"Ja, es gibt Eier", freut sich Anne-Gabriela Schmalstieg vom Waldrapp-Projekt zur Wiederansiedlung in der Bodenseeregion im Gespräch mit dem SWR. "Wir haben zwei Nester in der Felswand bei Überlingen, in denen schon fleißig gebrütet wird und es könnte noch ein drittes geben, da wird schon angebandelt". Aber bis es so weit sei, dauere es noch eine Weile, weil es sich um einen Vogel handele, der zum ersten Mal brüte. Darüber hinaus bestehe noch Hoffnung auf ein viertes Brutpaar.
Weibchen aus Salzburg nach Überlingen gebracht
Derzeit befinden sich neun Waldrappe im Brutgebiet in Überlingen, drei davon sind Weibchen. Eines, das nun brüten soll, wurde aus einer Kolonie in Salzburg an den Bodensee gebracht und in die Gruppe integriert. Denn in Salzburg gebe es mehr Weibchen als Männchen, so Anne-Gabriela Schmalstieg. Die Waldrapp-Dame soll jetzt in Überlingen einen Partner finden. Das scheint erfolgreich zu sein.
Schweizer Waldrappe brüten wieder in Fensternische
Dass es in diesem Jahr bislang nur neun Vögel in Überlingen gibt, liegt auch daran, dass ein Brutpaar, das eigentlich zur Überlinger Kolonie gehört, erneut in der Schweiz brütet. "Die haben wieder ein Nest in einer Fensternische in Vaulruz (Kanton Freiburg) und dort aktuell vier Eier", so Anne-Gabriela Schmalstieg. "Das heißt, die kommen in diesem Jahr nicht mehr nach Überlingen. Sie sind dort unter Beobachtung der Wildhüter."
Was machen die "Spanier" genannten Waldrappe?
Mit großer Spannung verfolgt das Waldrappteam, was die "Spanier" machen - also jene Waldrappe, die vor drei Jahren in Binningen (Kreis Konstanz) groß geworden sind und von dort aus nach Andalusien geflogen sind. Inzwischen leben von den ursprünglich 32 dort angekommenen Vögeln nur noch fünf. Doch diese könnten frisches Blut in die Überlinger Kolonie bringen und im Herbst den Jungvögeln den Weg nach Andalusien zeigen.
Zumal auch dort noch ein Weibchen am Leben ist. Dieses hat vor kurzem die Grenze von Spanien nach Frankreich überschritten und könnte bald in Überlingen ankommen. "Es kann sehr gut sein, dass sie bald zurückkommt. Die Überlinger Männchen, die bislang keine Partnerin gefunden haben, haben trotzdem Nester gebaut. Das Weibchen hätte dann also die freie Wahl", so Anne-Gabriela Schmalstieg.
Sie haben alle Nester gebaut. Sie haben also noch Hoffnung, dass weitere Weibchen dazukommen.
Flugtraining der Waldrappe bald in Riedlingen
Das Waldrappteam blickt nun optimistisch auf die kommende Saison. "Ich rechne mit drei bis vier Eiern pro Nest", so Anne-Gabriela Schmalstieg. Zudem freut sie sich, dass im Mai 32 Jungvögel nach Riedlingen (Kreis Biberach) gebracht werden. Diese sollen dort von menschlichen Ziehmüttern groß gezogen werden und lernen, einem Ultraleichtflugzeug zu folgen.
Auch diese Tiere sollen im Herbst nach Andalusien fliegen. Langfristig sollen sie zur Überlinger Kolonie gehören. "Daher haben wir die Hoffnung, dass wir eine stabile Population in Überlingen hinbekommen", so Anne-Gabriela Schmalstieg.