können, setzt hier der Zweckverband inzwischen auf die Unterstützung eines Personaldienstleisters.
Personal auf Zeit sichert den Badebetrieb
"Ohne die Unterstützung des Personaldienstleisters hätten wir die Öffnungszeiten reduzieren oder das Bad sogar schließen müssen", sagt Simone Röttgen vom Zweckverband Frei- und Hallenbad Pellenz. Über die Vermittlung konnten zusätzliche Rettungsschwimmer und ein Schwimmmeister gewonnen werden.
Dazu gehört auch Mazen Alnser, der vor zehn Jahren aus Syrien geflüchtet war. In seiner Heimat arbeitete er viele Jahre als Rettungsschwimmer in einem Hotel-Hallenbad. Für seinen Einsatz in Deutschland legte er erneut das Rettungsschwimmerabzeichen ab. Während seine Familie in Detmold lebt, arbeitet er nun dort, wo er gebraucht wird. Unterkunft und Reisekosten werden vom Personaldienstleister übernommen.
Flexible Hilfe bei Personalengpässen
Der Einsatz von Zeitarbeitskräften bietet den Bädern vor allem Flexibilität. Kurzfristige Ausfälle können leichter aufgefangen werden. Zudem verfügen spezialisierte Personaldienstleister über größere Möglichkeiten bei der Personalsuche.
"Wir rekrutieren bundesweit und nutzen intensiv Social Media. Dahinter steckt ein enormer organisatorischer Aufwand. Täglich führen wir rund 30 Bewerbungsgespräche", erklärt Sascha Kleinhaus vom Unternehmen Plan P. Der Geschäftsführer ist bundesweit tätig und hat sich auf Personalgewinnung für den Badebereich spezialisiert.
Praktische Lösung – aber keine günstige
Für die Schwimmbadbetreiber ist diese Lösung allerdings mit höheren Kosten verbunden. "Es wird dadurch nicht günstiger, sondern teurer", sagt Simone Röttgen. Deshalb hofft sie, dass aus den befristeten Einsätzen möglichst oft feste Arbeitsverhältnisse entstehen.
Ein Beispiel dafür ist Betriebsleiterin Shaline Schmidt. Sie war zunächst als Zeitarbeitskraft im Pellenzbad tätig und arbeitete zuvor in verschiedenen Bädern in ganz Deutschland. Heute freut sie sich über ihren festen Arbeitsplatz in Plaidt. Gleichzeitig sieht sie ihre wechselnden Einsätze als wertvolle Erfahrung für ihre berufliche Entwicklung.
Kritik aus der Branche
Nicht alle sehen den Einsatz von Personal auf Zeit uneingeschränkt positiv. Timo Steffen vom Landesverband Deutscher Schwimmmeister kritisiert, dass teilweise Rettungsschwimmer beschäftigt würden, die den Anforderungen nicht immer vollständig gerecht würden. Zudem verdienten ausgebildete Schwimmmeister und Schwimmgesellen mit jahrelanger Ausbildung oft nur unwesentlich mehr als Zeitarbeitskräfte. Das führe zu Unzufriedenheit unter den Fachkräften.
Für das Pellenzbad in Plaidt war die Entscheidung dennoch alternativlos. Nun hofft man auf weitere Festanstellungen – und natürlich auf sonniges Wetter und viele Badegäste.