Sowas kennt auch Timo Steffen vom Landesverband der Schwimmmeister in Rheinland-Pfalz. Er war schon in einigen Schwimmbädern im Hunsrück im Einsatz, und weil er sich lieber um die Sicherheit seiner Badegäste kümmert, als mit ihnen herumzudiskutieren, ist er jetzt am Schalkenmehrener Maar, da ist es deutlich ruhiger.
Wenig Respekt und mehr Ärger für Schwimmmeister an Badeseen und in Freibädern
SWR1: Ist das einfach mangelnder Respekt, dass die Leute im Schwimmbad immer aggressiver werden?
Timo Steffen: Ja, definitiv. Also der Respekt ist in den letzten Jahren ganz gewaltig gesunken.
SWR1: Was für Möglichkeiten haben Sie als Schwimmmeister durchzugreifen? Also rausschmeißen und Hausverbot – bringt das dann was?
Steffen: Der Rauswurf für den Tag, also das temporäre Hausverbot, das ist schon eine Möglichkeit. Wenn man das flächendeckend untereinander so kommunizieren könnte, dass dieser Mensch dann Hausverbot hat, dann wäre das natürlich auch eine Strafe für jemanden.
Aber so ist es so: Ich mache hier Blödsinn, gehe ins nächste Bad, mache auch wieder Blödsinn […] und ich habe meinen Spaß gehabt. Einigen kommt das tatsächlich so vor, als ob das ein Volkssport wäre.
Schwimmmeister Timo Steffen: Security im Freibad sehe ich kritisch
SWR1: Immer mehr Schwimmbäder setzen auch zusätzlich Security ein, aber das sehen Sie kritisch. Warum?
Steffen: Ja, ich sehe das sehr kritisch, weil in dem Moment die Autorität des Schwimmmeisters noch weiter untergraben wird. Das heißt, der Jugendliche, der Blödsinn macht, sieht, dass der Schwimmmeister das ahnden will, muss aber dann die Security hinzurufen, um das Hausrecht umzusetzen.
Das ist ein deutliches Signal für den Jugendlichen, der Schwimmmeister hat hier überhaupt nichts zu sagen.
Das ist ein deutliches Signal für den Jugendlichen, der Schwimmmeister hat hier überhaupt nichts zu sagen. Was ich auch schon erlebt habe, ist, dass ich dann ein Hausverbot erteilt habe und der Mann von der Security dann plötzlich beschwichtigende Worte einlegte und zu mir kam und mit mir diskutierte.
Das geht überhaupt nicht. Da war das Signal für den Jugendlichen erst recht so, dass der Schwimmmeister gar nichts zu sagen hat, also machen wir, was wir wollen.
Rivalisierende Gruppen streiten sich im Freibad Wörth: Bis zu 20 Security-Mitarbeiter im Badepark im Einsatz
Nie waren im Badepark in Wörth so viele Security-Mitarbeiter im Einsatz: Bis zu 20 Sicherheitsleute kümmern sich an besucherstarken Tagen um die Sicherheit der Badegäste.
Aggressive Situationen und Ärger im Freibad: Ist Selbstverteidigung für Schwimmmeister eine Lösung?
SWR1: Das Einfachste wäre natürlich, alle würden sich ordentlich benehmen. Aber was müsste denn aus Ihrer Sicht passieren, damit es wieder besser wird? In Mainz wird sogar Deeskalationstraining vom Bundeskriminalamt angeboten.
Steffen: Ja, dieses Deeskalationstraining haben wir in unserer Ausbildung auch schon mit drin. Das heißt bei uns in der Ausbildung "Umgang mit dem Badegast". Da kommen auch Konfliktlösungen und Konfliktbewältigung mit rein.
Vielleicht sollten wir auch den Mitarbeitern eine gewisse Art von Selbstverteidigung an die Hand geben.
Was wir machen sollten, um auch sicherer aufzutreten, ist, dass wir vielleicht auch den Mitarbeitern eine gewisse Art von Selbstverteidigung an die Hand geben. Wenn ich einem Aggressor selbstbewusst gegenübertrete, dann nehme ich aus dieser Situation unter Umständen schon die Spannung raus.
Jugendliche machen Ärger Eintritt verboten: Schweizer Dorf lässt keine Franzosen mehr ins Freibad
Im schweizerischen Dorf Pruntrut dürfen keine Franzosen mehr ins Freibad. Französischsprachige Jugendliche hatten für viel Ärger gesorgt. Grenzüberschreitende Recherchen zeigen: Es handelt sich um keinen Einzelfall.
SWR1: Wie weit darf Selbstverteidigung in so einem Fall gehen? Jemandem den Arm auf den Rücken drehen und rausschmeißen? Ich könnte mir vorstellen, dass die Freunde dieser Person damit nicht einverstanden wären.
Steffen: Ja, das ist ein sehr schwieriges Unterfangen. Die Security oder die Polizei würden im Endeffekt auch nichts anderes tun. […] Aber allein dieses sichere Auftreten entspannt sie in vielen Situationen schon.
SWR1: In der Schweiz gibt es ein Bad, da dürfen zum Beispiel keine Franzosen mehr rein, weil es immer wieder Ärger mit französischsprachigen Jugendlichen gegeben hat. Könnten Sie sich sowas auch in Rheinland-Pfalz vorstellen?
Steffen: Definitiv nicht! Das Schöne ist bei uns: Wir sind in einer Demokratie und alle Menschen sind gleich. Ich freue mich über ausländische Gäste. Was uns helfen würde, wäre garantiert eine Kartei mit Bildern von Menschen, die in den Bädern auffällig sind. Dann können wir sagen: Ihr kommt hier gar nicht mehr rein, weil ihr letzte Woche hier in Blödsinn gemacht habt. Da hätten wir einen eindeutigen Beweis.