Etwa 50 Schülerinnen und Schüler haben freiwillig bei dem Projekt für Selbstverteidigung und Selbstbehauptung teilgenommen. Nicht nur, aber vor allem Mädchen. Alle sind zwischen 15 und 17 Jahren alt. Und jede einzelne erzählt dem SWR, dass sie schon Situationen erlebt hat, die sexuell übergriffig oder zumindest grenzwertig waren. In dem meisten Fällen ist ihnen das im digital Raum passiert.
Viele Berichte über sexuelle Übergriffe in Sozialen Medien
Eine 15-Jährige etwa erzählt von einem Ereignis aus dem letzten Sommer: Ein fremder Mann schreibt ihr und will Nacktfotos von ihr. Als sie Nein sagt, versucht er sie unter Druck zu setzen. Letztlich kann sie ihn abwimmeln, aber solche Situationen erlebe sie regelmäßig sagt sie. Und das belaste sie sehr.
Meistens versuche ich, es zu ignorieren, aber es ist noch in meinem Kopf
In einigen wenigen Fällen habe sie mit ihren Lehrern darüber gesprochen, sagt die Jugendliche. "Meistens versuche ich, es zu ignorieren, aber es ist noch in meinem Kopf." Viele Jugendliche berichten von ähnlichen Erfahrungen: Oft kämen die Anfragen von Fake-Accounts, also von Fremden, die sich als Bekannte ausgeben. Und die sie mit den Bildern erpressen wollen. Hin und wieder kommen die Anfragen auch von Jugendlichen oder jungen Männern aus dem direkten persönlichen Umfeld.
Lernen, was gegen sexuelle Übergriffe hilft
Die Schulsozialarbeiterin Miriam Diemer begleitet das Projekt an der Berufsbildenden Schule in Bad Neuenahr-Ahrweiler. Sie kennt diese Geschichten nur zu gut. "Umso wichtiger ist es, dass die Mädchen lernen, was zu tun ist," sagt sie dem SWR. Zum Beispiel, dass sie solche Vorfälle der Polizei melden können, die an dem Projekttag auch an der Schule ist.
Die Mädchen müssten lernen, das sie verschiedene Optionen haben - und das dabei Schweigen immer die schlechteste Option sei. Oft liege das an der Scham, sagt die Sozialarbeiterin. Wenn sie Nacktbilder oder ähnliches verschickt haben, sowieso. Aber auch schon vorher. "Diese Mädchen sind teilweise 14, 15 Jahre alt. Die schämen sich, wenn sie über so etwas wie Nacktbilder oder Pornografie sprechen sollen."
Ein weiterer zentraler Punkt sei, dass die Mädchen lernen: Sie sind nicht allein. Das sei zwar im Grunde dramatisch, aber helfe den Jugendlichen auch, sich aus der Scham zu lösen.
Selbstvertrauen hilft gegen sexuelle Übergriffe
Bei dem Projekttag gibt es auch ganz handfeste Unterstützung: In Form von Selbstverteidigungskursen, in denen die Schülerinnen und Schüler lernen, wie sie sich im Extremfall verteidigen können.
Auch hier geht es vor allem darum, dass die Jugendlichen mehr Selbstvertrauen bekommen. Je selbstbewusster der eigene Auftritt ist, desto besser. "Wer weiß, wie er sich im Notfall verhalten kann, der geht schon viel selbstsicherer durch die Welt," sagt Schulsozialarbeiterin Miriam Diemer. Und allein das könne schon den Unterschied machen.