Ausgezeichnetes Bild zeigt Arbeit mit jungen Zugvögeln

Besonderes Foto: Student aus Koblenz gewinnt Preis der Zeitschrift "Nature"

Wenn Forscher bedrohte Zugvögel wieder ansiedeln, müssen sie ihnen auch den Weg in ihr Winterquartier zeigen. Wie das funktioniert, zeigt dieses preisgekröntes Foto eines Koblenzer Studenten.

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Von Autor/in Pia Nicoley

Gunnar Hartmann hat vor zwei Jahren im richtigen Moment auf den Auslöser gedrückt: An einem Spätsommertag stand er frühmorgens hoch oben auf einem Berg in der Nähe von Jaén in Spanien, mit Blick auf die Olivenbäume im Tal. Dann flog eine Gruppe junger Waldrappen in Augenhöhe ganz dicht an ihm vorbei. Hinter ihnen zwei Wissenschaftlerinnen vom Waldrappteam in einem Ultraleichtfluggerät mit Paraschirm. "Das war ein magischer Moment", erinnert sich der 24-Jährige.

Das Siegerfoto von Gunnar Hartmann zeigt zwei Forscherinnen in einem Leichtflugzeug, die hinter einem Schwarm junger Waldrappen fliegen
Das Siegerfoto des Wettbewerbs "scientist at work" (Wissenschaftler bei der Arbeit) zeigt die zwei Mitglieder des Waldrapp-Teams, die Jungvögel bei ihrem Flug ins Winterquartier begleiten und ihnen den Weg nach Spanien zeigen. Gunnar Hartmann

Der Weg ins Winterquartier will gelernt sein - auch bei Waldrappen

Hartmanns Interesse für Vögel begann schon in seiner Jugend. Über eine Bekannte bekam er Kontakt zum Max-Planck-Institut für Verhaltensbiologie in Radolfzell, wo er Helena Wehner kennenlernte. Sie ist eine langjährige Mitarbeiterin des Waldrapp-Projekts.

2023 fragte sie ihn, ob er als Freiwilliger das Team begleiten und unterstützen wolle, das den Jungvögeln den Weg ins Winterquartier nach Spanien zeigt. Er hatte Zeit und sagte zu. "Ich finde es faszinierend, dass es möglich ist, eine ausgestorbene Zugvogelart wiederanzusiedeln." Das Projekt läuft seit mehr als 20 Jahren und ist erfolgreich.

Zwei junge Frauen in gelben T-Shirts sitzen auf einer Wiese und werden von einem Schwarm Waldrappen umflattert
Die beiden Ziehmütter der Waldrappen, Barbara Steininger (li.) und Helena Wehner (re.): Sie haben die Küken von Hand aufgezogen. Gunnar Hartmann Bild in Detailansicht öffnen
Eine Waldrappe im Flug: Der Koblenzer Student Gunnar Hartmann hat sich als ehrenamtlicher Fotograf an einem Projekt zur Wiederansiedlung beteiligt und ein preisgekröntes Foto geschossen.
Waldrappen galten im 15. Jahrhundert als Delikatesse und wurden gejagt. Circa 400 Jahre lang waren sie in Europa in der freien Wildbahn ausgestorben. Gunnar Hartmann Bild in Detailansicht öffnen
Ein Schwarm Waldrappen, dahinter ein Leichtflugzeug mit den beiden Ziehmüttern
Der Weg zu ihren Winterquartieren im Süden wird den Waldrappen von ihren Ziehmüttern gezeigt, die in einem Ultraleicht-Fluggerät mit einem Paraschirm den Schwarm begleiten. Gunnar Hartmann Bild in Detailansicht öffnen
Das Siegerfoto von Gunnar Hartmann zeigt zwei Forscherinnen in einem Leichtflugzeug, die hinter einem Schwarm junger Waldrappen fliegen
Das Siegerfoto des Wettbewerbs "scientist at work" (Wissenschaftler bei der Arbeit) zeigt die zwei Mitglieder des Waldrapp-Teams, die Jungvögel bei ihrem Flug ins Winterquartier begleiten und ihnen den Weg nach Spanien zeigen. Gunnar Hartmann Bild in Detailansicht öffnen
Ein Schwarm Waldrappen in der Luft
Der Weg ins Winterquartier ist für die Jungvögel anstrengend. Deshalb wartet das Team, das sie begleitet, immer günstige Wetterbedingungen ab. So kann es einige Wochen dauern, bis die Waldrappen in Spanien ankommen. Gunnar Hartmann Bild in Detailansicht öffnen
Blick auf einen Jepp und ein Zeltcamp des Waldrappteams
Der Aufwand für das Waldrapp-Team ist groß: Immer wieder muss unterwegs ein ganzes Camp für das Team auf gebaut werden. Gunnar Hartmann Bild in Detailansicht öffnen
Eine Voliere mit Waldrappen
Jeden Tag baut das Team gut gesicherte Volieren auf, in denen die jungen Waldrappen übernachten. Gunnar Hartmann Bild in Detailansicht öffnen
Der Koblenzer Student Gunnar Hartmann blickt in die Kamera: Er hat einen Fotowettbewerb der wissenschaftlichen Fachzeitschrift Nature gewonnen.
Gunnar Hartmann hat das Waldrapp-Projekt in den Jahren 2023 und 2024 als Ehrenamtlicher bei allem unterstützt, was nötig war. Und er hat den Weg der Vögel in den Süden auch mit seinen Fotos dokumentiert. Gunnar Hartmann Bild in Detailansicht öffnen

Der Waldrapp war ausgerottet

Die Wiederansiedlung der Waldrappen ist eine Mammutaufgabe. Die Vögel wurden vor Jahrhunderten in Europa ausgerottet, hauptsächlich durch Jagd. Nur in Marokko und Syrien gab es noch Populationen. Ab Mitte des 20. Jahrhunderts wurden Waldrappen in europäischen Zoos nachgezüchtet. Ziel des Projekts ist es, wieder so viele Vögel in der freien Natur anzusiedeln, dass die Art von alleine überleben kann.

Dafür werden jedes Jahr Küken aus den Zoos von Hand aufgezogen. Sobald sie groß genug sind, trainieren die Teammitglieder die Jungvögel darauf, ihnen in den speziellen Fluggeräten zu folgen. Denn die Vögel sind für ihren ersten Zug in den Süden noch auf Hilfe angewiesen. Mit dem Leichtflugzeug zeigt das Team den jungen Waldrappen, die zu den Ibisen gehören, den Weg in ihr Winterquartier. Gleichzeitig nutzen die Wissenschaftlerinnen die Reise für ihre Forschung zu den Tieren.

Die Waldrappen geben das Tempo vor auf den Weg in den Süden

Doch unterwegs läuft nicht immer alles nach Plan. "Wenn die Vögel nicht mitfliegen wollen, was durchaus mal vorkommen kann, muss man den Versuch abbrechen und auf den nächsten Tag warten“, berichtet Hartmann.

Das Team ist während der Reise aufwendig organisiert. Immer wieder wird ein Camp aufgebaut, inklusive einer gesicherten Voliere, in der die Vögel gefüttert werden und übernachten. Finanziert wird das Projekt von der EU, anderen Institutionen und privaten Geldgebern.

Seit sein Foto den Wettbewerb #ScientistAtWork photo competion der "Nature" gewonnen hat, bekommt Gunnar Hartmann viele Glückwünsche und Interviewanfragen. Darüber freut er sich: Er findet, dass es wichtig es ist, solche Naturschutz-Projekte zu unterstützen. Sein preisgekröntes Foto soll genau darauf aufmerksam machen. Es zeige, wie viel Einsatz und Hingabe hinter dem Artenschutz stehen, so der Hobbyfotograf.

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Erstmals publiziert am
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Autor/in
Pia Nicoley
Foto von Multimediareporterin Pia Nicoley aus dem SWR-Studio Koblenz

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